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General Motors verkauft Opel an Peugeot: Die Folgen des Deals

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
07.03.2017, 10:51  |  481   |   |   

General Motors  (WKN:A1C9CM) und der französische Autobauer Peugeot (WKN:852363) hielten am Montag Morgen eine gemeinsame Pressekonferenz in Paris ab. Der Grund der Pressekonferenz war bei ihrer Bekanntgabe (und bei Entstehung dieses Artikels) unbekannt.

Mehrfachen Berichten zufolge hat GM einen Deal abgeschlossen, wonach seine deutsche Opel-Tochter an Peugeot verkauft werden soll. Dies ist ein gewaltiger Deal mit enormen Folgen. Der Deal schafft einen gewichtigen regionalen Konkurrenten, nimmt einen der weltweit größten Autohersteller fast vollständig aus dem drittgrößten Automobilmarkt der Welt und könnte eine Welle von transformativen Vereinigungen in der gesamten Automobilindustrie auslösen.

Eine vollständige Analyse ist erst nach Bekanntgabe aller Details möglich. Aber wir wissen bereits genug, um einen ersten Blick auf diesen Deal und seine Auswirkungen für GM zu werfen.

Einige Details dieses Deals sind bereits durchgesickert

Seitdem Peugeots Vorstand diesem Deal am Freitag zugestimmt hat, sind nur wenige Details durchgesickert, aber wir haben genug Informationen, um uns einen groben Überblick über diesen Deal und seine Auswirkungen zu verschaffen.

Ein Bericht der französischen Zeitung Les Echos ist die Quelle nahezu aller Details, die uns zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels zur Verfügung standen.

Der voraussichtliche Übernahmepreis

Einem Bericht von Les Echos zufolge soll sich der Übernahmepreis von Opel für Peugeot auf 1,6 – 1,8 Mrd. Euro belaufen. In etwa die Hälfte dieses Betrags soll in liquiden Mitteln beglichen werden und der Rest in Peugeot-Aktien.

Aber dies bedeutet nicht, dass GM sich einfach nur das Geld einsteckt und dann das Kapitel Opel komplett beendet. Dem Bericht von Les Echos nach hat GM zugestimmt, die Pensionsverpflichtungen für Opel-Angestellte in Deutschland und Großbritannien in seiner Bilanz weiterzuführen. Diese Verpflichtungen belaufen sich auf fast 7 Mrd. US-Dollar, für die Peugeot keinerlei Verantwortung mehr tragen wird.

Was passiert mit den Rechten an der GM-Technologie, die in den aktuellen Opel-Modellen steckt?

Dies war wohl der wesentliche Streitpunkt des Deals. Offensichtlich steckt in Opels aktuellen Fahrzeugen jede Menge patentrechtlich geschützte Technologie von GM. GM setzt alles daran, seine Patente zu schützen, aber es wird einige Jahre dauern, Opels derzeitige Fahrzeuge mit Peugeot-entwickelten Nachfolgern zu ersetzen.

Während der Verhandlungen hat GM Berichten zufolge Sorgen darüber geäußert, mit seiner eigenen Technologie und eigenen Produkten konkurrieren zu müssen. Einige Opel-Modelle sind im Wesentlichen – abgesehen von der Karosserie und einigen kleineren Details – identisch mit Buick-Modellen. GM will es vermeiden, sich in der Situation wiederzufinden, seine Buicks in direkter Konkurrenz mit ihren Opel-Zwillingen verkaufen zu müssen – insbesondere in China, wo der Buick eine starke Marke mit hohem Absatzvolumen ist.

Der Deal beinhaltet scheinbar eine besondere Bestimmung, die gezielt auf GMs Elektrofahrzeugtechnologie eingeht. Peugeot wollte sich die Verkaufsrechte an Opels Elektrofahrzeug sichern, dem Ampera-e. (Eine abgekupferte Version des Chevrolet Bolt Elektrofahrzeugs). GM legt jedoch großen Wert auf den Schutz seiner Elektrofahrzeug-Technologie: Der Bolt ist weitaus fortschrittlicher als viele andere Elektrofahrzeuge, die derzeit von großen Automobilbauern angeboten werden.

Der Opel Ampera-e ist eine abgekupferte Version des Chevrolet Bolt EV. Der Ampera-e wird wie der Bolt in Michigan produziert und nicht etwa in einem Opel-Werk. Bildquelle: General Motors.

Der Kompromiss sieht vor, dass Peugeot für eine bestimmte Zeit begrenzten Zugang auf GMs US-Patente haben wird und GM den Ampera-e für Peugeot/Opel einige Jahre weiter produzieren wird. Peugeot soll aber der Verkauf von GM-entwickelten Opel-Fahrzeugen in bestimmten Teilen der Welt beschränkt sein.

Was Peugeot dieser Deal bring: Skaleneffekte

Im Allgemeinen haben große Automobilhersteller stärkere Skaleneffekte. Peugeot macht den Großteil seines Geschäfts in Europa, wo der Volkswagen-Konzern (WKN:766403) der dominante Player ist. VW verkaufte im vergangenen Jahr weltweit über 10,3 Mio. Fahrzeuge – ein Volumen, an das Peugeot mit 3,15 Mio. verkauften Fahrzeugen in 2016 nicht herankommt.

Die Angliederung von Opel ist demnach ein kluger Schritt, der Peugeot in Europa VW einen Schritt näher bringt. Peugeot verkaufte vergangenes Jahr 1,16 Mio. Fahrzeuge in Europa. Zusammen verkauften Opel und Peugeot in Europa 3,09 Mio. Fahrzeuge. Dies ist genug, um mit einem Marktanteil von 16 % zum zweitgrößten Automobilhersteller Europas aufzusteigen – und zumindest in der Theorie erhöht diese Übernahme die Chancen, mit VW konkurrieren zu können.

