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Diese drei Faktoren lassen Kanadas Cannabis-Aktien durch die Decke schießen

Gastautor: Marc Davis
21.04.2017, 16:03  |  16807   |   |   

Die großen kanadischen Cannabis-Produzenten haben soeben die Lizenz zum Gelddrucken erhalten.

Die Regierung erteilte ihnen offiziell das Recht, in einen neuen Multimilliarden-Dollar-Markt einzusteigen.  Nun ist es an ihnen, in kürzester Zeit so viel Cannabis wie möglich anzubauen, um sich auf ein legales Dasein in der Freizeit- und Erholungsbranche vorzubereiten. Nächsten Sommer geht es los, bislang wird mit einer potentiellen Konsumentenzahl von acht Millionen Kanadiern gerechnet.

Die eigentlich gute Neuigkeit wirkt sich bis dato noch recht diametral auf die Aktienkurse aus - zunächst reagierten sie erst einmal mit erhöhter Volatilität. Der Grund hierfür liegt in der geringen Menge an inhaltlichen Details, die die Regierung in Bezug auf die Legalisierung bisher rausgegeben hat.

Investoren müssen sich darüber aber erst mal keinen Kopf machen. Die gesetzlichen Feinheiten werden in den kommenden Monaten noch ausgearbeitet; mit einem rechtskräftigen Marktvolumen von zehn Milliarden kanadischen Dollar im Jahr darf gerechnet werden.

Der Regierung selbst ist natürlich auch daran gelegen, ein großes Stück vom Kuchen in Form von Steuereinnahmen abzubekommen. Nur deshalb dürfte Premierminister Trudeau auch ein derart enges Zeitfenster bis zur Legalisierung angeordnet haben: Ab 1. Juli 2018, dem Canada Day, hat jeder das offizielle Recht, Marihuana zu konsumieren.

Diese Prämisse vor Augen, nenne ich euch jetzt drei fundamentale Gründe, die darauf hindeuten, dass Kanadas Cannabis-Produzenten demnächst dazu bestimmt sind, ein beeindruckendes Umsatzwachstum hinzulegen. Zusammen mit ihren zukünftigen Aussichten sollten sie daher auch zu den Top-Performern am Aktienmarkt gehören.

#1 Erste globale Lieferengpässe

Auf den Aktienmärkten läuft es derzeit weltweit nicht ganz so rund. Investoren aus aller Herren Länder wenden sich daher vermehrt dem florierenden kanadischen Cannabismarkt zu. Die dort beheimateten Papiere bieten ihnen die Chance, in diverse neue Milliardenmärkte einzusteigen.

Zunächst wäre da Kanadas Industrie für medizinisches Marihuana (MMJ) zu nennen. Diese wächst so rasant, dass Zulieferer fast schon nicht mehr mit der steigenden Nachfrage mithalten können. In der Folge generieren die gut drei Dutzend Unternehmen, die den Rohstoff bereits im industriellen Maßstab anbauen, bereits erste ernstzunehmende Cash-Flows. Und damit nicht genug: Sie arbeiten auch mit Hochdruck daran, den Output so weit wie möglich hochzufahren.

Hierzu nochmal eine eingehendere Erklärung:

Der MMJ-Markt wächst derzeit jeden Monat um die 10 Prozent – Experten gehen davon aus, dass sich der jährliche Umsatz auf rund drei Milliarden Dollar belaufen wird. Zusätzlich ist der Erfolg für Kanadas lizensierte Produzenten bereits jetzt in greifbarer Nähe. Mit dem Startschuss Mitte 2018 soll der gesamte Freizeit- und Erholungsmarkt dann bald schon 10 Milliarden Dollar wert sein.

Mindestens 60.000 Kilo Cannabis – oder auch 1,2 Milliarden „Joints“ - braucht es, um die Nachfrage im ersten Jahr nach der Legalisierung zu stillen. Einer jüngsten Umfrage zufolge soll sich die Zahl der zukünftigen Konsumenten auf acht Millionen belaufen. Bisher geht man von über fünf Millionen Konsumenten aus, die den Stoff noch illegal zu sich nehmen.

