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Vom Trader-Gott zum Online-Bettler Fataler Leerverkauf treibt Trader über Nacht in den Ruin - Jetzt soll die Community spenden

20.11.2015, 15:15  |  19232   |  17   |   

Dies ist die Geschichte von Joe Campbell, einem Hobby-Trader, der volles Risiko geht … und über Nacht alles verliert. Die Pleite vor Augen, bittet er die Trading-Community um Hilfe. Sie soll für ihn spenden und ihn so vor dem finanziellen Ruin bewahren.

Joe Campbell ist begeisterter Daytrader. Seit März handelt er beinahe täglich, am liebsten mit kleineren Aktien. Es läuft gut und Campbell findet Gefallen am Nervenkitzel. Dieser ist bei solchen Aktien garantiert, immerhin kann ihr Kurs aufgrund der geringen Stückzahl schlagartig nach oben oder nach unten gehen. Der ultimative Adrenalinkick, aber eben auch das ultimative Risiko.

Doch Campbell scheint voll und ganz in seinem Element. Auf Twitter prahlt er regelmäßig mit seinen Erfolgen. Auch an diesem Mittwoch sieht zunächst alles nach einem weiteren tollen Handelstag aus. „Calling it a day“, twittert Campbell. Dazu der Hinweis auf seine Short-Position auf KaloBios. Er rechnet also damit, dass der Kurs der Aktie fallen wird.

Eine todsichere Wette, glaubt Campbell. Immerhin gab das Pharmaunternehmen am vergangenen Freitag bekannt, mehr oder weniger Pleite zu sein und die operativen Geschäfte schließen zu müssen. Campbell ist sich sicher: Das Unternehmen ist erledigt. Am Mittwoch verkauft er deshalb rund 8.400 Anteile für etwas unter zwei Dollar leer, erzählt er dem „Business Insider“. Leer, das bedeutet, dass Campbell die Aktien eigentlich gar nicht besitzt. Er rechnet aber damit, sie zu einem späteren Zeitpunkt günstiger nachkaufen zu können als er sie zuvor verkauft hat. Es ist das Prinzip des klassischen Leerverkaufs (Mehr zu diesem Thema finden Sie hier). Läuft alles nach Plan und der Kurs sinkt, macht Campbell damit ein Bombengeschäft. Und ehrlich gesagt: Was soll bei KaloBios schon schief gehen?

Kurze Zeit später dieser Tweet:

Wer einmal Trading-Luft geschnuppert hat, den lässt der Nervenkitzel so schnell nicht wieder los. Ein kleiner Gewinn hier, ein hübsches Plus da … „Fünf Tage lang Gewinne und du denkst, du seist Gott“, erklärt mir ein Kollege, selbst ein begeisterter Hobby-Trader. Man verliere irgendwann jegliches Risikobewusstsein, hält sich für unverwundbar. Bis es eben doch schiefgeht. Aber dann ist es meist zu spät. Aus Adrenalin wird Panik … und das Trading-Abenteuer endet im finanziellen Fiasko.

So auch für Campbell. Doch was war passiert? Während Campbell abends in einem Meeting sitzt und wahrscheinlich schon die vielen Dollar-Zeichen vor seinen Augen sieht, passiert das Unmögliche: Die KaloBios-Aktie explodiert. Aus dem Nichts katapultiert sich das Papier um über 800 Prozent nach oben. Martin Shkreli, jener CEO von Turing Pharmaceuticals, der kürzlich für Empörung sorgte (wallstreet:online berichtete), war zusammen mit weiteren Investoren quasi über Nacht bei KaloBios eingestiegen. Wie „Reuters“ berichtet, kaufte allein Shkreli am Mittwoch 1,2 Millionen Aktien und hält nun 39 Prozent am Unternehmen.

KaloBios-Aktie im Fünf-Tagechart

140.000 US-Dollar über Nacht verzockt

Für Campbell bricht über Nacht eine Welt zusammen. Eben wähnte er sich noch im Trading-Himmel, plötzlich liegt sein Konto bei E-Trade 106.445,56 US-Dollar im Minus. Er hatte schlicht das Risiko seiner Wette unterschätzt.

Campbell war davon überzeugt, im schlimmsten Fall höchstens sein gesamtes Investment zu verlieren, also die etwas über 33.000 US-Dollar, die sich am Mittwochabend auf seinem E-Trade-Konto befanden. Ein gefährlicher Trugschluss, denn: Short-Positionen kennen keine Verlustgrenze. Anders als bei Long-Positionen kann man bei Leerverkäufen sehr viel mehr verlieren, als man ursprünglich eingesetzt hat.

Aufgrund der Kursexplosion war Campbell gezwungen, seine Position bei einem Kurs von 18,50 US-Dollar glattzustellen, d.h. die Aktien zu kaufen. Zur Erinnerung: Er hatte zuvor für knapp zwei US-Dollar verkauft. Die Schuld sieht Campbell dennoch eindeutig bei E-Trade. Die Broker hätten seine Position bei Null auflösen müssen, schimpft er. Es könne doch nicht sein, dass sie einen Trader dem freien Fall überließen.

