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EZB-Geldpolitik Ökonomen fordern: Überweist jedem EU-Bürger 10.000 Euro!

03.09.2014, 10:32  |  25861   |  17   |   

Der Einstieg der Europäischen Zentralbank ins „Quantitative Easing“, also dem Ankauf von Wertpapieren, scheint nur noch eine Frage der Zeit. Doch anstatt Geld in die Hand zu nehmen, um den Finanzsektor zu retten, sollte die EZB das Geld lieber direkt den Bürgern überweisen, findet Daniel Stelter.

Nein, Daniel Stelter und die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) werden wohl keine besten Freunde mehr. In einem Beitrag für die „WirtschaftsWoche“ bezeichnete der ehemalige Berater der Boston Consulting Group und Gründer des makroökonomischen Forums „Beyond the obvious“ die Euro-Rettung der EZB als „Pyrrhussieg“: kurzfristig habe die EZB-Politik die Schmerzen zwar gelindert, jedoch den langfristigen Schaden maximiert, schrieb Stelter damals (wallstreet:online berichtete). Zuletzt sorgte auch ifo-Präsident Hans-Werner Sinn mit einer harschen Kritik am "Irrweg der EZB" für Aufsehen, wie wallstreet:online berichtete.

EZB-Maßnahmen "wirkungslos"

Inzwischen dürften EZB-Mario Draghi womöglich selbst mehr und mehr Zweifel beschleichen, ob seine Euro-Rettungsmission tatsächlich so erfolgreich war. Statt Stabilität und Wirtschaftsboom herrscht in der Euro-Zone Stagnation und Überschuldung. Die EZB stemmt sich seit Monaten vehement gegen eine solche Entwicklung. Im August beließ sie den Leitzins abermals auf dem historischen Tief von 0,15 Prozent. Es ist bereits der dritte Monat in Folge und ein Ende der Niedrigzinspolitik ist nicht in Sicht. Im Gegenteil, parallel zum niedrigen Leitzins wurde im Juni gar erstmals ein Negativzins für Bankeneinlagen eingeführt. Es sind die fast schon verzweifelten Versuche der EZB, die Kreditvergabe zu erhöhen. Geholfen hat es bislang wenig, noch immer stagniert die Wirtschaft und noch immer spukt das Gespenst der Deflation durch die Euro-Zone. Seit Monaten warnen Politiker, Notenbanken, die Weltbank und zuletzt sogar Marion Draghi selbst eindringlich vor den Gefahren einer Deflation.

Dass die Geldpolitik bislang weitgehend erfolglos blieb, ist für Daniel Stelter keine Überraschung. Er hält die Maßnahmen der EZB schlichtweg für „wirkungslos“ und das aus einem einfachen Grund: Billiges Geld helfe nur dann, wenn die potenziellen Schuldner noch über beleihbares Eigentum verfügten und auch bereit seien, dieses Eigentum zu beleihen, weil sie attraktive Investitionsmöglichkeiten sehen. In einem Umfeld der Rezession würden Unternehmen dies nicht sehen, und private Haushalte würden sich ebenfalls mit neuen Schulden zurückhalten, wenn Arbeitslosigkeit drohe und die Preissteigerung gering sei, schreibt Stelter in einem Beitrag für das „manager-magazin“.

Auch "Quantitative Easing" wird nichts nützen

Statt also die Kreditvergabe anzukurbeln und so der Realwirtschaft wieder auf die Beine zu helfen, versandet das frische Geld der EZB in den Finanzmärkten. Davon wiederum profitieren nur diejenigen, die ohnehin über Vermögen verfügen, beim kleinen Mann auf der Straße kommt das Geld dagegen nicht an.

Aus diesem Grund hält Stelter auch nichts vom letzten Pfeil, den sich die EZB noch in ihrem Köcher aufbewahrt hat. Die Rede ist vom Ankauf von Wertpapieren. Zuletzt hatte die Europäische Zentralbank immer wieder durchblicken lassen, diesen Pfeil in naher Zukunft auch zu ziehen, sollte die Inflation weiterhin auf einem derart niedrigen Niveau verbleiben. Insofern scheint ein so genanntes „Quantitative Easing“ nur eine Frage der Zeit.

Laut Stelter nützt das lediglich dem noch immer maroden europäischen Bankensystem. Allerdings werden die Banken das Geld auch weiterhin nicht in die Wirtschaft leiten. Was also tun? Darauf hat Daniel Stelter eine ganz einfache Antwort: Anstatt immer mehr frisches Geld in den Finanzsektor zu pumpen, sollte die EZB es den EU-Bürgern einfach direkt überweisen.

10.000 Euro für jeden EU-Bürger

Das mag zunächst populistisch klingen. Doch Stelter ist bei weitem nicht der Erste, der Notenbanken dazu auffordert, das Geld direkt an die Bürger weiterzugeben. Schon vor einigen Jahren hatte der australische Ökonom Steve Keen mit diesem Vorschlag auf sich aufmerksam gemacht und aktuell fordern auch Mark Blyth, Wirtschaftsprofessor an der Brown University, und der Hedgefondsmanager Eric Lonergan in einem gemeinsam Beitrag für „Foreign Affairs“ die Zentralbanken dazu auf: „Print Less but Transfer More“.

