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Automatisierte Portfolioverwaltung Mit Algorithmen emotionsfrei und antizyklisch investieren.

28.06.2016, 08:00  |  6125   |   |   

Im Interview spricht Lars Reiner über seinen Ausstieg bei der Deutschen Bank und der Entwicklung von Ginmon, einer Technologieplattform zur automatisierten Portfolioverwaltung, die seit kurzem auch Privatanlegern zur Verfügung steht.

 

Warum haben Sie Ihren Job bei der Deutschen Bank gekündigt und eine Plattform zur automatisierten Portfolioverwaltung entwickelt?

Lars Reiner: Als ehemaliger Vorstand des Goethe Investment Fund beschäftige ich mich schon seit 2008 intensiv mit dem Thema Portfolioverwaltung. Dort arbeitete ich wissenschaftlich fundierte Anlagekonzepte für das Stiftungsvermögen der Goethe-Universität Frankfurt a.M. aus.  Anschließend, mit meiner Tätigkeit bei der Deutschen Bank, häufte sich die Frage bei meinen Freunden und Bekannten nach einer professionellen Geldanlage.

Mir fielen dabei zwei wesentliche Dinge auf: Ersten sah ich, dass sich das Portfoliomanagement vollständig automatisieren ließ und sich durch den Wegfall eines physischen Fondsmanagers deutliche Kostenersparnisse und damit Renditevorteile für den Anleger ergeben. Zweitens war bekannt, dass eine automatisierte Geldanlage, die komplett frei von Emotionen agiert, erheblich höhere Renditen für den Kunden erzielen kann. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die menschlichen Emotionen am Kapitalmarkt häufiger zu schlechten als zu guten Entscheidungen führen. So wird, und das gilt häufig sogar für die Fondsmanager selbst, z.b. in fallenden Märkten verkauft oder nahe eines Höchststandes nachgekauft. Das automatische Folgen eines nach wissenschaftlichen Erkenntnissen festgelegten Regelwerk führt zu weniger Risiko und planbareren Renditen.

In der Bank sind solche Lösungen selbstverständlich nicht gerne gesehen. Schließlich verlieren die traditionellen Fondsmanager damit Ihre Daseinsberechtigung, insbesondere bei den um ein Vielfaches höheren Gebühren. Und auch der Vertrieb in der Filiale kämpft gegen diese Innovation, denn damit lassen sich eben keine hohen Ausgabeaufschläge und Provisionen mehr verdienen. 

Aus diesem Grund habe ich zunächst für mich und meine Freunde ein Programm entwickelt, dass es ermöglicht per Algorithmus, also frei von Emotionen, ein Portfolio zu managen um das Vermögen langfristig rentabel zu vermehren.

Der Zuspruch ermutigte mich eine Onlineplattform zu gründen und diese unter dem Namen Ginmon jedem zur Verfügung zu stellen. 


Wie funktioniert die antizyklische Investmentstrategie von Ginmon genau?

Reiner: Bevor der Anleger überhaupt von der Plattform Gebrauch macht, beantwortet er zunächst einen kurzen Fragebogen auf der Webseite. Dieser beinhaltet sieben Fragen und ordnet dem Anleger eine für Ihn optimale Portfolioallokation zu. Entscheidet sich der Anleger für ein Investment, wird für ihn im zweiten Schritt automatisch ein Depot bei unserer Partnerbank (DAB-Bank) eröffnet und das Geld in Abhängigkeit von der ermittelten Zielallokation investiert. Nun kommt der Algorithmus ins Spiel. Aufgrund der unterschiedlichen Marktschwankungen zwischen und innerhalb der Anlageklassen, weicht das Portfolio regelmäßig von der optimalen Zielallokation ab. Diese Abweichungen werden von dem System erkannt und laufend angepasst. Das heißt, wenn sich ein Wert positiv entwickelt wird dieser abhängig von der Zielallokation verkauft und in die relativ niedriger bewerteten Werte investiert und vice versa. Zusätzliche einmalige Einzahlungen oder monatliche Sparraten werden mithilfe des Smart Rebalancing so investiert, dass zwecks Steueroptimierung stets die niedrig bewerteten Werte aufgebaut werden. So ermöglichen wir eine laufende antizyklische und steuergünstige Portfoliooptimierung, die langfristig die höchsten Renditen für den Nutzer erwirtschaftet. Die Portfoliostruktur nutzt dabei die nachweisbaren Renditeprämien aus dem Dreifaktorenmodell des Nobelpreisträgers Prof. Eugene Fama.


