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Quant-Strategien Logik statt Emotionen

23.06.2016, 15:08  |  774   |   |   

Staubig, trocken und kompliziert – so der Ruf der Mathematik. Doch sie kann auch anders. Was Mathematik mit Ampelphasen, Naturkatastrophen, Fraktalen und künstlicher Intelligenz zu tun hat – und wie sich das in Fonds verpacken lässt – erzählen fünf Experten auf der ersten Frankfurter Quant-Konferenz von Berenberg.

Niedrige Zinsen, hohe Volatilität an den Märkten und unabsehbare politische Risiken – für Investoren kein einfaches Umfeld. Können regelgebundene Anlagekonzepte hier Abhilfe schaffen? Dieser Frage widmet sich die erste Frankfurter Quant-Konferenz. „In der jüngeren Vergangenheit konnten wir ein verstärktes Interesse von institutionellen Anlegern an quantitativen Investmentkonzepten beobachten“, so Frank Eichelmann, Leiter Relationship Management bei Berenberg, Ideenstifter und Organisator der Konferenz. „Gleichzeitig nehmen wir in diesem Marktsegment zahlreiche unabhängige Anbieter wahr, die zwar eine hohe Fachkompetenz aufweisen, aber bisher nicht sehr bekannt sind. Um eine Plattform zu schaffen und beide Gruppen zusammenzubringen sind wir mit der ersten Frankfurter Quant-Konferenz angetreten.“

Kann der langfristige Trendhandel nachhaltig und profitabel umgesetzt werden? 

Mit dieser Frage eröffnet Mathematikprofessor Dr. Stanislaus Maier-Paape von der RWTH Aachen seinen Vortrag. Und die Antwort folgt prompt: „Langfristige Long-only Trendfolge-Investitionen, die frei von Emotionen, auf regelbasierten und im Detail untersuchten Ansätzen fußen, bieten ein ausgezeichnetes Chance-Risiko Verhältnis", bekräftigt der Experte. Den Beleg dafür liefert er in seinem Vortrag. Fünf Oberstrategien mit je elf Unterstrategien haben der Wissenschaftler und sein Team untersucht: „Das Ergebnis hat uns selbst überrascht“, gesteht Maier-Paape. „Jede einzelne Strategie war erfolgreich – ohne Optimierungen von unserer Seite.“ Jede von Maier-Paape verwendete Strategie nutzt Indikatoren, um den Markt in drei Phasen zu teilen: bullish, bearish und neutral. Sobald die Kurse die Bullish-Phase erreichen, wird ein Kaufsignal erzeugt. Erreichen die Kurse dagegen die Bearish-Phase, führt das erzeugte Signal zum Auflösen der Long-Position. Die neutrale Phase dient dem „Aussitzen“ der Korrekturen eines Bullenmarktes. Maier-Paapes erste Oberstrategie nutzt Bollinger-Bänder. Berechnet werden Bollinger-Bänder mittels eines gleitenden Durchschnitts als Maß für die Mittellinie, um die der Kurs schwankt, also nach oben und unten abweicht. Trägt man die Standardabweichung für den entsprechenden gleitenden Durchschnitt nach oben und nach unten von dieser Mittellinie ab, entstehen Bollinger-Bänder. Liegt der Kurs über (unter) den Bollinger-Bändern, wird das als bullish (bearish) interpretiert. Die Bollinger-Bänder selbst dienen als neutrale Zone. Die zweite untersuchte Strategie – ein Moving-Average mit Envelope – funktioniert auf eine ähnliche Weise. Hier wird das Preisband, das Envelope, jedoch nicht durch die Standardabweichung bestimmt, sondern willkürlich gewählt. Ausreißer aus dem Band oder starke Bewegungen in eine Richtung liefern Hinweise auf Trends. Die dritte Strategie macht sich Crossing-Moving-Averages zu Nutze: Dabei schneiden sich langsamere und schnellere gleitende Durschnitte. Auf diese Weise werden Kauf- oder Verkaufssignale abgegeben. Ausbruchshandelssystem mit Donchian-Channel, so nennt sich die vierte Strategie. Ein Donchian-Channel wird durch die höchsten Hochs oder tiefsten Tiefs der letzten „n“ Tage bestimmt. Als letzte Strategie untersucht der Experte Trendindikatoren als Oszillatoren. „All diese Strategien haben wir in zwölf verschiedenen Märkten getestet. Jede einzelne Strategie war einer Buy & Hold Strategie deutlich überlegen“, fasst der Mathematiker zusammen. Sowohl was die Rendite als auch das Risiko angehe. Der einzige Haken der Strategien: „Es gibt natürlich Phasen in denen man nicht zu 100 Prozent investiert ist.“ Die Statistik zeige jedoch, dass Timing funktioniere und dass der langfristige Trendhandel über Märkte und Methoden stabil und profitabel sei. 

Lesen Sie morgen im zweiten Teil, wie sich Ampelphasen, Naturkatastrophen, Fraktale und künstliche Intelligenz in Fonds verpacken lassen. 

(TL)



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Teresa Laukötter hat den M. Sc. in Volkswirtschaft der Universität Maastricht. Als Redakteurin und Content-Managerin bei €uro Advisor Services GmbH ist sie zuständig für die Top-Themen auf www.fundresearch.de.

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