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2 Dinge, die du über die aktuelle Situation der Deutschen Bank wissen solltest

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
11.11.2016, 08:56  |  367   |   |   
Foto: Wikimedia Commons, Raimond Spekking

Staatshilfe, Kapitalerhöhung oder sogar ein zweiter Fall Lehman Brothers?! Die Gerüchteküche rund um die finanzielle Lage der Deutschen Bank (WKN:514000) läuft auf Hochtouren.

Wenn du versuchst dir ein Bild von der Lage der Bank zu machen, ist es besonders wichtig zu beachten, dass es sich bei diesen Berichten nur um Gerüchte und Spekulationen handelt. Meiner Meinung nach sind diese Szenarien vollkommen aus der Luft gegriffen. Ich sehe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Bank ohne eine große Kapitalerhöhung durch die aktuellen Probleme segeln kann. Hier sind meine zwei Gründe dafür:

1. Genügend Kapital um auch hohe Strafen zu zahlen

Die Hauptursache der Spekulationen um die Zukunft des Geldhauses ist der Vorschlag des US-Justizministeriums, die Klage gegen die Bank gegen eine Zahlung von 14 Milliarden Dollar fallen zu lassen. Seit diese Zahl im September bekannt wurde, gibt es kein Halten mehr, was Spekulationen um die Zukunft der Bank angeht. Es wird munter über Staatshilfe und riesige Kapitalerhöhungen spekuliert.

Aus meiner Sicht sind diese Spekulationen nicht nachvollziehbar. Denn denkbar wäre die Notwendigkeit einer staatlichen Finanzspritze lediglich unter zwei Bedingungen: Die Eigenkapitalquote der Bank, also das Eigenkapital geteilt durch die risikogewichteten Aktiva, müsste unter den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestwert von 4,5 % fallen, oder im Falle einer Strafzahlung potenziell drohen, in die Nähe dieses Wertes zu fallen.

Dieser Fall ist allerdings äußerst unwahrscheinlich, denn dazu müsste das Eigenkapital der Bank bis auf nur noch 18 Milliarden Euro fallen. Derzeit verfügt die Bank über ein komfortables Eigenkapitalpolster von 43 Milliarden Euro. Davon abgezogen ist bereits eine Rückstellung in Höhe von 5,5 Milliarden Euro für eventuelle Strafzahlungen und außergerichtliche Beilegungen von Rechtsstreitigkeiten. Eine Zahlung von weniger als 5,5 Milliarden Euro würde also das Eigenkapital und die wichtige Eigenkapitalquote nicht direkt beeinflussen, da diese aus der bereits verbuchten Rückstellung kommen würde.

Um nun aber dafür zu sorgen, dass das Eigenkapital auf nur noch 18 Milliarden Euro fällt, müsste der Bank schon eine Zahlung von mehr als 30 Milliarden Euro drohen. Eine solch hohe Summe dürfte nahezu ausgeschlossen sein.

Der zweite Fall ist, dass die Leverage Ratio verbindlich eingeführt wird, die den Gesamtwert der Vermögenswerte dem Eigenkapital gegenüberstellt. Vorgeschlagen wird bisher ein Mindestwert von 3 %. Derzeit kommt die Bank auf 3,4 %. In diesem Fall würde eine Strafe von weniger als 10 Milliarden Euro reichen, um den Wert zu unterschreiten. Jedoch ist sowohl unklar, ob die Leverage Ratio überhaupt eingeführt werden wird, noch in welcher Höhe.

2. Im Zweifelsfall Verkauf von Vermögenswerten

Sollte die Bank dennoch aus irgendeinem Grund in die unangenehme Lage geraten, zusätzliches Kapital zu benötigen, würde der Vorstand zuerst alles in seiner Macht stehende tun, um ohne staatliche Hilfe an das nötige Kapital zu gelangen.

Dazu könnte die Bank zwei Wege einschlagen: Der wahrscheinlich einfachste Weg wäre der Verkauf von Vermögensgegenständen. Die Bank verfügt noch über ein Portfolio an Vermögensgegenständen, deren Verkauf ohnehin bereits seit langem geplant ist. Dazu gehört beispielsweise ein 19,99 % -Anteil an der chinesischen HuaXia-Bank, deren Verkauf bereits besiegelt, aber noch nicht abgeschlossen ist. Durch den beschleunigten Verkauf dieser Investitionen würde sich die Eigenkapitalquote sofort erhöhen.

Die andere, aber unwahrscheinlichere Variante ist der Verkauf von Teilen des Kerngeschäftes. Im Ernstfall könnte beispielsweise die profitable Vermögensverwaltung verkauft werden, um Kapital aufzutreiben. Das würde zwar den Gewinn des Konzerns belasten und wäre wohl eher eine Verzweiflungstat, könnte jedoch potenziell eine Menge Geld einspielen und die Bank vor Schlimmerem bewahren.

Trotz aller Probleme steht die Bank besser da als allgemein angenommen

Momentan hat die Bank ohne Zweifel mit einigen Problemen zu kämpfen. Diese sollten jedoch ohne externes Kapital zu bewältigen sein. Alleine die milliardenschweren Beteiligungen, die so oder so verkauft werden sollen, könnten der Bank helfen ihre Kapitalbasis weiter zu stärken. Im Zweifelsfall könnte die Bank zudem noch auf wertvollere Unternehmensteile zurückgreifen und diese ebenfalls zum Verkauf stellen, sollte es einen dringenden Kapitalbedarf geben. Staatliche Hilfe würde daher meiner Meinung nach nur im absoluten Extremfall überhaupt in Frage kommen.

Wichtig ist für die Bank, dass sie das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen kann. Denn ohne das Vertrauen geht womöglich der Zugang zu den Kapitalmärkten verloren. Das könnte die Bank dann wirklich in Bedrängnis bringen, da sie darauf angewiesen ist, ihre Anleihen früher oder später zu refinanzieren.

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Dennis Zeipert besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

Wertpapier: Deutsche Bank


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