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Gold und Crash Es führt kein Weg vorbei am Gold

Gastautor: Eike Hamer
24.11.2016, 13:12  |  1597   |   |   

Seit dem Platzen der Technologieblase 2001 stellten die Finanzindustrie und ihre abhängigen Regierungen der westlichen Welt erstaunt fest, daß beide gemeinsam von zusätzlicher Liquidität abhängig sind. Sinnbildlich brach am 11.09.2001 (englische Schreibweise „911“) - dem Tage mit dem Datum der Notrufnummer in den USA „911“ - das seinerzeit wegen Asbestes kaum wirtschaftlich sanierbare „Sinnbild des westlichen Monopolkapitalismus“, das World Trade Center, in sich zusammen. Zu diesem Zeitpunkt war bereits das Platzen der Technologieblase offensichtlich. Tausende von Belegen über Betrügereien in Zusammenhang mit der Technologieblase sind in den Türmen des World Trade Centers  - zur Rettung vieler auch heute noch aktiver Finanzakteure - pulverisiert und damit vernichtet. Doch wenn auch Betrügereien in Zusammenhang mit der Technologieblase heute nicht mehr verfolgt werden können, sind die Folgen der zusammengebrochenen Internethysterie immer noch spürbar.

 

Seit dem Platzen der Technologieblase gelang es den Notenbanken der westlichen Welt mit vereinten Kräften sich lediglich von einer Blase zur nächsten „zu hangeln“. Immer wieder brach jede dieser neu geschaffenen und immer größer entwickelten Blasen zusammen. Auf die Technologieblase 2001 folgte die Immobilienblase 2008 und nun folgt heute - erneut nach sieben Jahren -  die Anleihenblase.

 

Mittlerweile ist offensichtlich geworden, daß selbst die Notenbanken in einem ungedeckten Papiergeldsystem nicht allmächtig sind. Besonders Klientelpolitik mit Zentralbankgeld hat nur vorübergehend Erfolg. So konnten die Täter der Technologieblase, der Immobilienblase und auch der Anleihenblase mit Hilfe der Zentralbanken verschont, allerdings das Gesamtproblem weder gelöst noch beiseite geschaffen werden. Im Ergebnis ist eine solche Klientelpolitik der Notenbanken nichts anderes als eine Umverteilung.

 

Wenn diese mit selbst kreiertem Zentralbankgeld ohne entsprechendes realwirtschaftliches Wachstum Freunde und Bekannte der privaten Notenbankinhaber schützen, indem sie diesen faule, wahrscheinlich nicht mehr nachhaltig werdende Wertpapiere abkaufen und damit die Gesamtgeldmenge erhöhen, geht dies zu Lasten all derjenigen, die ihr Anlagerisiko selber tragen müssen. Auf diese Weise wird letztlich das Geldvermögen eines Sparers durch langfristig inflationär wirkende Geldmengenausweitung im Wert vernichtet.

 

Die fatalen Folgen dieser Geldmengenexpansion, um Freunde und Bekannte der Notenbankinhaber vor Verlusten zu schützen, ist uns als sog. "Monetarisierung" bekannt. Statt Schulden zurückzuzahlen, werden diese von Zentralbanken direkt oder indirekt mit „frisch gedrucktem“ Geld ausgezahlt. Dies ist quasi schon eine offizielle Konkurserklärung.

 

Eine enge Verflechtung und umfangreiche gegenseitige Devisenabkommen und unlimitierter Höhe der westlichen Notenbanken untereinander sorgte dafür, daß Geldmengenerhöhungen einer „Partnerbank“ zur Stabilisierung der Wechselkurse ein Gegensteuern anderer Notenbanken nach sich zog. Das Überangebot an eigener Währung sorgte für Preisdruck, der durch Aufkauf der Währung durch die übrigen "Partnerbanken" beantwortet werden mußte, um keine signifikanten Wechselkursschwankungen auszulösen. Auf diese Weise orientiert sich heute Geldmengenausweitung und damit zukünftig die Wertstabilität der Währungen nach dem „Schlechtesten“, also daß derjenige, der am meisten druckt und Inflation produziert und damit die Geschwindigkeit der Geldentwertung vorgibt.

