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Checkliste für das Investieren in Einzelhandelsaktien

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
14.10.2016, 12:00  |  371   |   |   
Bild: Pixabay, geralt

Der Einzelhandelssektor kann manchmal schwierig sein, da die Kunden einen etwas eigenwilligen Geschmack haben und der wirtschaftliche Druck sehr hoch ist. Der Verbrauchervertrauensindex hat im September ein neues Jahreshoch erreicht. Daher sollten die Investoren es in Betracht ziehen, ein paar zuverlässige Einzelhandelsaktien zu ihren Portfolios hinzuzufügen. Aber bevor man das tut, sollte man die folgenden acht Fragen bei jeder Aktie beantworten.

1. Wie steht es um das flächenbereinigte Umsatzwachstum?

Das flächenbereinigte Umsatzwachstum macht die Umsätze nicht nur in Bezug auf die Läden sondern auch für einen bestimmten Zeitraum (üblicherweise für ein Jahr) vergleichbar. Wenn dieses Umsatzwachstum in den letzten Quartalen schneller war als bei den Konkurrenten, dann könnte diese Aktie ein guter Kauf sein, denn diese Zahl zeigt steigende Umsätze bei den bestehenden Läden an, im Gegensatz zu steigendem Umsatz durch die Eröffnung von neuen Läden.

Der Bekleidungseinzelhändler American Eagle Outfitters (WKN:897113) meldete zum Beispiel ein flächenbereinigtes Umsatzwachstum von 3 % im letzten Quartal. Das klingt nicht besonders beeindruckend, aber es ist deutlich besser als das von Gap (WKN:863533) und Abercrombie & Fitch (WKN:903016) mit einem Rückgang von jeweils 2 und 4 % in den letzten Quartalen.

2. Wie viele Geschäfte eröffnet und schließt das Unternehmen?

Wenn ein Einzelhändler viele Läden eröffnet, während gleichzeitig das flächenbereinigte Umsatzwachstum fällt, dann werden die Neueröffnungen vielleicht nur dazu benutzt, um die gemeldeten Umsätze zu steigern. Wenn die neuen Läden kein Wachstum im Jahresvergleich liefern, dann werden sie die flächenbereinigten Umsätze und Margen in Zukunft nur nach unten ziehen.

Viele Läden zu schließen kann auch andeuten, dass ein Unternehmen verzweifelt ist und Kosten sparen muss. Im August entschied sich Macy’s dazu 100 seiner Kaufhäuser zu schließen. Das sind 15 % seiner Läden. Diese Schließungen sollten die Margen und Gewinne von Macy’s verbessern, sie werden aber auch dramatisch das Umsatzwachstum schmälern.

3. Gibt es eine bedeutende Onlinepräsenz?

Im Zeitalter von Amazon (WKN:906866) müssen traditionelle Einzelhändler auch über eine starke Onlinepräsenz mit leicht nutzbaren Webseiten und Apps verfügen, um den Leuten dort etwas zu verkaufen, wo sie einkaufen (online). Eine starke Präsenz im elektronischen Handel ermöglicht es auch den Unternehmen, nach und nach die Zahl ihrer Läden zu verringern und sich mehr auf die Onlineverkäufe mit höheren Margen zu konzentrieren. Die Investoren sollten genau aufpassen, welcher Prozentsatz aus den digitalen Kanälen kommt und wie schnell diese wächst.

AMERICAN EAGLE MOBILE APP BILDQUELLE: GOOGLE PLAY

4. Wächst das Inventar zu schnell?

Wenn das Inventar eines Einzelhändlers in jedem Quartal steigt, dann könnte das Unternehmen hohe Rabatte geben müssen um sich von diesen alten Produkten zu befreien, bevor neue gelagert werden können. Im Fall von American Eagle stieg das Inventar um 3 % im letzten Quartal, während sich das Inventar von Gaps und Abercrombie & Fitch jeweils um 3 und 5 % verringerte.