Soweit zur akademischen Unterstützung. Stelter selbst beruft sich auf den so genannten „Cantillon-Effekt“ des Ökonomen Richard Cantillon aus dem Jahr 1743, wonach frisches Geld jenen am meisten nutze, die es als Erstes bekommen. Zurzeit profitierten allein die Akteure an den Finanzmärkten und die Banken von diesem Effekt, argumentiert Stelter und fragt: „Wäre es nicht besser, stattdessen das frische Geld den Bürgern direkt zu geben?“

Angesichts der drei Billionen Euro, die die EZB für ihr „Quantative Easing“ wohl bereitstellen wird, wären das bei rund 330 Millionen Einwohnern in der Euro-Zone immerhin stolze 10.000 Euro pro Kopf.

Risiko oder Chance?

Kritikern, die diesen Vorschlag vorschnell als „undenkbar“ abtun wollen oder die fehlende „soziale Komponente“ bemängeln werden, entgegnet Stelter: „(…) Ist es wirklich gerechter, das Geld dem Finanzsektor zu geben?“ Seine Antwort lautet Nein, stattdessen vermutet er ein ganz anderes Risiko: Sollten die Bürger tatsächlich plötzlich ein 10.000 Euro-Geschenk der EZB auf ihren Kontoauszügen finden, so könnte ihnen dadurch klarwerden, dass in unserem Geldsystem Geld wahrlich „aus dem Nichts“ erschaffen werden kann, so Stelter. In der Folge könnte das Vertrauen schwinden und die Rufe nach einer Reform der Geldordnung lauter werden. Fragt sich nur: Wäre das tatsächlich ein Risiko oder vielmehr sogar eine Chance?



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Kommentare

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Pfandbrief
07.09.14 12:51:20
Ich vermag nicht zu sehen, dass der Euro hier "das Problem" ist. Es gab und gibt Probleme mit dem Euro, die vor allem mit den unterschiedlichen gesamtwirtschaftlichen Sparraten im Euroraum zusammenhängen, aber ich sage Dir: hätten wir jetzt die D-Mark, wäre es nicht viel anders. Es ist das japanische Problem, die haben das seit 20 Jahren. Oder ist es überhaupt ein Problem? Das ist die eigentliche Frage! Kann man überhaupt erwarten, dass Volkswirtschaften, deren Bevölkerungen altern, und die konsumseitig eine hohe Sättigung erreicht haben, noch mit Raten wachsen, wie wir sie aus der Nachkriegszeit gewohnt waren?

Ich meine nein. Wir werden uns an einen neuen Normalzustand gewöhnen müssen, und der heißt Wachstum mit sehr geringen Raten, durchsetzt immer wieder von Rezessionen. Auch Draghi muss das erst lernen, bzw. weiß er es vielleicht, aber auch Draghi kann sich der öffentlichen Meinung nicht entziehen, und die lautet immer noch dass das was wir erleben ein Ausnahmezustand ist und nicht der neue Normalzustand, daher müsse man "etwas dagegen tun", und da die klassischen keynesianischen Fiskalpolitikmaßnahmen daran scheitern, dass die Märkte den Ländern nicht jede beliebige Verschuldung erlauben, muss die Notenbank ran und halt drucken.

Japan ist auf dem Weg schon wesentlich weiter als wir, dort haben sie es tatsächlich geschafft, Inflation ins System zu bringen. Es täte uns in Europa gut zu beobachten was da weiter passiert. Es wird sich nämlich meiner Ansicht nach zeigen, dass die Japaner nun statt Stagnation eine Stagflation bekommen, bei der sie real ebenso wenig wachsen, von kurzen Perioden abgesehen, aber gleichzeitig eine schleichende Geldentwertung haben. Und da sollten wir uns sehr genau überlegen ob wir da hinwollen, und vielleicht endlich mal aufhören, bei Inflationsraten zwischen 0 und 1 Prozent dauernd das "Deflationsgespenst" an die Wand zu malen.
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Mondbewohner
06.09.14 20:11:24
Da hst Du den wunden Punkt getroffen, selbst bei lediglich 1 Tsd Euro wären es noch 300 MRD.

Nach der volkswirtschaftlichen Theorie ist der Konsum auf die Ausbringungsmenge einer Volkswirtschaft beschränkt. Doch es liegt so viel auf Halde bzw. ist günstig produzierbar und wenn diese Güter plötzlich vom Markt geräumt werden ist da bloß ein neues Ungleichgewicht geschaffen worden und jedes Jahr Geld zu verschenken kann auch keine Lösung sein.

Die eigentlichen Probleme sind:

1. Euro

2. Euro

3. Euro

Es macht einfach keinen Sinn, Kostolany hat vor knapp dreißig Jahren davor gewarnt.