 

Problematisch für den Bürger ist dabei, daß diese Entwertung nicht direkt auf die Geldmengenexpansion folgt, sondern sich erst zeitverzögert bemerkbar macht. Dies Die ist vor allem darauf zurückzuführen, daß das frisch kreierte Zentralbankgeld nicht unmittelbar in den realwirtschaftlichen Kreislauf gelangt. Erst mit Beginn allgemeiner Preissteigerungen steigen auch die Inflationserwartungen der Marktteilnehmer, woraufhin diese dann höhere Renditen verlangen und mit höheren Zinsforderungen dann eine Neubewertung aller Scheinwerte dieser Welt lostreten. Diesen Zeitpunkt versuchen die Notenbanken durch – eigentlich illegales – Aufkaufen eigener Staatsschulden und damit einer künstlichen Herabmanipulation des Zinsniveaus aufzuschieben. Problematisch ist dabei allerdings, daß mit dieser Aufschiebetaktik das Endergebnis umso dramatischer ausfallen wird. Schon jetzt dürfte der Zeitpunkt überschritten sein, wo eine ausufernde und nicht mehr beherrschbare Inflation mit dem vorausgehenden Crash kaum noch zu verhindern ist.

 

Die Folge einer Geldexpansion war in der Geschichte immer das wertmäßige Ende der Papiergeldwährung. Ob Reichsmark, US-Dollar oder andere ungedeckte Papiergeldwährungen; alle aben gegen Gold nahezu ihren gesamten Wert, also ihre Kaufkraft, eingebüßt. Jeweils in Umbruchszeiten, wo dieser Betrug am Sparer bekannt wurde, konnte ein Anstieg des Gold- und Silberkurses in unermessliche Höhen festgestellt werden. Nur diejenigen Währungen haben in der Geschichte ihre Kaufkraft erhalten können und damit politische und wirtschaftliche Stabilität erzeugt, die durch Gold und Silber zumindest teilweise gedeckt waren. Nach jedem Zusammenbruch der ungedeckten Papiergeldwährungen folgte eine Deckung der jeweiligen Währung mit einem objektiven, von der Notenbank schwer beeinflußbaren Wert. Als solider „Anker“ bzw. solche Basis haben sich die Edelmetalle seit 5.000 Jahren erwiesen, weil sie nur in begrenztem Maße gefunden werden und damit jedem Wirtschaftsteilnehmer und Marktakteur bewußt ist, daß letztlich keine beliebige Vermehrung der Edelmetalle möglich wird. Selbstverpflichtungen besonders verantwortungsloser Notenbanker erwiesen sich als unstetige „Lippenbekenntnisse“ und enttäuschten die Menschen immer wieder. Als Vertrauensbasis reichen diese Selbstverpflichtungen deshalb nicht aus. Wir sollten davon ausgehen, daß auf den folgenden Zusammenbruch der westlichen Papiergeldwährungen mit einer Art Gold- und Silberstandard wieder reagiert werden wird. Das Vertrauen der Bürger ist nur durch Gold und Silber als Wertanker der Währung zurückzuholen.

 

Auch technisch dürfte Gold und Silber wieder Wertanker der Währung werden, weil Gold nach wie vor die einzige bewertbare Aktivposition in jeder Notenbankbilanz ist und die einzige Geldform darstellt, die auch vom Rest der Menschheit außerhalb des US-Dollarsystems akzeptiert wird. Bald stellt sich die Frage, ob man im Besitz von physischem Gold und Silber ist, wenn es um den Werterhalt der Ersparnisse geht, weil schon heute abschätzbar ist, daß die Goldlieferversprechen – also alle Derivate – nicht vollständig eingelöst werden können. Viele dieser Derivate werden mit der Hoffnung in die Solidität von Notenbankern und Finanzaufsichten gleichsam einer Fata Morgana platzen.


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Dr. Eike Hamer ist Herausgeber des Wirtschaftsinformationsbriefes „Wirtschaft aktuell“. Seit 1996 arbeitet Dr. Hamer im Mittelstandsinstitut Niedersachsen und ist dort seit 2004 Mitglied des Vorstands. Er ist zudem Vorstandsmitglied der Deutschen Mittelstandsstiftung e.V.

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