Allerdings haben Kanadas Produzenten schon jetzt Schwierigkeiten, überhaupt nur genug für jene 150.000 Patienten anzubauen, die eine Genehmigung für den Konsum haben. Ihr Output müsste sich also um 5.000 Prozent erhöhen, um den baldigen Markt bedienen zu können. Trotz intensivster Bemühungen, die Produktion um wenigstens 200 – 400 Prozent hochzufahren, wird es unausweichlich zu einem Lieferengpass kommen.

Laut Jason Zandberg, Cannabis-Experte bei der kanadischen Investmentbank PI Financial, werden diejenigen Unternehmen mit beträchtlichen Marktanteilen und Kurssprüngen belohnt, die es schaffen, ihre Produktion am schnellsten hochzufahren. „Das quartalsmäßige Umsatzwachstum wird ein Schlüsselkriterium sein, mit dem man solche Firmen ausmachen kann, die mit der größten Dynamik ins Jahr 2018 schreiten“, erklärte er.

Jason Zandberg, PI Financial

# Höhere Preise und Gewinne

Der nach der Legalisierung eintretende Engpass wird einen hohen Preisdruck auf die Cannabis-Preise mit sich bringen. Manche Schätzungen gehen von einem Sprung auf 15 Dollar pro Gramm aus – momentan liegt der Durchschnittspreis von legal verkauftem Marihuana noch bei acht Dollar je Gramm.

John Fowler, Chef von Supreme Pharmaceuticals, einem Großhändler im MMJ-Markt, glaubt fest daran, dass die Preise eine Weile steigen werden, sobald die Legalisierung durch ist.

„Ich vermute, dass die Anwender gerade in der Anfangsphase noch kein Problem damit haben werden, einen Aufschlag für ein sicheres und hochwertiges Produkt zu zahlen, das von regelmäßig kontrollierten Unternehmen hergestellt wird“, sagte er.

John Fowler, Supreme Pharmaceuticals

An einen ewig andauernden Preisanstieg glaubt Fowler dennoch nicht. „Auf dem Schwarzmarkt kostete das Gramm lange Zeit stabile acht bis zwölf Dollar. Letztlich muss auch das legale Marihuana wettbewerbsfähig werden, um das Illegale zu einer weniger attraktiven Alternative für Konsumenten – speziell für die Dauerkiffer – zu machen.“

Supreme Pharmaceuticals

Als Großproduzent aufzutreten ist aber nicht die einzige Möglichkeit, um von den höheren Preisen zu profitieren.

Kleinere aber dafür bekannte Player dürften sich beispielsweise ebenfalls gut schlagen, vor allem dann, wenn der Cannabispreis nach den ersten Nachfrage- oder auch Lieferengpässen anschwillt.

Speziell wird das der Fall bei Innovatoren sein, die sich in der Herstellung von medizinischem Cannabis-Öl – oft auch Extrakt genannt – hervortun. Diese Wertschöpfung verlangt einen noch höheren Preis pro Gramm und bietet beste Gewinnmargen.

#3 Wissenschaftliche Innovatoren werden richtig abräumen

Nicht jedes Cannabis-Unternehmen ist auf den Freizeit- und Erholungsmarkt ausgerichtet. Eine Handvoll von ihnen hat sich auch auf die sogenannte „Downstream“- Verwendung von Marihuana spezialisiert, also auf die Wertschöpfung mittels bereits weiterverarbeitetem Cannabis.

Eine geschützte Cannabis-Rezeptur kann hierbei zum Beispiel dazu verwendet werden, andere medizinische Produkte herzustellen, die einen noch höheren Preis erfordern. Für die Hersteller ist der Heilige Gral an dieser Stelle der Arzneimittelmarkt. Hier können Unternehmen eine Milliardenbewertung erzielen. GW Pharmaceuticals hat beispielsweise schon jetzt einen Börsenwert von drei Milliarden US-Dollar. Die Firma führt gerade ein auf Cannabis basierendes Medikament gegen Krampfanfälle in die USA ein.

GW Pharmaceuticals

In den Vereinigten Staaten ist es bislang allerdings noch recht schwierig, die Arzneimittelzulassungsbehörde FDA von der Wirksamkeit und Sicherheit einer potentiellen Droge zu überzeugen. Nicht nur, dass das Jahre dauern kann, der Weg dahin ist auch ungemein teuer.

