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DZ-Ökonom fordert Dexit Raus aus dem Euro! Deutschland muss das Experiment Währungsunion beenden

06.01.2016, 12:02  |  19419   |   |   

Für Stefan Bielmeier, Chefökonom DZ Bank, scheint der Euro-Traum endgültig ausgeträumt. So schön die Vorstellung eines gemeinsamen Euroraums auch sei, man müsse der Realität ins Auge sehen. Und die lässt eigentlich nur einen Schluss zu: Deutschland muss raus aus dem Euro!

Der Streit um den Euro und Europa habe eine neue Eskalationsstufe erreicht, konstatiert Bielmeier in einem Gastbeitrag für die „WirtschaftsWoche“. Demnach werden reformbereite Regierungen von Wählern abgestraft, zuletzt in Portugal und Spanien (siehe hier und hier). „Lasst die Reformen sein, die Wähler werden es euch nicht danken – erhöht lieber die Sozialleistungen“, so das Signal, das von den letzten Wahlen im Euroraum ausgehe. Die Regierungen in Spanien, Italien, Portugal und Frankreich hätten dieses Signal erhört und sich von ihrem Konsolidierungskurs verabschiedet. Stattdessen solle sich Deutschland solidarisch zeigen, ohne eine Gegenleistung zu verlangen, schreibt Bielmeier. In Deutschland stoße diese Haltung wiederum auf Unverständnis und fördere die Euro-Skepsis der Bevölkerung. Beides, sowohl die Forderung der Kleinen nach Solidarität der wirtschaftlich Großen, als auch auf der anderen Seite die sinkende Hilfsbereitschaft der Großen, sei aus nationaler Sicht „politökonomisch verständlich“. Doch genau das offenbare das europäische Dilemma: „Dem Euroraum fehlen eine gemeinsame Idee und gemeinsame Ideale“, so der DZ-Chefvolkswirt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) versucht als europäischer Kitt das Fehlen eines gemeinsamen Nenners bislang wettzumachen (Lesen Sie hierzu auch: EZB ist eine Bail-Out-Maschinerie - Rettung maroder Staaten und Banken als Ziel). Durch eine expansive Geldpolitik sei sie bislang in der Lage gewesen, die ökonomischen Ungleichgewichte auszugleichen. Doch laut Bielmeier habe sich die Hoffnung, dass der südliche Euroraum in der Zwischenzeit zur ökonomischen Vernunft komme und die Phase der niedrigen Zinsen nutze, um die notwendigen Strukturreformen anzugehen, nicht erfüllt. Mehr denn je stellten die ökonomischen Ungleichgewichte und die daraus resultierenden Fliehkräfte das größte Problem für den Euroraum dar. Auch, weil mit dem Andauern der Niedrigzinspolitik die ökonomischen Kosten steigen würden.

„Je mehr Zeit verstreicht, desto größer das Problem“

Er selbst habe die Hoffnung bisher nie aufgegeben, gesteht Bielmeier. „Aber je mehr Zeit verstreicht, desto größer wird das Problem.“ Zwar hält er noch immer an der Überzeugung fest, dass der Euroraum allen Mitgliedern großen Nutzen bringe und man daher viel Energie in den Erhalt stecken sollte. „Aber“, so Bielmeier, „auf Dauer kann man nicht nur Idealvorstellungen nachhängen.“ Man müsse der Realität ins Auge sehen. Und diese sehe so aus, dass die EZB alleine durch ihre politischen Optionen den Euroraum langfristig nicht stabilisieren könne. Doch beiden Lösungen, sei es hin zu mehr Reformen oder hin zu mehr Vergemeinschaftung der strukturellen und finanziellen Risiken, stünden nationale Interessen im Weg. Der DZ-Chefökonom sieht deshalb nur noch einen Ausweg: „Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“

Die wirtschaftlich stärkeren Eurostaaten müssten sich die Frage stellen, ob es politisch und ökonomisch langfristig vernünftig sei, Mitglied des Euroraums in seiner gegenwärtigen Gestalt zu bleiben, fordert Bielmeier. Sollte man dann zu dem Ergebnis kommen, dass das Projekt keinen nachhaltigen Bestand haben könne und es keine tragfähige politische Lösung für den langfristigen Erhalt gebe, „wäre es nur konsequent, wenn Deutschland zusammen mit einigen anderen Ländern beginnt, den Ausstieg zu managen.“

Deutschland muss raus aus dem Euro!

