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Emerging Markets-Comeback mitmachen Lohnt das?

23.08.2016, 11:11  |  778   |   |   

Der jüngste Run auf Schwellenländer-Aktien und Anleihen, hat eine seit über fünf Jahren anhaltende Schwäche abgelöst. Doch wie nachhaltig ist das Comeback der Emerging- und Frontier-Märkte?

Die anhaltende Niedrig- bzw. Negativzinspolitik in vielen Industrieländern führt zu einer Veränderung der Kapitalflüsse. Grund: Staatsanleihen in den Industrieländern werfen kaum noch Rendite ab oder haben sogar negative Renditen. Im europäischen und US-amerikanischen High-Yield-Markt sind die Risikoprämien stark eingelaufen. Und Aktien haben aufgeblähte Bewertungen, aufgrund des stärkeren Anstieges der Kurse im Verhältnis zu den Gewinnaussichten. Die im Markt vorhandene Liquidität sucht sich also neue Wege überhaupt eine Rendite bzw. Überrendite zum breiten Markt zu erzielen.

Laut der „Börsen-Zeitung“ sind in den vergangenen sieben Wochen 20 Milliarden US-Dollar in Fonds für Schwellenländeranleihen geflossen (Quelle: EPFR Global). Aber auch die institutionellen Aktieninvestoren investieren eifrig in Schwellenländeraktien: In den vergangenen sieben Wochen netto 14,6 Milliarden US-Dollar, so viel wie fast zwei Jahren nicht mehr. 

Doch bleiben Risiken: Darunter eine Überschuldung von Schwellenländer-Unternehmen im Verhältnis zum BIP, die seit 2009 rasant zugenommen und 2013 die von Industrieländern überholt hat. 

Intake EM-Story?

Dennoch gibt es auch bei Fondsmanagement-Gesellschaften stark von einer (selektiven) Schwellenländer-Story überzeugte Positionen. So hat HSBC Global Asset Management erst vor einigen Tagen zwei neue Emerging-Markets-Anleihenfonds aufgelegt – den HSBC GIF Asia Bond (ISIN: LU1436995101) und den HSBC GIF Indonesia Bond Fonds (ISIN: LU1436996331). So sagt der für das Asset Management verantwortliche Vorstand von HSBC Deutschland, Dr. Rudolf Apenbrink: „In einer Welt mit niedrigen Renditen sollten Anleger jenseits der etablierten Märkte nach Mehrerträgen suchen.“ Denn Asien sei zu bedeutsam um von Anleiheinvestoren außen vor gelassen zu werden, so Apenbrink. „Insgesamt liegen die Ausfallraten von asiatischen Anleihen unter dem globalen Niveau. Unternehmen in Asien halten häufiger Eigenkapital und Liquidität für ihre Refinanzierungszwecke, um ihr Schuldenprofil zu verbessern“, heißt es in einer Mitteilung zu Auflegung der beiden Fonds.

Volatile Entwicklung von Schwellenländer-Aktienfonds

Quelle: FINANZEN FundAnalyzer FVBS

Rajeev de Mello, Head of Asian Fixed Income bei Schroders, weist ebenfalls darauf hin, dass weltweit Anleihen im Wert von rund 13 Billionen US-Dollar negative Renditen erwirtschaften. Dadurch würden Anleger nicht nur durch ihre Anleihen nichts verdienen – sondern de facto eine Gebühr für den Besitz von Anleihen zahlen.  „Welche Lösungen gibt es nun für diese Anleger? Wir glauben, dass Schwellenländeranleihen in gewisser Weise einen Ausweg aus diesem Problem bieten – sie erzielen in der Regel deutlich höhere Renditen als Anleihen der Industrieländer. Und wir erleben gerade, dass zugleich ihr Renditeniveau sinkt, wodurch auch die Anleihen eine Kapitalaufwertung erfahren“, sagt der Asian-Fixed-Income-Experte.

Auch Maarten-Jan Bakkum, Senior Strategist Emerging Markets bei NN Investment Partners, setzt auf asiatische Schwellenländer: „Das wiedererwachte Interesse der internationalen Investoren beruht aber zumeist weniger auf eigener Stärke der Schwellenländer, sondern vor allem auf der lockeren Geldpolitik und sinkenden Zinsen in den Schwellenländern selbst“, gibt er dennoch offen zu Bedenken.

Aus fundamentaler Sicht seien vor allem Indonesien und Indien interessant, erläutert der Stratege. Indonesien habe bereits in den letzten Jahren eine umsichtige Geld- und Wirtschaftspolitik verfolgt, so dass das Land jetzt besonders viel Kapital anziehe: „Seit Februar dieses Jahres wurden 21 Milliarden US-Dollar in Indonesien angelegt, davon neun Milliarden allein im Juli. Das ist das höchste Volumen an Zuflüssen in Schwellenmärkte nach der Türkei“, sagt Bakkum. Als eines der wenigen Länder hebe sich Indonesien dabei durch hohe Infrastrukturinvestitionen und gleichzeitigen Abbau der Bürokratie hervor.

Doch die ersten dunklen Wolken ziehen am Horizont schon auf: So halten 10 Prozent der von Bank of America Merrill Lynch befragten Vermögensverwalter Schwellenländeranleihen für die am stärksten überfüllte Asset-Positionierung, so die „Börsen-Zeitung“. In einer Welt ohne Zinsen und somit fast ohne Alternativen steht der Schwellenländer-Zug für den renditehungrigen Anleger bereit: Jedoch wird es keine entspannte Fahrt. Auch wenn einzelne Länder-Stories, wie Indonesien, Indien und die Philippinen, intakt zu sein scheinen.

(KR) 



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Konstantin Riffler hat mehr als 10 Jahre an Erfahrung als Redakteur und Journalist in Deutschland, Großbritannien und Asien. Seine Spezialgebiete sind Fondsmanagement, Investmentthemen, IPOs, M&A und Digitalwirtschaft. Als Redakteur und Content-Manager bei €uro Advisor Services GmbH ist er zuständig für die Top-Themen auf www.fundresearch.de.

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