Kurzfristig ist es dort also eher der Markt für funktionelle Lebensmittel (Nutrazeutika), bei dem sich für Kanadas wissenschaftliche Cannabisfirmen etwas herausholen lässt. Hier können sehr hohe Gewinne mit dem Verkauf von Kapseln, Tinkturen, Pflastern, Ölen und anderen Verabreichungsmitteln erzielt werden.

Mit dem kommenden legalen Milliardenmarkt dürfte der Zweig für Nutrazeutika also ebenfalls ein explosives Wachstum verzeichnen. Das liegt eigentlich auch auf der Hand: Anders als heute, werden die Konsumenten dann in der Lage sein, sich selbst mit leicht zugänglichen pharmazeutischen und auf Cannabis basierenden Produkten zu behandeln.

Um die Relevanz des wachsenden Nutrazeutika-Marktes noch einmal zu verdeutlichen, habe ich mit der Vorsitzenden von Emerald Health Therapeutics, Bin Huang gesprochen. Die Firma ist im kanadischen TSX Venture Exchange Index mit dem Kürzel EMH gelistet.

Bin Huang, Emerald Health Therapeutics

Huang ist eine angesehene Wissenschaftlerin mit einer großen Expertise in der Pflanzenzell-Biologie. Sie war zudem viele Jahre in der biopharmazeutischen Industrie tätig.

„Meine Kollegen und ich haben weitreichende Erfahrung in der Entwicklung von verschreibungspflichtigen Medikamenten“, so Huang. „Zurzeit arbeiten wir an der Entwicklung einer speziellen Kapsel, die bei chronischen Schmerzen und Schlafstörungen helfen soll – beides hängt oft miteinander zusammen.“

Im weiteren Verlauf des Jahres will Emerald Health noch andere Kapseln mit einer besonders präzisen Dosierung für solche Probleme auf den Markt bringen. Generell stellen Kapseln eine sehr bequeme Verabreichungsform dar, mit der Patienten und Ärzte schon im Vorfeld recht vertraut sind.

„Die Möglichkeit, über diesen Weg eine präzise Dosierung geben zu können, wird zum echten Game-Changer werden. Denn damit wird sich eine weitreichende Akzeptanz für Cannabis in der Medizinerschaft erreichen lassen“, schätzt Huang.

Emerald Health Therapeutics

Als das am schnellsten wachsende und profitabelste Segment im MMJ-Markt erfreuen sich auch Cannabis-Öle immer größerer Beliebtheit. Das liegt hauptsächlich daran, dass sie viel länger wirksam sind, als Cannabis, was einfach nur geraucht wird. Darüber hinaus bleibt hierbei auch das Risiko aus, dass man sich mögliche Schädigungen durch die Inhalation zufügt.

Laut Huang dürften sich diese nicht „high“ machenden Öle noch als echtes Gottesgeschenk für arbeitende Schmerzpatienten erweisen. „Wir starten schon bald den Verkauf unseres sehr hochwertigen CBD-Öls, in dem eine eher zu vernachlässigende Menge THC drin ist. Dadurch treten keine psychoaktiven Effekte auf und die Leute können ganz normal funktionieren.“

Emerald Health gehört zu den circa zwei Dutzend kanadischen Cannabis-Unternehmen, die man aufgrund ihrer Finanzlage und ihres ausgefeilten Managements ernst nehmen sollte.

An dieser Stelle könnt ihr euch gern einen Überblick über unsere „Top 20“ verschaffen. Hierbei handelt es sich um eine von uns getroffene Auswahl der besten kanadischen Cannabis-Aktien, die wir im Vorfeld ausführlich analysiert und miteinander verglichen haben.

Für alle hierin gelisteten Firmen dürfte 2017 ein Ausbruchsjahr werden – besonders gilt das für jene Hersteller, die sich eine Produktion in industriellem Maßstab vorgenommen haben. Im April erhielten sie dazu von der Regierung einen rechtskräftigen Wegweiser, der sie in einen Multimilliarden-Dollar-Markt führen dürfte. Diesen Hotspots steht somit ein extrem aufregender Ritt in den Börsenolymp bevor.  



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