Aber wäre ein „Dexit“, also ein Austritt Deutschlands aus der Währungsunion, aus volkswirtschaftlicher Sicht nicht völlig widersinnig? Ja, sagt Bielmeier. Die Kosten eines solchen Schrittes wären hoch: Das geopolitische Gewicht der einzelnen Länder würde schwinden, die Vorteile des gemeinsamen Wirtschaftsraums stünden auf dem Spiel und die Konsequenzen für das wirtschaftliche Wohlergehen könnten „nur negativ sein“. Und trotzdem hält er einen Austritt für unausweichlich.

Zwei bislang eher unwahrscheinliche Szenarien gewinnen seiner Meinung nach zunehmend an Bedeutung: „Entweder ein kontrolliertes Ende des Experiments gemeinsamer Währungsraum, am besten mit einer politischen Option für die weitere Entwicklung der unterschiedlichen Ländergruppen, oder ein unkontrolliertes Zerfallen des Euroraums.“ Insofern sei ein von Deutschland selbst gemanagter Austritt letztlich das geringe Übel, denn: „Das größere, ökonomisch verlustreichere Übel wäre sicherlich der ungesteuerte Zerfall, womöglich im Zuge einer neuen Eurokrise.“ Doch ob kontrolliert oder unkontrolliert, das Ergebnis wäre das gleiche: der Euro-Traum ist ausgeträumt!

Der Stärkste soll gehen? Michael Heise, Chefökonom der Allianz, hält das für völlig absurd. Lesen Sie hier: Darum muss Deutschland im Euro bleiben.

Wertpapier: Allianz


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Kommentare

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borazon
15.01.16 20:53:53
"Es ist keine politische Leistung möglichst viel Geld aus zu geben! "

Oh my goodness.
Damit aberkennst du den Sozen, Grünen und SEDlern ja quasi das Existenzrecht.
:eek:
;)
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gate4share
15.01.16 20:16:27
Eben diesen Zusammenhang noch. Deutschland mit einigen anderen kleinen Ländern zahlt für die EU - die meisten Länder kassieren.
Und dann übernimmt Deutschland die ganzen Asylanten und die anderen halten sich raus, wollen die Leute einfach nicht.
Eben da ist der Zusammenhang, man kann nicht einerseits ständig das geld aus Deutschland fordern unter der Prämisse der Solidarität aber dann die Selbstverständlichkeit seinen Anteil an Asylanten auf zu nehmen, dann einfach sich weigern.

So bescheuert kann man doch nicht sein, dass man fleissig weiter zahlt und die Kassierer machen was sie wollen?! Doch so läuft das in der EU.
Wir werden bis wir selber verarmt sind zahlen für alle anderen. Und Griechenland war jetzt einmal, genauso wird irgendeine andere linke Regierung irgendwo wieder ihr Land in den Ruin treiben und die Eu wird wieder zahlen - wenn wir Schreiben die EU zahlt,dann bedeutet das wohl immer zu mehr las 90% Deutschland zahlt. Und Höchstwahrcheinlich werden die anderen 10 % auch irgendwann mal sagen, dass sie für deren Ausgabepolititk nicht mehr mit zahlen wollen, dann zahlt Deutschland ganz allein.

