Klage gegen Deutsche Bank Verbriefte Immobiliendarlehen von Anfang notleidend?

     |  29.04.2012, 16:02  |  2186  |  0
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    Die BayernLB fährt schwere Geschütze gegen die Deutsche Bank auf: Im Mittelpunkt einer Klage der Landesbank gegen das Frankfurter Geldinstitut stehen die Geschäftspraktiken in den USA. Der Vorwurf: Die Deutsche Bank soll heimlich selbst gegen die verbrieften Kredite spekuliert haben, die sie ihren eigenen Kunden verkaufte. Wie die Tageszeitung „Die Welt“ berichtet, seien unter den von der BayernLB erworbenen Wertpapieren auch jene, die hochrangige Deutsche-Bank-Händler Greg Lippmann schon vor Ausbruch der Finanzkrise von 2007 als „Schrott“ und als „grauenvoll“ bezeichnet hatte. Die Klageschrift wurde Mitte April dieses Jahres in New York eingereicht.
     
    Die abfälligen Äußerungen Lippmanns über die Verbriefungsprodukte der Bank und die Kunden, die sie kauften, hatten die Deutsche Bank bereits im vergangenen Jahr in Verruf gebracht. Sie wurden durch einen Untersuchungsbericht des US-Senats zur Krise bei Ramschhypotheken öffentlich, der sich auch mit der Rolle der Deutschen Bank im Geflecht der Verbriefungskonstrukte befasste.
     
    Nach Informationen der „Welt“ hatte die BayernLB in den Jahren 2006 und 2007 insgesamt 810 Millionen Dollar in so genannte RMBS-Papiere der Deutschen Bank investiert (RMBS: Residential mortgage-backed securities, durch Hypotheken gesicherte Wertpapiere). Allein 92 Millionen Dollar entfielen nach Angaben der Landesbank auf genau jene Serie von Verbriefungen, die Lippmann in E-Mails „ein Stück Scheiße“ bezeichnet hatte.
     
    Ein weiterer Vorwurf der BayernLB: Die Deutschen Bank habe sie über die wahre Qualität der verbrieften Kredite getäuscht. So habe das Frankfurter Geldhaus in den Angebotsunterlagen zugesichert, bei der Vergabe aller Darlehen gewisse Kriterien eingehalten zu haben. Tatsächlich sollen jedoch die Kreditvermittler, die die Darlehen an wenig vermögende Immobilienkäufer verkauft hatten, in vielen Fällen gegen diese Richtlinien verstoßen haben. Im Ergebnis lag das Ausfallrisiko der Kreditpakete womöglich deutlich höher als angenommen. Zudem sollen zahlreiche Kredite sogar bereits notleidend gewesen sein, als sie an die BayernLB weitergereicht wurden – die Schuldner dieser Darlehen waren mit Zins- und Tilgungszahlungen mehr als 30 Tage im Rückstand, schreibt die „Welt“ unter Berufung auf die Klageschrift. Dabei hatte die Deutsche Bank in ihren Angebotsunterlagen ausdrücklich ausgeschlossen, Kredite mit Zahlungsverzug in die Verbriefungspakete zu packen.
      
    Die Vorwürfe der BayernLB weist die Deutsche Bank zurück. „Wir glauben, dass diese Klage unbegründet ist, und wir werden uns mit allen juristischen Mitteln dagegen zur Wehr setzen“, sagte ein Banksprecher der „Welt“. Im Detail will man sich zu dem laufenden Rechtsstreit allerdings nicht äußern. Die Tatsache, dass sich Lippmann kritisch zu Wertpapieren äußerte, die die Bank selbst verkaufte, verteidigt man in Frankfurt. „Es gab unterschiedliche Auffassungen innerhalb der Deutschen Bank zur Entwicklung des US-Häusermarktes – diese wurde gegenüber Investoren auch immer transparent gemacht“, sagte der Sprecher. Unter dem Strich habe die Bank aber mehr Geld auf eine Fortsetzung des Immobilienbooms gesetzt als dagegen und deshalb auch selbst in der Finanzkrise Milliardenverluste erlitten.
     
