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Saisonalitäten Wunderkerzen-Saison an der Börse

Gastautor: Dirk Heß
07.01.2016, 10:38  |  1058   |   |   

Geschichte wiederholt sich nicht. Aber es gibt zuweilen zyklische, sich wiederholende Muster. Das gilt auch für die Börse. Wer diese Muster kennt, kann manchmal davon profitieren. Eine Garantie gibt es aber nicht.

Das neue Jahr hat begonnen, der Sekt ist getrunken, die Silvester-Raketen abgeschossen. Wer jetzt noch Aktien von Wunderkerzen-Herstellern kaufen würde, wäre ziemlich spät dran. Oder viel zu früh. Je nach Betrachtungsweise. Auf jeden Fall ließe sich das Timing einer solchen Investition sicher optimieren. Denn wir sind zwar jedes Jahr aufs Neue überrascht wie schnell ein Jahr vergeht. Doch wenn wir einmal tief durchatmen und einen Schritt zurücktreten, erkennen wir: Das war im vergangenen Jahr genauso. Eigentlich sollte uns der Termin nicht mehr überrumpeln. Um beim Wunderkerzenbeispiel zu bleiben: Es wäre ein Leichtes, die Aktienkurse der betreffenden Hersteller zu analysieren. Vermutlich ließen sich bestimmte Muster herauslesen. Zum Beispiel bestünde eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die Kurse der jeweiligen Aktien im März, wenn die Wunderkerzen-Saison längst vorbei ist und die Hersteller ihre Verkaufszahlen präsentiert haben, erst einmal fallen – um dann ab September wieder langsam anzusteigen. Wer solch einen Zyklus für Investitionen nutzte, hätte eine gewisse Chance, an der Börse Geld zu verdienen.

Die Wunderkerzen sind natürlich nur ein sehr simples Beispiel für ein typisches Saisongeschäft. An der Börse solch leicht nachvollziehbare, reale Zusammenhänge zu finden, ist schon eine größere Herausforderung. Denn konjunkturelle Saisonalitäten sind meistens deutlich komplexer. Selbst in der Landwirtschaft, wo Saat- und Erntemonate fest stehen. Wetter, Schädlinge, Umweltkatastrophen oder politische Verwerfungen können Einfluss auf Angebot und Nachfrage und damit auf die Preisentwicklung haben. Wer hier erfolgreich anlegen will, muss also mit vielen Faktoren jonglieren.

Das gilt natürlich nicht nur für Agrar- sondern auch für andere Rohstoffe. Wer beispielsweise auf Preisbewegungen bei Öl, Kohle und Gas setzt, könnte auf die Idee kommen, dass im Winter mehr geheizt wird als im Sommer und deshalb die Preise für Energierohstoffe eher steigen. Für Europa mag das vielleicht gelten. In den USA ist jedoch traditionell in den Sommermonaten aufgrund der vielen Klimaanlagen der Energieverbrauch höher als im Winter. Zudem müssen Investoren auch ganz andere Faktoren im Blick behalten wie etwa Lagerbestände und die Nachfrage aus der Industrie. Sommer und Winter-Saisonalitäten spielen hier also nur eine untergeordnete Rolle in einem komplexen Preisfindungsmodell.

Auch der Aktienmarkt hat saisonale Muster – und seine speziellen Tücken. So sinken beispielsweise an den meisten Börsen im Herbst tendenziell die Kurse. Jahrestiefs fallen oftmals auf die Monate September oder Oktober. Glaubt man der Statistik, lassen sich von Mitte Oktober bis Mitte Mai leichter Gewinne mit Aktien erzielen. Aus dieser Beobachtung entstand wohl auch die „Sell in May“-Regel. Das Problem dabei: Analysen, die diese Regel stützen, liefern zwar Durchschnittwerte über Jahrzehnte hinweg. Betrachtet man einzelne Jahre und Monate, stößt man aber immer wieder auf teilweise eklatante Abweichungen.

Zyklische Phänomene sind auch am Devisenmarkt zu beobachten. So gewinnt der Euro gegenüber dem Dollar in den letzten anderthalb Monaten eines Jahres eher an Wert, um im Januar des Folgejahres wieder an Wert zu verlieren. Erklärungsversuche für dieses Phänomen gibt es einige. Doch vermutlich sind, wie so oft, viele Faktoren für die Kursbewegungen verantwortlich. Und auch hier gilt: Durchschnittswerte sagen nichts über aktuelle Entwicklungen aus.

Lässt sich also mit dem Wissen um Saisonalitäten Geld an der Börse verdienen? Das ist schwer zu beantworten. Denn es gilt für natürliche Phänomene genauso wie für Börsen-Phänomene: Man kann versuchen, zu erklären, warum sie in der Vergangenheit gehäuft auftraten. Eine Prognosesicherheit für die Zukunft gibt es aber nicht. Dazu ist das Leben viel zu komplex. Und die Börse sowieso: Seit die Notenbanken das Geschehen an den Finanzmärkten maßgeblich beeinflussen, ist manch alte Börsenregel mittlerweile völlig überholt. Nur eines ist sicher: Das Jahr endet auch dieses Mal am 31. Dezember. Der Eine oder Andere wird dann wieder eine Wunderkerze in der Hand halten und sich wundern. Schon wieder ein Jahr vorbei. Wie schnell das doch immer geht.

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Saisonalitäten Wunderkerzen-Saison an der Börse

Das neue Jahr hat begonnen, der Sekt ist getrunken, die Silvester-Raketen abgeschossen. Wer jetzt noch Aktien von Wunderkerzen-Herstellern kaufen würde, wäre ziemlich spät dran. Oder viel zu früh. Je nach Betrachtungsweise. Auf jeden Fall ließe sich das Timing einer solchen Investition sicher optimieren. Denn wir sind zwar jedes Jahr aufs Neue überrascht wie schnell ein Jahr vergeht. Doch wenn wir einmal tief durchatmen und einen Schritt zurücktreten, erkennen wir: Das war im vergangenen Jahr genauso. Eigentlich sollte uns der Termin nicht mehr überrumpeln. Um beim Wunderkerzenbeispiel zu bleiben: Es wäre ein Leichtes, die Aktienkurse der betreffenden Hersteller zu analysieren. Vermutlich ließen sich bestimmte Muster herauslesen. Zum Beispiel bestünde eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die Kurse der jeweiligen Aktien im März, wenn die Wunderkerzen-Saison längst vorbei ist und die Hersteller ihre Verkaufszahlen präsentiert haben, erst einmal fallen – um dann ab September wieder langsam anzusteigen. Wer solch einen Zyklus für Investitionen nutzte, hätte eine gewisse Chance, an der Börse Geld zu verdienen.

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