Aber Fakt ist: Campbell hätte sich des Risikos bewusst sein müssen, E-Trade hin oder her. Umgekehrt hätte er sich wohl auch nicht über einen grenzenlosen Gewinn beschwert. Doch daraus wurde nichts, stattdessen steht er vor dem finanziellen Ruin. Was tun? Dann die Idee: Warum nicht die Trader-Community um Hilfe bitten?

Vom Trader-Gott zum Online-Bettler

Gesagt, getan. Auf der Spendenplattform „gofundme“ schildert Campbell seine Geschichte und bittet um Spenden, um seine Schulden bei E-Trade zu begleichen: „Ich werde tun, was ich kann und verkaufen, was ich habe um sie (E-Trade, Anm. d. Red.) zu bezahlen, aber falls jemand meinen Schmerz nachempfindet und mir helfen möchte --- Wer bin ich, Nein zu sagen?“

Tatsächlich kommen innerhalb eines Tages 5.310 US-Dollar zustande. Mittlerweile ist die Spendenaktion auch schon wieder beendet, Campbell wollte nämlich nur 5.000 US-Dollar einsammeln. Nur 5.000, wenn er eigentlich mit über 100.000 US-Dollar in der Kreide steht? Nun gut, Campbell selbst schreibt, er werde unter anderem seinen Pensionsfonds und den seiner Frau auflösen, außerdem will er mit E-Trade verhandeln. Trotzdem: Wieso sich die Blöße geben und zum digitalen Bettler werden, um dann „nur“ 5.000 einzusammeln?

"Echt ein crazy Typ"

Eine mögliche Antwort: Die 5.000 könnten als Einsatz dienen, um sich damit den Rest zurück zu zocken. Denn ganz offensichtlich hat der Vorfall seiner Leidenschaft keinen Abbruch getan. Er werde zurückkommen und weiter traden, schreibt Campbell. „Dieses Mal aber mit Stoppmarken. Was für eine teure Lektion.“

Aber ist es denn überhaupt eine Lektion? Hat er tatsächlich aus seinen Fehlern gelernt, wenn er einfach so weiter traden will? „Das muss schon echt ein crazy Typ sein“, lacht mein Kollege. „Aber so ist das eben. Der Nervenkitzel lässt dich nicht mehr los. Einmal Trader, immer Trader.“

Wertpapier: Twitter


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Kommentare

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kainza
25.01.16 17:36:08
Der Kurs kennt wohl nur noch eine Richtung?
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fsbl20
30.12.15 18:22:17
eigentlich eine schöne Geschichte... bis zu dem Zeitpunkt wo ihm auch noch Geld gespendet wurde.... allein das "Leerverkaufen" überhaupt möglich ist, zeigt wie abgedreht unsere Welt ist. Wir sind alle so was von Geldgeil .... wo ist die Grundidee von der Aktie geblieben... nennen sich schon Hobbytrader - gehören alle in den Steinbruch bei Wasser und Brot, damit die mal merken wie anstrengend es ist Geld zu verdienen...
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NCC-1701E
11.12.15 04:34:51
Wieso?Nicht jeder hat die Gelegenheit einfach mal mit 500.000 US Dollar anzufangen.
Und ganz ehrlich, wenn ich so viel Geld habe, wieso sollte ich dann überhaupt noch Traden?Da denk ich auch dann eher langfristig.
Man sollte schon wissen mit welchen Betrag man anfing, bevor man so eine Bemerkung los lässt!

Und mit weniger Geld ist es bedeutend schwerer als mit einem großen Konto.

Ich hab übrigens bedeutend weniger als 33.000, wenn ich aber den Betrag jetzt nenne, mit dem ich anfing, dann sieht man mein Konto auch wieder mit anderen Augen
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mibo62
27.11.15 09:32:45
Ha Ha. Trader-Gott der bei 140000$ in die Knie geht.
Und wer gibt so einem Idioten dann auch noch Geld?
Ab in die Klappse.
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kainza
25.11.15 11:35:26
Ich habe die Internetblase zu meinem Vorteil genutzt.. (rechtzeitiger Ausstieg)
Auch bei der Immoblase hatte ich Glück... (rechtzeitiges Investment in eigene Immobilie)

Nur gesundheitlich hatte ich in den letzten Jahren etwas Pech und dadurch finanzielle Probleme...

Hoffe jetzt auf die nächste Blase. Nicht ganz einfach, da alle großen Industreistaaten die Druckerpresse angeworfen haben und so die Märkte "stabiliert" bzw. manipuliert haben...

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Vom Trader-Gott zum Online-Bettler Fataler Leerverkauf treibt Trader über Nacht in den Ruin - Jetzt soll die Community spenden

Dies ist die Geschichte von Joe Campbell, einem Hobby-Trader, der volles Risiko geht … und über Nacht alles verliert.Die Pleite vor Augen, bittet er die Trading-Community um Hilfe. Sie soll für ihn spenden und ihn so vor dem finanziellen Ruin bewahren.

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