Und das geht ständig so weiter. Ständig wird ein Land nicht mehr können, und zahlt nicht mehr, oder will mehr und deutschland zahlt weiter.
Man könnte dann auch gleich alle Staaten in den Deutchen Haushalt aufnehmen, und lässt die Länder weiter desolat entscheiden.

Es ist keine poliitsche Leistung möglichst viel Geld aus zu geben!
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Steveguied
14.01.16 01:41:44
Also ich hab es nicht mehr genau im Kopf wie konkret der Satz ausgesehen hat der auf al arabia und al Jazeera im halbstündigen Rhythmus rauf und runter gespult wurde. Auch weil die arabische Übersetzung das überlagert hat. Merkel hat aber definitiv gesagt:

Ich lade alle XXXX ein, hier her zu kommen.

Das war eine konkrete Einladung, die sie ohne Not ausgesprochen hat und jetzt wundert man sich, dass über 1 Mio. Leute pro Jahr kommen. Das war kein SPD Minister oder jemand von den Grünen. Es war eine schwarze Kanzlerin. Ihr habt sie gewählt. Ich hab die nie gewählt und hätte sie auch nicht gewählt.

Die EU ist eine Institution, bei der zum Wohle aller anderen in die Taschen und auf Kosten der Deutschen gegriffen wird. Das ist ein Selbstbedienungsladen in dem der deutsche Michel alle Lasten trägt. Schröder hat da mehrmals auf den Tisch geschlagen und gesagt so geht es nicht. Merkel ist da irgendwie ich weiß gar nicht ob ich es so sagen darf.... sie stellt sich irgendwie "vertrottelt" an. Ich hab es in Anführungszeichen gesetzt.

mfg
Steve!
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gate4share
11.01.16 23:53:43
Was wäre das schön, und welch ein Gewinn für Deutschland wenn der Euro aufgegeben würde!

Und überhaupt hat man was davon, dass man den armen Staaten jedes Jahr zig Miliarden Euro überweisen musss ? nachher wird es einem nur vorgehalten und mit der Aussage man habe ja so lange und so viel Geld gegeben, wird man auch noch aufgefodert noch mehr Geld zu geben, bzw. die Schulden für immer zu übernehmen - siehe Griechenland.

ich glaube es könnte für alle besser sein, wenn man die ganze EU inkl. Euro vergessen......es ist doch schon jetzt so, dass nur Deutschland, Österreich, Holland und eingie Nordstatten zahlen müssen, viele Staaten profitieren und Frankreich hat sich selber in die Armut getrieben und Grossbritannien will nur noch mitmachen, wenn sie nicht zuviel zahlen müssen.
Das heistst wie bei der flüchtlingsaufnahme......einer , eben deutschland zahlt und macht alles für alle!

So doof kann eigentlich kein Land sein, aber wenn man sogar Leute aus andren "einlädt" wie Syter das empfunden haben, dann gibt es auch in deutschland den politischen Willen, für alle, ja für fast alle Länder, die EU Lasten zu tragen!

Deutschland wird daran kaputt gehen!
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Ines43
11.01.16 15:29:21
Man kann den Euro doch auch erhalten, indem man wieder Zölle einführt.
Wenn die wirtschaftlich schwachen Staaten wieder Zölle einführen dürfen,
würde ihre wirtschaftliche Position wenigstens innerhalb des Euroroaumes
gestärkt, der Import würde verteuert, die Binnenwirtschaft so getärkt.

Bliebe dann noch der relativ Euroaußenwert als Nachteil.

Disclaimer

DZ-Ökonom fordert Dexit Raus aus dem Euro! Deutschland muss das Experiment Währungsunion beenden

Für Stefan Bielmeier, Chefökonom DZ Bank, scheint der Euro-Traum endgültig ausgeträumt. So schön die Vorstellung eines gemeinsamen Euroraums auch sei, man müsse der Realität ins Auge sehen. Und die lässt eigentlich nur einen Schluss zu: Deutschland muss raus aus dem Euro!

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