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US-WAHL/HINTERGRUND/Angst vorm 'Börsenschreck' Wie die Wahl die Kurse bewegt

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
07.11.2016, 14:05  |  497   |   |   

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die bevorstehende US-Präsidentschaftswahl macht die Akteure an den Finanzmärkten nervös. Umfragen lassen einen Sieg Donald Trumps längst nicht mehr so unwahrscheinlich erscheinen wie noch vor einigen Wochen. Doch auch ein Sieg von Hillary Clinton dürfte die Märkte bewegen. Welche Folgen hat der Ausgang des Rennens ums Weiße Haus für den Aktienmarkt insgesamt sowie für bestimmte Branchen? Die wichtigsten Punkte im Überblick.

WENN TRUMP GEWINNT

Sollte Trump als Sieger vom Platz gehen, droht den Anlegern - wie beim Brexit-Votum - zunächst einmal ein böses Erwachen in Form deutlich fallender Aktienkurse. Der Republikaner sei ein "Börsenschreck", sagt Marktanalyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets. Diesen Ruf verdankt er nicht nur seinen diversen Verbalattacken, sondern auch seinen außenwirtschaftlichen Vorstellungen. So streitet Trump für eine Einschränkung des freien Warenverkehrs sowie für eine Abschottung durch Grenzzäune. Das wäre langfristig Gift für die international aufgestellten US-Konzerne und deren Aktien - falls Trump seinen Willen im Kongress durchsetzt.

Allerdings will Trump auch mit kurzfristigen Konjunkturmaßnahmen und massiven Steuersenkungen die Wirtschaft ankurbeln. Über solche Pläne freuen sich Anleger normalerweise. Nach einem ersten Schreck könnte das den Märkten durchaus einen Schub nach oben geben, meinten die Analysten der Anlagegesellschaft Axa Investment Managers.

WENN HILLARY CLINTON GEWINNT

Sollte Hillary Clinton am Ende die Nase vorn haben, dürfte sich am Aktienmarkt zunächst Erleichterung breit machen. Denn ihr Sieg würde für die Finanzmärkte "mehr vom Gleichen" bedeuten - kein Nervenkitzel, dafür ein hohes Maß an Vorhersehbarkeit, erklärt Christophe Bernard, Chefstratege der Privatbank Vontobel.

Vor allem Schwellenländer-Aktien dürften deshalb bei einem Sieg Clintons weiter an Attraktivität gewinnen, da die Gefahr einer weitreichenden Einschränkung des Welthandels gebannt wäre, schreibt Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Viele aufstrebende Volkswirtschaften Asiens und Lateinamerikas hängen am Tropf der Weltwirtschaft.

WIE DIE EINZELNEN BRANCHEN VOM WAHLAUSGANG BETROFFEN SIND

ENERGIE: Wenige Risiken, dafür aber großes Potenzial sehen Analysten der US-Investmentbank Morgan Stanley bei Versorgern sowie im Bereich der Erneuerbaren Energien. Ein Sieg Clintons könnte hier zusätzliche Anlagemöglichkeiten eröffnen, schreiben die Experten und verwiesen auf Clintons Pläne für den Ausbau der Erneuerbaren Energien sowie der Strominfrastruktur. Unter Trump, der sich mehrfach unterstützend zu fossilen Energieträgern geäußert habe, dürfte das aktuelle Investitionsniveau in die Versorger-Infrastruktur weitgehend gehalten werden, mutmaßen die Morgan-Stanley-Analysten. Zudem würde es vermutlich weniger strikte Auflagen für Kohlekraftwerke geben. Das Wachstum Erneuerbarer Energien wäre zwar langsamer als unter Clinton, aber immer noch rasant. Allerdings würden mögliche Handelsbeschränkungen unter Trump zunächst Risiken für die Solaranlagenproduzenten First Solar und SunPower bergen.

BAU UND INFRASTRUKTUR: Sollten die Kandidaten ihre angekündigten Konjunkturprogramme umsetzen, würde angesichts der teils maroden Infrastruktur der USA viel Geld fließen, sagt Portfoliomanager Lothar Koch von der GSAM + Spee Asset Management. Davon würden nicht nur die direkt betroffenen Branchen profitieren, sondern die Wirtschaft und der Markt allgemein.

PHARMA UND GESUNDHEIT: Unter einer Clinton-Regierung könnten die Aktien von Arzneimittelherstellern und Biotech-Unternehmen nach Einschätzung des Vermögensverwalters Blackrock unter erneutem Druck leiden, Preise bei Medikamenten zu begrenzen. Im Gegenzug würde der Pharmasektor bei einem Wahlsieg von Donald Trump deutlich profitieren, nachdem Clinton die Pharmaindustrie der Preistreiberei bezichtigt und bereits Korrekturen im Falle eines Wahlsieges angekündigt habe, sagt Fondsmanager Daniel Hardt von Gauly, Dittrich, van de Weyer Asset Management. Anders könnte es in weiteren Bereichen der Gesundheitsbranche aussehen: Krankenhaus-Betreiber sowie Medicaid-Anbieter - ein Gesundheitsfürsorgeprogramm unter anderem für Personen mit geringem Einkommen - könnten unter Clinton von fortgesetzten staatlichen Subventionen profitieren, sagen Experten.

FINANZBRANCHE: Für die Finanzbranche ist nach Einschätzung von Morgan Stanley weniger der nächste Präsident entscheidend, sondern die Mehrheit im Senat. Zwar hätten beide Kandidaten bei Finanzsektor-Themen harte Worte gefunden - um die striktesten Vorschläge durchzusetzen, müsste eine der beiden Parteien aber wohl das Rennen ums Weiße Haus sowie um den Senat für sich entscheiden. Das erscheine aber unwahrscheinlich. Die Möglichkeit einer strengeren Regulierung oder die Entwicklung der Steuern würde aber grundsätzlich gewisse Risiken bergen. In allen Szenarien dürften indes kleinere Banken sowie Sach- und Unfallversicherer zu den relativen Gewinnern zählen.

ROHSTOFFE UND BERGBAU: Hier könnten nach Einschätzung der Citigroup kurzfristig vor allem die Aktien von Goldproduzenten einen Blick wert sein. Sie würden wohl von einem Trump-Sieg profitieren, bis sich der Staub an den Finanzmärkten gelegt habe. Für den Goldpreis könnte es den Experten zufolge dann kurzfristig bis auf 1400 US-Dollar je Feinunze nach oben gehen. Gold gilt seit jeher als "sicherer Hafen" in unsicheren Zeiten.

RÜSTUNG: Bei einem Trump-Sieg könnten gerade Rüstungsaktien unter Druck geraten, glaubt Experte Frank Wieser von PMP Vermögensmanagement. Schließlich habe er erklärt, die Nato nicht mehr im bisherigen Ausmaß unterstützen zu wollen. Tatsächlich will der Republikaner die Außenpolitik ausschließlich an US-Interessen ausrichten. Das militärische Engagement will er begrenzen, aber gleichzeitig den Kampf gegen den Terrorismus verstärken. Die Nato bezeichnete er als überholt./la/mis/das/fbr

--- Von Lutz Alexander und Michael Schilling, dpa-AFX ---



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