Der Euro ist der Preis für die Wiedervereinigung Deutschlands, das war ja eine glorreiche Idee der Franzosen, herzlichen Glückwunsch :keks:

Merkels Austeritätspolitik für die schwachen Euroländer verzögert den dauerhaften Transfer der positiven Handelsbilanz Deutschlands nur, es ist zwar aller Ehren wert (nein, eigentlich nicht) wenn sie versucht das Vermögen Deutschlands auf diese Weise zu bewahren doch wird sie es letztendlich nicht durchsetzen können und daher sollte sie nicht auf das was sowieso kommt reagieren sondern bereits jetzt antizipieren um den Schaden auf das bis jetzt schon Verlorene zu begrenzen, dem Draghi und den schwachen Eurostaaten sein Monopolygeld zur weiteren Entwertung überlassen und eine DM 2.0 einführen.

Jetzt kommt mir nicht wieder mit der Exportschwäche, die gab es bis 1999 auch nicht und wer dies als Argument sieht den Euro zu behalten ist von medialer Propaganda verblödet, wieso feiert sich Deutschland als Exportweltmeister obwohl es nichts weiter als Kapitalexport ins Ausland ist, Produkte die das Land verlassen und somit nicht den Deutschen zur Verfügung stehen.

Dann werden eben weniger BMW nach Südeuropa exportiert, es ist eine Illusion zu glauben so viele Leute könnten sich das wirklich leisten. Gehen wir lieber ehrlich mit der Realität um. Bei der geringen Produktivität kann sich eben nicht jeder so ein Auto leisten, sowohl Exporteur als auch Konsument lügen sich dabei selbst in die Tasche.

Es wird Zeit die Reißleine zu ziehen, immer mehr Menschen erkennen das und wenn Merkel es nicht macht wird es die AfD übernehmen.
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AlexanderBerg
06.09.14 18:09:19
Das System in dem wir leben, lebt im Kern von der Verschiebung der Verantwortung der Wertschöpfer (Esau) an die Kaufleute (Jakob). Dieser Vertrag wird mit "Geld" aufrechterhalten, was aufgrund des Zinseszinses (die Gier von der Gier) wird dieser Vertrag alle 60 bis 70 Jahre "aufgelöst" mit der einzigen Frage, die das System stellt: "Wollt ihr endlich Verantwortung tragen?".

Es ist mittlerweile bekannt, dass Geld als Schuld durch einen Kredit aus dem Nichts geschaffen wird.

Doch das Geldsystem ist nur eine Seite der Medaille, die sich in einem exponentiellen Verlauf befindet. Denn auf der anderen Seite der Medaille steht die rasch zunehmende Komplexität der Strukturen, die wir uns einst schufen, um unsere Lebensgrundlagen gewährleisten zu wollen. Umgangssprachlich nennen wir sie die Ökonomie.

Denn ursächlich ist mehrheitliches Denken und Handeln dazu bestrebt, etwas zum Essen, zum Trinken und ein Dach über dem Kopf zu haben!

Die Gesellschaft gewährleistet durch arbeitsteilige Wertschöpfung (Ökonomie) ihre Lebensgrundlagen, durch (normalerweise) sinnvollen (ökologisch) Umgang mit den natürlichen Ressourcen (Natur).

Zwischen beiden Teilsystemen reibt sich der Mensch selbst auf - zwei Mühlsteine.

Die zunehmende Komplexität in den Strukturen lässt sich dahingehen erklären, dass mit der Abgabe der Verantwortung sowohl die Vernunft wie auch der echte Lernprozess nahezu aufgegeben wurde. Und so die Mehrheit in einer Welt aus Dingen, Teilen und scheinbar unabhängig voneinander existierenden Problemen zu leben scheint. Probleme werden kollektiv toleriert symptomartig "gelöst", was jedoch zu weiterer Zunahme der Komplexität führt, bis das System zusammenbricht.

Was mehrheitlich (noch) fehlt ist das Denken und Handeln in dynamischen Zusammenhängen und Wechselwirkungen und damit verbundenes Umdenken von der Vorstellung nur hart genug gegen Symptome kämpfen zu wollen.
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daxhasser
04.09.14 00:17:06
Hi!Ich würde noch eine Maut auf Feldwegen einführen!!!und noch eine weitere Soli-Abgabe für den Dumm-Michel....LOL....LOL....LOL...
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mickefett
03.09.14 21:35:16
Dann braucht man keine "Abwrackprämie" mehr und der Effekt käme nicht nur der Autoindustrie zu Gute.

Disclaimer

EZB-Geldpolitik Ökonomen fordern: Überweist jedem EU-Bürger 10.000 Euro!

Der Einstieg der Europäischen Zentralbank ins „Quantitative Easing“, also dem Ankauf von Wertpapieren, scheint nur noch eine Frage der Zeit. Doch anstatt Geld in die Hand zu nehmen, um den Finanzsektor zu retten, sollte die EZB das Geld lieber direkt den Bürgern überweisen, findet Daniel Stelter.

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