Seit wann steht die Plattform der Öffentlichkeit zur Verfügung?

Reiner: Bereits 2014 habe ich die Technologie gemeinsam mit meinem Team entwickelt und sie zunächst meinen Bekannten zur Verfügung gestellt. Aufgrund der Begeisterung war es für uns naheliegend, diese auch der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Wir haben unser Team dann vergrößert und gemeinsam die Plattform vollständig digitalisiert. Seit Mai 2015 steht diese unter www.ginmon.de jedermann zur Verfügung.


Was kostet die Nutzung von Ginmon?

Reiner: Wir arbeiten auf Basis einer transparenten all-inclusive Servicegebühr. D.h. wir verdienen lediglich an dieser einen Gebühr und es gibt weder versteckte Kosten noch Provisionen, die wir von anderen Parteien erhalten. Die Servicegebühr beträgt 0,39% p.a. des Anlagevolumens plus 10% der erzielten Gewinne bei neuen Höchstständen, also nach dem sogenannten High-Water-Mark Prinzip. Die Gebühren beinhalten auch sämtliche Kosten für Depotführung und Transaktionen bei unserer Partnerbank. Damit sind wir kostengünstig, unabhängig und agieren stets im Interesse unserer Kunden.


Eignet sich Ginmon für jeden Anleger oder richtet sich das Angebot an eine bestimmte Zielgruppe?

Reiner: Grundsätzlich ist Ginmon für jeden Anleger geeignet, auch für Kapitalmarktneulinge. Auf der Plattform und in unserem Blog findet der Nutzer genügend Informationen und Input, um auch als unerfahrener Anleger das Angebot verstehen und davon profitieren zu können. 

In der Regel sind unsere Kunden sehr gut gebildet und haben bereits Erfahrungen am Kapitalmarkt gesammelt. Für diese Menschen gab es bisher keine vergleichbare Lösung - die Alternative war es, das Portfolio selbst zu managen. Die meisten haben darauf jedoch keine Lust mehr und ziehen zunächst Teile und später das ganze Portfolio auf unsere automatisierte Plattform um.


Kürzlich berichteten Sie, dass sich Ihr Kundenstamm und das verwaltete Vermögen alleine dieses Jahr schon vervierfacht hat. Woher kommt dieser Ansturm?

Reiner: Mittlerweile haben sich diese Zahlen sogar mehr als versechsfacht. Wir sehen dabei einen konstant starken Zulauf neuer Kunden. Besonders viele sind es jedoch immer dann, wenn die Kurse mal etwas nachgegeben haben. So z.b. im Februar oder jetzt aktuell gerade nach dem Brexit. Viele sehen jetzt die Chance für einen günstigen Einstieg in ein langfristiges Investment.

Unter www.ginmon.de/anlegertyp-ermitteln können Sie kostenfrei Ihre optimale Anlagestrategie ermitteln.



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Kommentare

Ich mag diese Art von neuem Denken, allerdings bewegen sich über 90% der Verwalter (wenn auch mit höheren Gebühren) ebenfalls direkt oder indirekt im 3 Faktorenmodell (oder neu im 5 Faktorenmodell). Daher dürfte der Vorteil der Gebühr langfristig zwar wichtig sein, aber der echte Mehrwert wird auf sehr lange Sicht eher ausbleiben. Ebenfalls hoffe ich, dass die Produktunterlegung am Ende wirklich geprüft wird (von wegen Swaps statt "echter Assets").

Aber insgesamt eine nette Idee.

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