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Kampfansage an USA China rüstet im Wirtschaftskrieg mit tonnenweise Gold auf

Gastautor: Jörg Rohmann
07.10.2013, 15:53  |  17423   |   |   
China fordert die USA heraus. Ein wichtiger Teil von Pekings Strategie: den Dollar als Leitwährung schwächen. Das Unternehmen läuft bereits. Am Ende könnte ein neuer chinesischer Goldstandard stehen.
China ist auf dem Weg zur Weltmacht. Nach OECD-Schätzungen wird es die USA 2016 wirtschaftlich überholt haben. Wirtschaftliche Macht bedeutet immer auch politische Macht. Ähnlich wie im 20. Jahrhundert das British Empire seine Vormachtstellung an die Vereinigten Staaten abgeben musste, vollzieht sich im 21. Jahrhundert ein Machttransfer zugunsten Chinas. Ein signifikanter Hebel liegt dabei in der Ablösung des Dollars als Leitwährung durch den Yuan. Aus chinesischer Sicht ergibt sich eine historische Chance, die Welt von Morgen zu gestalten.

Bretton-Woods bezeichnet einen Stadtbezirk in dem Dorf Carroll im Bundesstaat New Hampshire. Aber der Name steht auch für eine Wegmarke der Vereinigten Staaten zur Weltmacht. Noch während des Zweiten Weltkriegs wurde eine internationale Währungsordnung geschaffen, die den Dollar als Leitwährung etabliert hat. Bekannt wurde diese Vereinbarung unter dem Namen Bretton-Woods-Abkommen. Der Dollar eroberte die Welt und ist bis heute das dominante Tauschmedium, insbesondere im Rohstoffhandel.

Schulden auf Rekordniveau

Selbst die Aufgabe der Golddeckung im Jahr 1971 hat den Status des Dollar nicht gefährdet. Der Greenback wandelte sich von der gedeckten Währung zu einer reinen Vertrauenswährung. Jeder US-Präsident trieb die Neuverschuldung nach oben und die Geldmenge vermehrte sich rasant. Der Höhepunkt war dann jedoch die jüngste Finanzkrise. Der amtierende US-Präsident, Barack Obama, hat mehr Schulden aufgenommen als seine 42 Vorgänger zusammen. Die Gesamtverschuldung der Vereinigten Staaten beträgt 16,7 Billionen US-Dollar.

Das „Heilmittel“ gegen diese ungeheuren Verbindlichkeiten ist ein alt bewährtes: Inflation. Es half bereits nach dem Zweiten Weltkrieg und soll auch gegen diesen Schuldenberg eingesetzt werden. Nur die Inflationsrate und die Dauer des Schuldenabtragens sind noch nicht bekannt. Die US-Notenbank ist dabei und wird alles tun, um dieses Ziel zu erreichen. In den anderen Industrienationen ist diese Vorgehensweise ebenfalls feststellbar.

China nutzt die Schwächen aus

Aber die Welt hat sich weitergedreht und 2013 ist nicht mehr 1944. Allen voran betrachtet China seine Zeit als gekommen und wird die Schwäche der amerikanischen Währung und Wirtschaft nutzen, um für sich den Platz an der Sonne einzufordern. Aber was wird China tun, um die eigenen Interessen durchzusetzen? Erste Hinweise können die bilateralen Handelsabkommen Chinas liefern. Sie werden zunehmend in Yuan abgeschlossen – der Dollar spielt hier keine Rolle mehr. Eine klare Kampfansage an den Greenback als internationale Handelswährung.

Ein anderer Hinweis: In der jüngsten Vergangenheit war in vielen Wirtschaftsmedien von einer Krise in den Schwellenländern zu lesen. Der Grund: Ankündigungen der Fed, die lockere Geldpolitik in der Zukunft leicht zu straffen. Als Reaktion darauf zogen Investoren ihr Geld aus den Schwellenländern ab. Die Auswirkungen waren massiv und selbst im philippinischen Hinterland noch zu spüren. Eben auch in jenen aufstrebenden Ländern zu denen China bereits seit Jahren intensive Handelsbeziehungen unterhält.

Wie sieht die neue Währungsordnung aus?

Es kann davon ausgegangen werden, dass spätestens nach den jüngsten Verwerfungen in diesen Ländern, die direkt mit der US-Geldpolitik zusammenhängen, die Frage nach dem Dollar als Leitwährung gestellt wird. Worauf dann auch die Frage nach dem „danach“ gestellt werden wird. Dies ist derzeit die globale, alles entscheidende Frage: Wie wird die neue internationale Währungsordnung ausschauen?

