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Widerruf von Forward-Darlehen Muss die Bank bei der Nichtabnahme von Forward-Darlehen entschädigt werden?

Gastautor: Dr. Timo Gansel
15.03.2017, 11:55  |  1802   |   |   

Vor ca. 20 Jahren führte der Kreditvermittler Dr. Klein eine Wette in das Baufinanzierungsgeschäft ein. Mit Erfolg: Das „Forward-Darlehen“ - so der Name für diesen Voraus-Kredit - gehört inzwischen zu den Standardprodukten der meisten deutschen Kreditinstitute, wenn es um die Fortführung eines Immobiliendarlehens geht. Viele Bauherren sicherten sich also in der Vergangenheit mit einem Forward-Darlehen, auch Forward-Kredit genannt, einen vermeintlich günstigen Zinssatz für ihre künftige Immobilienfinanzierung, um sich vor einem möglichen Zinsanstieg zu schützen. Doch wenn die Zinsen sinken statt steigen, dann ist der Verlust für den Kreditnehmer enorm. Möchte sich der Darlehensnehmer von diesem nunmehr ungünstigen Forward-Darlehen „befreien“, verlangen die Banken dafür meist hohe Nichtabnahmeentschädigungen. Doch das ist nicht immer berechtigt.

„Zinsen sichern mit Forward-Darlehen“ - ein heikles Versprechen

Die Geschäftsidee für das „Forward-Darlehen“ ist so simpel wie einträglich für die Kreditgeber und Kreditvermittler. Mit dem Kreditnehmer wird ein Darlehen zu den aktuell günstigen Zinsen für die Zukunft vertraglich vereinbart. Entsprechend lautet der Werbeslogan „Zinsen sichern mit Forward-Darlehen“. Das macht allerdings nur Sinn, wenn man von steigenden Zinsen ausgeht. Aber wer weiß das? Zu komplex sind die Faktoren und zu dynamisch sind die Entwicklungen, die den Finanzmarkt bestimmen. Da bleiben nur die Empfehlungen der Kaffeesatzleser und Analysten der Kreditinstitute oder das Vertrauen auf das eigene Bauchgefühl.

Und dann nimmt die Wette auf die künftige Zinsentwicklung ihren Lauf. Geht es gut und die Zinsen steigen ist alles gut. Geht es schief, dann ist es für den Kreditnehmer schlecht gelaufen. Denn bleiben die Zinsen gleich oder sinken weiter, bleibt er auf einem relativ teuren Darlehen sitzen.

Dem Kreditgeber geht es in jedem Fall gut. Zum einen kassiert er einen Zinsaufschlag auf das Darlehen und zum anderen sichert er sich mit einer hohen Entschädigungsforderung gegen eine Nichtabnahme des Forward-Darlehens.

Nichtabnahmeentschädigung schützt die Bank vor Verlusten

Die Rechtslage ist eindeutig: Wird ein Kredit vertragswidrig nicht abgenommen, hat der Kreditgeber Anspruch auf eine Nichtabnahmeentschädigung, selbst wenn der Kredit nicht mehr gebraucht wird. Damit soll der Kreditgeber für den entgangenen Gewinn entschädigt werden. Und das, obwohl man bei einer Nichtabnahme des Darlehens dem Kreditinstitut unterstellen kann, dass es das nicht mehr benötigte Darlehen einem anderen Darlehensnehmer gewährt und sich deshalb der Schaden in Grenzen hält. Die Nichtabnahmeentschädigung zu zahlen und den teuren Kredit mit einem zinsgünstigeren abzulösen lohnt sich meist nicht. Die Entschädigungszahlung ist fast immer höher als die mögliche Zinsersparnis.

Widerrufsjoker hilft auch bei Nichtabnahmeentschädigung

Formal juristisch ist der Kreditnehmer bei der Nichtabnahme eines Darlehens also zur Entschädigung der Bank verpflichtet. Er kann nur auf Kulanz hoffen. Auf Kulanz hoffen allerdings auch die Kreditinstitute bezüglich ihrer Fehler, die sie bei der Information ihrer Kunden über deren Widerrufsrecht gemacht haben. Denn eine fehlerhafte Widerrufsinformation im Fordward-Darlehens-Vertrag berechtigt den Darlehensnehmer auch nach Ablauf der 14-tägigen Widerrufsfrist heute noch zum Widerruf des Forward-Darlehens ohne Entschädigung – in der Forwardphase. Und noch danach.

Auch das ist formal juristisch korrekt. Angesichts dieser Rechtslage macht es für den Kreditgeber und den Kreditnehmer Sinn, sich nicht in einen Rechtstreit zu begeben, sondern sich wirtschaftlich zu einigen. 

Im Übrigen: Wenn die Nichtabnahmeentschädigung bereits gezahlt wurde, kann bei einer nicht ordnungsgemäßen Widerrufsinformation die bereits gezahlte Entschädigungssumme zurückgefordert werden.

Lässt sich das Forward-Darlehen nicht über einen Widerruf vermeiden, dann sollte man die Höhe der geforderten Nichtabnahmeentschädigung unbedingt überprüfen lassen. Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass viele Forderungen nicht nur unverständlich, sondern auch überhöht sind.

So viel können Sie sparen: Ein Beispiel für Forward-Darlehen

Eine Familie möchte nach der zehnjährigen Zinsbindung ihr Darlehen mit einer Restschuld von 245.000 Euro mit einem Forward-Darlehen weiterführen. Die Familie vereinbarte mit ihrem Kreditinstitut 2013 folgende Konditionen: Ein Zinssatz von 3,2 %, der sich aus 2,7 % Zinsen + 0,5 % Forward-Aufschlag zusammensetzte sowie einem Tilgungssatz von 1,5 %. Die monatliche Rate für Zins und Tilgung sollte 960 Euro betragen und das Forward-Darlehen sollte ab 01.02.2017 greifen. Als die Familie merkte, dass die aktuellen Zinsen nur 1,34 % nominal betragen, wollte sie das Forward-Darlehen nicht abnehmen. Das Kreditinstitut war zunächst nicht bereit, das zu akzeptieren – außer die Familie zahlt eine Nichtabnahmeentschädigung. Als dem Kreditinstitut ein Fehler in der Widerrufsinformation nachgewiesen werden konnte, bot es für die Anschlussfinanzierung einen Darlehensvertrag mit den aktuell niedrigen Zinsen für 10 Jahre an. Die Ersparnis: 41.600 Euro Zinsen. 

Kostenfreie Prüfung Ihres Forward-Darlehens-Vertrags von Spezialisten

Dr. Timo Gansel und seine 20 Rechtsanwälte in Berlin prüfen Widerrufsbelehrungen und Widerrufsinformationen kostenfrei auf widerrufsrelevante Fehler. In den vergangenen Jahren hat die Kanzlei für ihre Mandanten bei über 800 Kreditinstituten Verträge mit einer falschen Widerrufsbelehrung schnell, unkompliziert und zu deren Vorteil verglichen – meistens außergerichtlich. Die Kanzlei Gansel Rechtsanwälte übernimmt mit ihren spezialisierten Anwälten nur Fälle, die sich wirtschaftlich für ihre Mandanten lohnen. Näheres und eine kostenfreie Vertragsprüfung unter www.gansel-rechtsanwaelte.de



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