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Update zur Finanztransaktionssteuer – Entscheidung schon Ende des Jahres?

Gastautor: Sebastian Hell
12.10.2016, 14:27  |  1046   |   |   

Liebe Leserinnen,
Liebe Leser,

in den letzten Tagen gab es Neuigkeiten bezüglich der Einführung einer Finanztransaktionssteuer. Sie erinnern sich wahrscheinlich, dass das Thema seitens der Politik alle 3 bis 6 Monate wieder neu aufgewärmt wird. Da es nun so langsam an den Wahlkampf für das kommende Jahr geht und zufällig die Deutsche Bank in Bedrängnis geraten ist, macht es aus Politiker Sicht Sinn, etwas gegen die „böse“ Finanzwirtschaft zu unternehmen. Ganz nebenbei bemerkt, könnte die neue Diskussion über eine „Tobin-Steuer“ (anderer Name für die Finanztransaktionssteuer) den Wähler besänftigen, wenn es zu einer durchaus wahrscheinlich Rettung der Deutschen Bank durch den Staat kommen wird. Doch nun zurück zum Thema.

Ist eine Einigung voraus?

Mehrere deutsche und internationale Medien sprechen davon, dass es in wichtigen Punkten eine Einigung gab. Finanzministier Wolfgang Schäuble will Ende des Jahres über die Steuer abstimmen lassen. Hierzu hat er 10 Länder (die meisten sind für den Finanzmarkt vollkommen unbedeutend) gefunden. Mit dieser Mindestzahl kann er bei erfolgreicher Abstimmung die Steuer einführen. Möglicherweise, wenn es nach Schäuble geht, schon ab 2018. Interessant sind auch die Aussagen aus Österreich, dass die Implementierung der Steuer nur eine 1 Million Euro betragen werde, zumindest laut Finanzminister Hans Jörg Schelling. Dies halte ich für vollkommen unrealistisch, den gesamten Handel zu überwachen mittels automatisierter Software unter allen Finanzmarktteilnehmern für nur 1 Million Euro. Wir werden sehen, ob dies klappt.

Wie ist die Steuer aufgebaut?

Leider gibt es nach wie vor wenig Konkretes zur Steuer. Wichtig ist vor allem, wie die letztliche Ausgestaltung aussehen wird. Betrifft die Steuer beispielsweise nur Deutsche, das heißt, muss ein deutscher Trader Steuern auf alles bezahlen was er im In- und Ausland handelt? Was würde passieren, wenn die Depots bei Brokern in England oder den USA liegen? Müssen diese dann die Steuer berechnen oder erst am Jahresende? Ungeklärt ist auch die Frage welche Produkte betroffen sind (Staatsanleihen sind sicherlich ausgenommen) und wie hoch die Abgabe letztlich sein wird. Ein weiterer Punkt ist, ob die Steuer nur für Handelsplätze in den 10 Ländern gilt? Was wäre, wenn ein deutscher Trader den FDAX in England (möglich nach einer Fusion zwischen der Deutschen Börse und LSE) handelt? Sie sehen, es gibt viele Fragen und keine Antworten. Klar für mich ist nur, dass nach Einführung der Steuer, die privaten Trader die Zeche bezahlen werden, während Groß-Unternehmen durch Sitzverlagerungen diese (wahrscheinlich) umgehen können. Auch in diesem Zusammenhang ist die Diskussion über ein Verbot von CFDs kein Zufall. Ein gutes Video zu diesem Thema finden Sie auch auf Youtube, welches die aktuelle Faktenlage gut zusammenfasst: https://www.youtube.com/watch?v=wf-mxde807I

Ihr Sebastian Hell
Geschäftsführer QTrade
www.qtrade.de



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Sebastian Hell hat International Finance in Deutschland und den USA studiert. Er berät Vermögensverwalter und Hedge Fonds bei der Umsetzung von Handelsstrategien und veröffentlicht regelmäßig im Auftrag von QTrade (www.qtrade.de) Kolumnen über die Finanzmärkte.

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