    Die Klage der BayernLB reiht sich ein in eine Serie juristischer Auseinandersetzungen in den USA. Auch wenn die Deutsche Bank zuletzt mehrere Vergleiche verkündet hatte, sind weiterhin zahlreiche Verfahren anhängig.

    Wertpapier: Deutsche Bank

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    Klage gegen Deutsche Bank Verbriefte Immobiliendarlehen von Anfang notleidend?

     

    Die BayernLB fährt schwere Geschütze gegen die Deutsche Bank auf: Im Mittelpunkt einer Klage der Landesbank gegen das Frankfurter Geldinstitut stehen die Geschäftspraktiken in den USA. Der Vorwurf: Die Deutsche Bank soll heimlich selbst gegen die verbrieften Kredite spekuliert haben, die sie ihren eigenen Kunden verkaufte. Wie die Tageszeitung „Die Welt“ berichtet, seien unter den von der BayernLB erworbenen Wertpapieren auch jene, die hochrangige Deutsche-Bank-Händler Greg Lippmann schon vor Ausbruch der Finanzkrise von 2007 als „Schrott“ und als „grauenvoll“ bezeichnet hatte. Die Klageschrift wurde Mitte April dieses Jahres in New York eingereicht.
     
    Die abfälligen Äußerungen Lippmanns über die Verbriefungsprodukte der Bank und die Kunden, die sie kauften, hatten die Deutsche Bank bereits im vergangenen Jahr in Verruf gebracht. Sie wurden durch einen Untersuchungsbericht des US-Senats zur Krise bei Ramschhypotheken öffentlich, der sich auch mit der Rolle der Deutschen Bank im Geflecht der Verbriefungskonstrukte befasste.
     
    Nach Informationen der „Welt“ hatte die BayernLB in den Jahren 2006 und 2007 insgesamt 810 Millionen Dollar in so genannte RMBS-Papiere der Deutschen Bank investiert (RMBS: Residential mortgage-backed securities, durch Hypotheken gesicherte Wertpapiere). Allein 92 Millionen Dollar entfielen nach Angaben der Landesbank auf genau jene Serie von Verbriefungen, die Lippmann in E-Mails „ein Stück Scheiße“ bezeichnet hatte.
     
    Ein weiterer Vorwurf der BayernLB: Die Deutschen Bank habe sie über die wahre Qualität der verbrieften Kredite getäuscht. So habe das Frankfurter Geldhaus in den Angebotsunterlagen zugesichert, bei der Vergabe aller Darlehen gewisse Kriterien eingehalten zu haben. Tatsächlich sollen jedoch die Kreditvermittler, die die Darlehen an wenig vermögende Immobilienkäufer verkauft hatten, in vielen Fällen gegen diese Richtlinien verstoßen haben. Im Ergebnis lag das Ausfallrisiko der Kreditpakete womöglich deutlich höher als angenommen. Zudem sollen zahlreiche Kredite sogar bereits notleidend gewesen sein, als sie an die BayernLB weitergereicht wurden – die Schuldner dieser Darlehen waren mit Zins- und Tilgungszahlungen mehr als 30 Tage im Rückstand, schreibt die „Welt“ unter Berufung auf die Klageschrift. Dabei hatte die Deutsche Bank in ihren Angebotsunterlagen ausdrücklich ausgeschlossen, Kredite mit Zahlungsverzug in die Verbriefungspakete zu packen.
      
    Die Vorwürfe der BayernLB weist die Deutsche Bank zurück. „Wir glauben, dass diese Klage unbegründet ist, und wir werden uns mit allen juristischen Mitteln dagegen zur Wehr setzen“, sagte ein Banksprecher der „Welt“. Im Detail will man sich zu dem laufenden Rechtsstreit allerdings nicht äußern. Die Tatsache, dass sich Lippmann kritisch zu Wertpapieren äußerte, die die Bank selbst verkaufte, verteidigt man in Frankfurt. „Es gab unterschiedliche Auffassungen innerhalb der Deutschen Bank zur Entwicklung des US-Häusermarktes – diese wurde gegenüber Investoren auch immer transparent gemacht“, sagte der Sprecher. Unter dem Strich habe die Bank aber mehr Geld auf eine Fortsetzung des Immobilienbooms gesetzt als dagegen und deshalb auch selbst in der Finanzkrise Milliardenverluste erlitten.
     
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