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Deutsche Bank Konkurrent RBS – “Verkaufen Sie alles” – hat Roberts recht?

Gastautor: Daniel Saurenz
14.01.2016, 11:21  |  1152   |   |   

USA_NewYork_5Andrew Roberts, Chefanalyst bei der RBS, macht derzeit die Anleger verrückt. Er hat die These rausgehauen, man solle alles verkaufen. Gleichzeitig räumt er den US-Börsen ein Korrekturpotenzial von 10 bis 20 Prozent ein. Allein dies ist schon aus meiner Sicht albern, denn was sind 10 bis 20 Prozent Korrektur nach Jahren der Hausse? Nichts! Und mutig ist das auch nicht! Dazu hilft es privaten Investoren nicht, es macht nur alle verrückt. Egmond Haidt hat in unseren Webinaren zuletzt auch hart analysiert, für aktive Anleger Ideen gegeben. Doch langfristige Investoren, die Aktien als Anlage betrachten, Aktienprodukte als Investition sehen und nicht unbedingt nur traden, haben von solchen Parolen gar nichts. 2008 im Spätherbst las man das gleiche beim DAX von 4.800. Gut, man hätte sich rund 1.000 Punkte nach unten erspart – um danach den Verdoppler nach oben in 5 Jahren zu verpassen. Ich ordne Roberts Aussagen kurz ein.1) Die Prognose, dass die Börsen in den USA und Europa Korrekturbedarf von 10 bis 20 Prozent haben ist alles andere als gewagt, in Kombination mit der Aussage „Verkaufen Sie alles“ ist sie sogar albern und etwas unsachlich. Denn nach einer jahrelangen Aktienhausse an den US-Börsen 10 bis 20 Prozent Korrekturbedarf zu prognostizieren ist nicht mutig, sondern fast Mainstream. Sein Analystenkollege Albert Edwards, zugegeben ein notorischer Mahner und Warner, von der Societe Generale prognostiziert einen Einbruch um 75% an den US-Märkten.

USA_PresseschauEdwards haben wir im April2015! gehört, haben danach einige Absicherungen vorgestellt – Sie erinnern sich an unsere Serie der Discount-Put-Optionsscheine! Sie erinnern sich auch an unsere Beiträge damals, 2015 auch an Beiträge zu Hello Fresh ausserhalb der Börse und die kuriosen Bewertungen. Mahnen ist absolut o.k, aber bitte dann, wenn es gegen den Trend ist! (Schauen Sie gerne auch in unser Favoritendepot, dort finden Sie ebenso wie in der ISIN-Liste passende Anlageideen).

2) Edwards Statement mag unrealistisch sein, immerhin ist es ein deutliches Statement. Doch von diesen schlagzeilenträchtigen Aussagen einmal abgesehen haben bereits mehr als 50% der US-Aktien eine Korrektur von 20 oder mitunter deutlich mehr Prozent hinter sich, wurde der Markt im letzten Jahr wesentlich von hoch gewichteten Titeln wie Amazon oder Alphabet und Facebook oben gehalten. Diese Titel haben in der Tat Korrekturbedarf (anbei unser Artikel – wir waren etwas früh in der Warnung, zugegeben..), ebenso wie manches Unternehmen außerhalb der Börsenlandschaft. (Schauen Sie auch gerne einmal in unser Ayondo-Gastportfolio hier herein, wir handeln momentan die Ausverkäufe innerhalb der Tage “long”.)

3) Natürlich gibt es Risiken – China hat seinen Finanzmarkt nicht im Griff, die USA steuern geradewegs auf eine Rezession zu schaut man sich Industrie- und Dienstleistungssektor an, betrachtet die Jobs im Energiebereich. Die Märkte preisen genau dies jetzt ein und die Nachrichten sind bekannt, ebenso wie die Verwerfungen in den Haushalten vieler arabischer Staaten. Doch im Moment wird eben alles Negative herausgekramt, vom 2015 so beliebten Argument der Alternativlosigkeit im Vergleich zu Anleihen, dem Nullzinsmarkt, ist nichts mehr zu lesen.
Dazu sind deutsche Aktien im Kurs-Gewinnverhältnis schon massiv gestutzt worden, werden die Bedenken im Kurs berücksichtigt. Dazu genügt ein Blick auf die Charts bei Daimler, Linde, Infineon oder BASF. (Schalten Sie auch gerne unsere Webinare ein, dort erläutern wir nahezu täglich mit unterschiedlichen Mitgliedern aus dem Team die Märkte und betrachten Einzeltiteln, auch unter technischen Gesichtspunkten.)

 4) Wie sollten Anleger reagieren? Müssen sich Sparer mit Fonds Sorgen machen?

USA_AmericanExpressFür deutsche Privatinvestoren ist die Aussage Roberts geradezu nutzlos. Denn auch Ende 2008 als die Finanzkrise ins Laufen kam las man solche Überschriften. Damals notierte der DAX bei knapp 5.000 Zählern, fiel in den Folgemonaten noch unter 4.000. Schon vier Jahre später kratzte er jedoch wieder die 8.000er-Marke. Ob ein „Verkaufen Sie alles“ in solchen Phasen langfristigen Anlegern hilft, muss jeder selbst einschätzen. Schön wäre es gewesen, hätte Roberts im Frühjahr 2015, bei bester Stimmung unter den Anlegern, vor in der Tat überzogenen Bewertungen gewarnt und den Anlegern Hinweise gegeben.
Denn der DAX notiert mittlerweile 2.700 Punkte tiefer, hat bereits vom Top mehr als 20 Prozent korrigiert. Wer langfristig vorsorgt, investiert und anlegt nutzt solche Überschriften eher als Kontraindikator. Denn Aktien zu kaufen wenn die Stimmung am Boden ist und sie zu verkaufen, wenn alle Risiken ausgeblendet werden war in den letzten 25 Jahren nicht die schlechteste Idee. In den USA steigt die Anzahl der bärischen Börsenbriefe massiv an, auch dies war in der Vergangenheit häufig ein Signal, dass man auf einen Ausverkauf zusteuert.
Wer Aktien als Langfristanlage, als Investitionsobjekt sieht und nicht klassischer Trader ist, der kann jetzt gute Unternehmen günstiger einkaufen. Natürlich kann der DAX noch bis unter 9.000 Zähler korrigieren. Doch jetzt mit einem Sparplan oder einem Investment per Indexzertifikat oder ETF zu beginnen kann langfristig ein guter Ansatz sein.
Daniel Saurenz – viel Erfolg bei der Geldanlage, jetzt umso mehr. Behalten Sie kühlen Kopf!


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Der ehemalige FTD-Redakteur und Börse Online-Urgestein Daniel Saurenz hat zusammen mit Benjamin Feingold das Investmentportal „Feingold Research“ gegründet. Dort präsentieren die beiden Börsianer und Journalisten ihre Markteinschätzungen, Perspektiven und Strategien samt Produktempfehlungen. Im strategischen Musterdepot werden die eigenen Ideen mit cleveren und meist etwas „anderen“ Produkten umgesetzt und für alle Leser und aktiven Anleger verständlich erläutert. Weitere Informationen: Feingold Research.

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