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"Serviceanschreiben" Obacht! Mit dieser Masche wollen Lebensversicherer an Ihr Geld

02.11.2016, 12:42  |  3611   |   |   

Dass man nicht alles blind unterschreiben soll, was einem vorgelegt wird, ist ja allgemein bekannt. Dennoch raten Verbraucherschützer Kunden, die eine Lebensversicherung abgeschlossen haben, jetzt zu doppelter Aufmerksamkeit. Sie können im Ernstfall viel Geld verlieren. 

Sie könnten einem fast leid tun, würden sie in ihrer Situation nicht zu solch hinterlistigen Methoden greifen. Weil immer mehr Versicherer aufgrund der Niedrigzinsen ins Straucheln geraten, versuchen sie auf verschiedenstem Wege ihre Altkunden loszuwerden. Diese sind nämlich besonders teuer, haben sie ihre Verträge doch zu Zeiten abgeschlossen, in denen es durchaus noch angemessene Zinsen gab, Und diese wurden und werden ihnen auf ihren Sparanteil jährlich garantiert. 

Wer nun als Kunde seine Lebensversicherung noch vor dem Jahr 2004 abgeschlossen hat, der sollte bei eingehender Post vom Versicherer besonders aufpassen. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, würden nämlich vermehrt Lockbriefe an Altkunden verschickt, in denen für eine vorzeitige Kündigung des Vertrags geworben wird. Und das natürlich nur "zum absoluten Wohle des Kunden", denn mit der Auszahlung könne er endlich seine "lang gehegten Träume verwirklichen".

So schreibt zum Beispiel die Gothaer: „Vielleicht möchten Sie sich einen größeren Wunsch erfüllen und haben daher zusätzlichen Finanzbedarf?“ Selbstverständlich verliefe die Abwicklung völlig unkompliziert, zur Unterschrift liegt in den meisten Fällen auch gleich ein Kündigungsvordruck bei - bei der Gothaer nennt sich dieser "Rücksendeformular". Die "Neue Leben" geht noch einen Schritt weiter und verzichtet sogar auf die Storno-Gebühren.

Um wessen Traum geht's hier wirklich?

Was unheimlich serviceorientiert anmutet, kann dem Kunden letztlich aber teuer zu stehen kommen. Denn mit der Kündigung geht ihm jede Menge Rendite verloren, die er so woanders mit Sicherheit nicht mehr bekommen würde. Sandra Klug, Leiterin des Marktwächterteams bei der Verbraucherzentrale Hamburg erklärt diesen Verlust in der "Bild" anhand eines Beispiels: Im Sommer sollte eine Kundin ihren Vertrag kündigen, der Rückkaufwert belief sich zu diesem Zeitpunkt auf 11.500 Euro. Hätte sie ihren Vertrag jedoch bis zum Ende der Restlaufzeit im Oktober 2027 erfüllt und weiterhin 39,88 Euro pro Monat eingezahlt, dann stünden ihr letztlich 22.000 Euro zu. Das sind rund drei Prozent Rendite im Jahr. 

"Eine Kündigung wäre für den Kunden ein schlechtes Geschäft", findet die Verbraucherschützerin daher. Auch Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten sagt: "Wenn Versicherungen anfangen, Geschenke zu machen, z. B. Gebühren erlassen, sollte man skeptisch werden. Dass die Versicherer es hauptsächlich bei Altkunden mit Vertragsabschluss vor 2004 versuchen, hängt mit der Abgeltungssteuer zusammen. Da in diesen Fällen die Frist von 12 Jahren abgelaufen ist, wäre die Auszahlung komplett steuerfrei - ein weiteres Lockargument. 

Sie meinen es ja nur gut...

Die Versicherer selbst wehren sich mit dem Argument, dass es sich hierbei nur um "Serviceanschreiben" handele, die dem Kunden seine Flexibilität ersichtlich machen sollen. Dem "Focus" erklärte die Gothaer, dass aktuell lediglich Jahresmitteilungen zur Vertragsentwicklung verschickt werden, denen eben ein Kündigungsformular beiliege. Letztlich, so der allgemeine Tenor, liege die Entscheidung beim Kunden. 

Viele Wege führen nach Rom

Egal, wie es um die finanzielle Situation der Kunden bestellt ist, Experten raten auf jeden Fall von einer Kündigung ab. Wer vorübergehend knapp bei Kasse ist, der kann seinen Vertrag bis zu zwei Jahre lang beitragsfrei stellen lassen oder die Police im Notfall verkaufen. Oftmals bekommt man dabei mehr, als den aktuellen Rückkaufwert heraus. Günstiger wird die Versicherung, wenn man die Beiträge jährlich zahlt, außerdem gibt es die Möglichkeit, die Dynamik vorübergehend oder ganz zu kündigen.



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Kommentare

>>> Viele Wege führen nach Rom

Ihr habt die Möglichkeit eines Policendarlehens vergessen.

Es klingt zwar absurd, sich sein eigenes Geld zu leihen und dafür auch noch Zinsen zu zahlen, aber um einem kurzfristigen finanziellen Engpass entgegenzuwirken, kann dies durchaus eine Option sein.
Auf der anderen Seite wird das geliehene Geld aber weiter verzinst, man zahlt also praktisch nur die Differenz zw. Darlehenszins und laufender Überschussbeteiligung.

Bei dem Ratschlag die Police zu verkaufen, vermisse ich den Hinweis auf die teils unseriösen Anbieter, die sich am Markt tummeln.

http://www.finanztip.de/lebensversicherung-verkaufen/

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