Dem Le Echo Bericht zufolge glaubt Peugeot, dass die Verbundeffekte dieses Deals dem Unternehmen jährlich 1,5 bis 2 Mrd. Euro einsparen werden, wenn die Opel-Herstellung erst einmal in Peugeots Werke verlagert ist. Dies wird vermutlich vier bis fünf Jahre dauern.

Was GM dieser Deal bringt: einen sofortigen Profitabilitätsschub

Einerseits macht dieser Deal GM zu einem kleineren Autobauer. Andererseits wäre der Autobauer aus Detroit auch gleichzeitig ein viel profitablerer. Als Opel das letzte Mal schwarzen Zahlen schrieb, war Bill Clinton noch US-Präsident. Seit dem Jahr 1999 hat das Unternehmen Verluste von über 20 Mrd. US-Dollar eingefahren, vergangenes Jahr waren es 257 Mrd. US-Dollar.

Es ist schwierig zu sagen, wie sich der Verkauf von Opel auf GMs Geschäftszahlen auswirken wird. Opel macht den Großteil von GMs Europageschäft aus und ist eng in GMs internationale Produktentwicklung verwurzelt. Betrachten wir doch eine einfache Kalkulation, in der wir Europa aus GMs 2016-Ergebnis herausrechnen:

Kennzahl Ergebnis 2016 Ohne Europa/Opel
Umsatz 166,38 Mrd. USD 147,67 Mrd. USD
Verkaufte Fahrzeuge 10,008 Mio. 8,849 Mio.
EBIT (angepasst) 12,53 Mrd. USD 12,79 Mrd. USD
EBIT-Marge (angepasst) 7,53 % 8,66 %

Datenquelle: General Motors. EBIT (bereinigt) ist GMs Non-GAAP-Bezeichnung für: operativer Gewinn minus einmalige Posten und andere geringfügige Änderungen. Die hypothetische Kennzahl „Verkaufte Fahrzeuge global“ schließt den Opel- und Vauxhall-Umsatz aus, aber nicht den europäischen Umsatz von GMs globalen Marken, die auch nach dem Deal fortgeführt werden.

Lange Rede, kurzer Sinn: GMs Gewinnmarge steigt sprunghaft um mehr als einen Prozentpunkt.

Unter CEO Mary Barra hat GM einige ernsthafte Maßnahmen ergriffen, die deutlich gemacht haben, dass das Unternehmen alles daran setzt, seine Profitabilität zu erhöhen – selbst auf Kosten des Absatzvolumens. Der Verkauf von Opel wäre der bisher dramatischste Schritt zur Steigerung der Profitabilität – steht aber in Einklang mit dem, was Barra und ihr Management-Team in den vergangenen Jahren von sich gegeben haben.

Vergangenes Jahr drückte es GM-Präsident Dan Ammann in einer Präsentation an Aktionäre folgendermaßen aus.

Wir haben unser Geschäft nach Markt, geographischer Lage und Marktsegment analysiert und sorgfältig geprüft, wo wir langfristige Renditen einfahren können und in welchen Bereichen wir keine akzeptablen Langzeitrenditen sehen.

Dort, wo wir keine akzeptablen Langzeitrenditen gesehen haben, haben wir uns nicht davor gescheut, eine drastische Entscheidung zu treffen und uns zurückzuziehen, umzustrukturieren oder unser Geschäftsmodell anzupassen, um einen Weg einzuschlagen, der uns zu einer akzeptablen Langzeitrendite führt.

Dies scheint also die Erklärung für diesen Deal zu sein.

Ist GMs Entscheidung, Opel zu verkaufen, für GM-Investoren etwas Gutes?

Verheißt dieser Deal für GM-Aktionäre etwas Positives? Wir kennen noch nicht alle Details, aber angesichts der Daten, die uns jetzt ersichtlich sind, scheint die Antwort ein klares „Ja“ zu sein.

Wie wir gesehen haben, kurbelt der Verkauf von Opel sofort GMs Gesamtprofitabilität an. Der Verkauf von Opel gibt Barre und ihrem Team außerdem mehr Freiheiten, sich verstärkt auf profitable Geschäftsfelder zu konzentrieren. Ich denke, dass dieser Faktor entscheidender ist, als viele Investoren glauben.

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Es ist wahr, dass GM ein gewisses Maß an Skaleneffekten und Absatzvolumen verlieren wird. Vielleicht wird es auch seine Buick-Produktpalette etwas umstrukturieren müssen, um Überschneidungen mit Opel zu verhindern. Wir wissen noch nichts Genaueres über die Bestimmungen des Deals hinsichtlich eines Wettbewerbsverbots mit GM, aber mit der Zeit könnte GM in der Lage sein, sich in Europa mit Hilfe seiner Chevrolet- und Cadillac-Marken eine stärkere Präsenz und eine günstigere Kostenstruktur aufzubauen. Dies könnte verlorene Absatzmengen zumindest teilweise auffangen – und das auf profitablere Weise.

Natürlich wird GM in Europa nur vernünftige Gewinne erzielen, wenn Barra und ihr Team zur Einschätzung kommen, dass sie auf erforderliche Investitionen gute Renditen erzielen können. Wenn nicht, wird GM sich weiter nach profitablen Geschäftsmöglichkeiten umsehen – und Aktionäre sollten diese Strategie gutheißen.

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The Motley Fool empfiehlt General Motors. 

Dieser Artikel wurde von John Rosevear auf Englisch verfasst und am 5.3.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

Wertpapier: Peugeot porteur/nom, Volkswagen Vz, General Motors


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