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    USD/JPY Die Taube unter den Falken – Lockere Geldpolitik der Bank of Japan schwächt den Yen

    Gastautor: Torsten Gellert
     |  25.04.2012, 12:29  |  1905 Aufrufe  |   | 

    Das waren noch Zeiten, als der japanische Yen seine Hochphase als Carry-Trade-Währung erlebte und auch immer dann als „sicherer Hafen“ aufgesucht wurde, wenn es an den weltweiten Finanzmärkten ungemütlich wurde und die Risikobereitschaft der Investoren abnahm. In dieser Rolle läuft in den letzten Monaten der US-Dollar dem Yen den Rang ab.

    Und sollte die Unsicherheit an den Märkten in den nächsten Wochen weiter anhalten, würde dies wohl eher den Greenback gegenüber dem Yen weiter stärken. 

    Der Kursverlauf des Yen wird aktuell hauptsächlich von der zukünftigen Geldpolitik der Bank of Japan bestimmt. Diese hat ihren jahrzehntelangen eher restriktiven Kurs längst aufgegeben und die Geldschleusen geöffnet, um der heimischen Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen und eine weitere Aufwertung ihrer Währung zu verhindern. Erst im Februar hatte sie beschlossen, das Volumen ihres Anleihekaufprogramms nach dem Vorbild der US-Notenbank um weitere 10 Billionen Yen auf aktuell 65 Billionen Yen auszuweiten.

    Während andere Notenbanken wie die US-Notenbank Fed und die EZB sich in den vergangenen Wochen zumindest verbal von dieser expansiven Geldpolitik etwas entfernt haben, sehe ich die Japaner weiter auf diesem Kurs. Vom Treffen der Währungshüter Ende der Woche erwarte ich weitere Signale in diese Richtung, einige Marktteilnehmer spekulieren gar auf eine nochmalige Aufstockung des Anleihekaufprogramms um 10 Billionen Yen. Nachdem die Leitzinsen in den wichtigsten Industriestaaten an der Null-Linie angekommen sind, richtet sich der Fokus der Notenbanken nun auf Maßnahmen, die eigene Währung im internationalen Vergleich zu schwächen. Der Wettlauf um die schwächste Währung ist in vollem Gange. Das bedeutet für den Devisenmarkt: Es geht jetzt nicht mehr um die stärkste, sondern um die am Wenigsten schwache Währung.

    Die Notenbank steht deshalb unter einem enormen politischen Druck. Während die japanische Wirtschaft noch immer unter den Folgen der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe vom März des vergangenen Jahres leidet, befindet sich das Land eher in einer Deflation als einer Inflation. Der morgen veröffentlichte Konsumenten-Preis-Index (CPI) soll den Erwartungen zufolge um 0,4 Prozent im Jahresvergleich gestiegen sein. Erst kürzlich bekannte sich die Bank of Japan (BoJ) zu einem kurzfristigen Inflationsziel von einem Prozent, langfristig strebt sie ein Preisstabilitätsziel auf Basis dieser Verbraucherpreise von zwei Prozent an. Im Gegensatz zu ihren Notenbank-Kollegen in New York, London und Frankfurt hat sie also noch genug Spielraum für weitere stimulierende Maßnahmen im Geldmarkt.

    Fraglich bleibt allerdings, ob diese Schritte ausreichen, eine Wirtschaft wieder anzukurbeln, die eher unter anderen Symptomen als die einer starken heimischen Währung leidet. Der oberste Währungshüter, BoJ-Gouverneur Masaaki Shirakawa, brachte dies erst in der vergangenen Woche auf den Punkt: „Wir sollten nicht der Illusion aufsitzen, dass die Macht der Zentralbank unbegrenzt ist. Zentralbanken können keine strukturellen Probleme lösen.“

    Japans Wirtschaft ist schon längst nicht mehr, was sie mal war. In den vergangenen Jahrzehnten galt die fernöstliche Wirtschaftsmacht als Synonym für modernste Technik, wissenschaftlichen Fortschritt und war das ökonomische Erfolgsmodell. Nun muss sich zum Beispiel mit Sony ein ehemaliges Vorzeigeunternehmen im Kampf um Marktanteile bei Elektronikartikeln der weltweiten Konkurrenz geschlagen geben und nach vier Verlustjahren in Folge den Rotstift im gesamten Konzern ansetzen.  Nur ein Beispiel von vielen. Steigende Lebenserwartung und sinkende Geburtsraten führen zu einer schnelleren Alterung der Gesellschaft, die die Sozialsysteme zunehmend belastet. Mit mehr 230 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hat das Land mittlerweile den mit Abstand höchsten Schuldenberg unter den Industrienationen angehäuft.

    Die Faktoren, die auf einen fallenden Yen hindeuten, bleiben also ungeachtet der Äußerungen der japanischen Notenbank zur zukünftigen Politik am Freitag, bestehen. Im Gegenteil, eine Überraschung mit einer noch nicht hundertprozentig eingepreisten weiteren Lockerung sollte diesen Trend eher noch verstärken. Bis zum Ende des Jahres erwarte ich daher den Yen zum US-Dollar eher bei 85 und darüber und zum Euro bei 115 Yen und darüber. Dies wäre für alle Beteiligten die beste Lösung. Die Exportnation Japan würde profitieren, die Notenbank hätte in den Augen der Politik alles richtig gemacht und der Yen würde für Carry-Trades für die Investoren wieder interessant werden.



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    Torsten Gellert ist Managing Director von FXCM Deutschland. FXCM ist einer der führenden Forex- und CFD-Broker weltweit, der seine Dienste seit 1999 privaten und institutionellen Kunden anbietet. Forex Capital Markets Ltd. (FXCM) ist durch die UK Financial Services Authority zugelassen [FSA Registrierungsnummer 217689]. Forex Capital Markets Limited, Berlin (FXCM Deutschland), ist eine Niederlassung von Forex Capital Markets Ltd. Das Unternehmen wird zu großem Teil durch die FSA reguliert und in anderen Bereichen durch die Deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht beaufsichtigt [BaFin Registrierungsnummer 122556].

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