Das mag vielleicht so aussehen, als würden Gap und A & F ihre Produkte schneller als American Eagle verkaufen, aber American Eagle hat auch ein besseres Umsatzwachstum als die beiden anderen. Daher wurde das Inventarwachstum bei American Eagle wahrscheinlich durch die Einführung neuer Produkte verursacht und nicht durch eine Ansammlung von alten Produkten.

5. Halten die Bruttomargen stand, wenn die Umsätze steigen?

Die Bruttomargen messen, wie viel ein Unternehmen vom Gesamtumsatz behält. Wenn die Bruttomargen stabil bleiben, während sich die Umsätze erhöhen, dann deutet das an, dass immer mehr neue Kunden gewillt sind die Preise des Einzelhändlers zu zahlen. Ein Blick auf die Bruttomarge von American Eagle und das Umsatzwachstum in den letzten zwei Jahren deutet an, dass das Unternehmen die Preise wohl so bald nicht senken müssen wird.

QUELLE: YCHARTS

Aber wenn die Bruttomargen und Umsätze fallen, dann könnte ein Einzelhändler in eine brutale Abwärtsspirale geraten, in der er gezwungen sein wird die Preise zu senken, um den Umsatz aufrecht zu erhalten. Das ist genau das, was Gap in den letzten zwei Jahren passiert ist.

6. Warst du schon mal in einem von den Läden?

Bevor du in die Aktie eines Einzelhändlers investierst, solltest du die Läden auch besuchen. Hättest du ein Geschäft von JCPenney während der desaströsen „Trendwende“ im Jahr 2012 besucht, dann hättest du wahrscheinlich viele leere Läden gesehen.

Man sollte sich auch dessen bewusst sein, dass die Einzelhändler oft zu viele Outletcenter eröffnen, was die Marke auch in Mitleidenschaft ziehen kann und die Preissetzungsmacht senken kann. Indem man Produkte durch Outlets verkauft, kann man die Umsätze erhöhen, aber es wird dann später auch schwerer Produkte mit höheren Margen zu verkaufen.

7. Verstehst du auch die Konkurrenten?

Die Konkurrenz verändert sich ständig im Einzelhandel. Einzelhändler im Bereich Bekleidung stehen vor der Bedrohung der billigen Konkurrenten wie Forever 21 und H&M, während die großen Einzelhändler, Superstores und Kaufhäuser Umsätze an Amazon verlieren.

Als Investor sollte man auch verstehen, wie diese Einzelhändler auf die Konkurrenz reagieren. Gap z.B. hat Stefan Larsson von H&M angeheuert (jetzt ist er CEO von Ralph Lauren), um 2012 das Ruder herumzureißen. Wal-Mart versucht aggressiv, gegen die Onlinekonkurrenz vorzugehen, indem dieselben Tiefpreise gegeben werden und Abonnement-basierte Lieferdienste angeboten werden.

8. Ist die Aktie im Vergleich zu den Konkurrenten teuer?

Schließlich sollte man noch sehen, ob die Aktie auch im Vergleich zu den Konkurrenten fair bewertet ist. Eine Möglichkeit, um das zu bewerkstelligen, ist ein Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis. American Eagle wird z.B. mit dem 14-fachen der Gewinne gehandelt, während andere Unternehmen in diesem Bereich ein KGV von 24 haben. Das bedeutet, dass American Eagle unterbewertet in diesem Sektor sein könnte, wenn es die bereits erwähnten Punkte bestanden hat.

Unterm Strich

Der Bereich Einzelhandel ist komplex, aber viele dieser Unternehmen erschließen sich den Investoren recht einfach. Nächstes Mal, wenn du einkaufen gehst, dann sieh dir einmal die beliebten Läden genauer an – das könnte dich zu einer großartigen langfristigen Investition führen.

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Motley Fool besitzt und empfiehlt Amazon.

Dieser Artikel wurde von Leo Sun auf Englisch verfasst und wurde am 09.10.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.



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