Eine nicht unwahrscheinliche Antwort darauf lautet: ein neuer chinesischer Goldstandard! Der Dollar oder unsere Währung der Euro sind reine Vertrauenswährungen – durch nichts gedeckt als durch den Glauben an Wirtschaftswachstum. In dem Moment, wo die bald größte Wirtschaftsnation der Welt ihre Währung mit Gold hinterlegt, wird ein beträchtlicher Teil der Weltgemeinschaft den Papierwährungen des Westens wegen der zunehmenden Entwertungsrisiken den Rücken zu kehren und auf diese neue Sicherheit umschwenken.

 

Der Dollar löste das Pfund ab, der Yuan wird auf den Dollar folgen

In einer recht ähnlichen Situation – jedoch mit weniger Beteiligten – war die Weltwirtschaft nach dem Ersten Weltkrieg. Damals war es das britische Pfund, das aufgrund der hohen Überschuldung des British Empire in den folgenden 20 Jahren durch den Dollar abgelöst wurde. In dieser Phase des Machttransfers vom Dollar auf den Yuan befinden wir uns bereits. Die Einführung eines chinesischen Goldstandards könnte am Ende dieses Prozesses stehen.

Für die USA ist diese Vorstellung ein Horrorszenario. Als Leitwährung und damit Haupthandelswährung ermöglicht der Dollar seit 1976 permanent, Leistungsbilanzdefizite zu finanzieren. Solange die Welt mit der Leitwährung bezahlt werden kann, welche man selbst druckt, entsteht Wohlstand in den USA ohne signifikante wirtschaftliche Aktivität. Darüber hinaus „wechseln“ Länder ihre durch den Handel erworbenen Dollars in der Regel in US-Schulden über den Kauf von Staatsanleihen und tragen zur Nachfrage nach Dollars mehrheitlich bei. Dies sind ihre Währungsreserven, die natürlich dominant in der Leitwährung angelegt werden. Dieses Privileg und die damit verbundene Wohlstandsmehrung und die Unterhaltung der Armee als Machtinstrument wären mit einem neuen chinesischen Goldstandard akut gefährdet.

 

Größter Goldproduzent der Welt

Allerdings wird die Einführung eines chinesischen Goldstandards nicht von heute auf morgen stattfinden. Einmal abgesehen davon, dass die chinesische Finanzinfrastruktur noch unterentwickelt ist, verfügt das Land noch nicht über die nötigen Goldreserven. Nach offizieller Lesart verfügte China 2009 über einen Bestand von 1054 Tonnen – im Vergleich zu den USA mit über 8000 Tonnen oder Deutschland mit 3395 Tonnen viel zu wenig. In den letzten Jahren dürfte das Land aber die Bestände aufgestockt haben. Worüber diese offizielle Statistik übrigens keine Auskunft gibt: China ist mittlerweile größter Goldproduzent der Erde.

 

Bald einen Vorrat von 10 000 Tonnen

Darüber hinaus wäre es ein Leichtes für das Land, ausländische Bestände über staatliche Investmentfonds aufzukaufen oder sich an ausländischen Goldunternehmen zu beteiligen. Es gibt bereits Schätzungen, dass China bis Ende dieser Dekade über rund 10 000 Tonnen Gold verfügt. Mit diesem Fundus ließe sich ein chinesischer Goldstandard einführen. Ein weiterer Grund für die dezente Anhäufung von Goldvorräten: China selbst ist mit rund zwei Billionen US-Dollar einer der Hauptgläubiger der USA. Aus chinesischer Sicht ist eine langsame und verdeckte Diversifizierung der Devisenreserven in Gold angebracht.

 

Im Fazit würde ein chinesischer Goldstandard das Währungsgefüge in der Welt vollständig verändern und die Dollar-Hegemonie beenden. China wäre unangefochten die wirtschaftliche und damit politische Macht. Im Zuge dessen wird es höchstwahrscheinlich zu einer drastischen Neubewertung des Goldpreises  kommen. Die Bewertung einzelner Volkswirtschaften wird auch von ihren Goldvorräten abhängig sein. In diesem Zusammenhang ist auch die Rückführung des Bundesbankgoldes zu sehen. Es handelt sich keinesfalls nur um eine verwaltungstechnische Lappalie. In Zukunft wird es nicht um die Höhe des Goldpreises gehen, sondern darum, wer es physisch besitzt.
 

Weitere Analysen von Jörg Rohmann finden Sie im Alpari Newsroom.

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