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Interview "Next Level": Mologen AG mit neuer strategischer Ausrichtung

28.09.2016, 08:28  |  4902   |   

wallstreet:online und www.4investors.de im Interview mit Dr. Mariola Söhngen, CEO Mologen AG, zu aktuellen Entwicklungen im Unternehmen und zur neuen Unternehmensstrategie.

MOLOGEN verfolgt unter dem Schlagwort „Next Level“ eine neue strategische Ausrichtung. Was hat zu der Entscheidung geführt, das Unternehmen neu auszurichten?

Söhngen: Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres haben wir uns intensiv mit der Überprüfung der bestehenden Produktpipeline beschäftigt und anhand der Ergebnisse die neue Unternehmensstrategie „Next Level“ festgelegt: Künftig werden wir uns auf die Weiterentwicklung unseres am weitesten fortgeschrittenen Hauptprodukts, der Immuntherapie Lefitolimod (MGN1703), sowie dessen Nachfolgemoleküle EnanDIM konzentrieren.

Wir werden die geplante Auslizenzierung von Lefitolimod (MGN1703) noch gezielter vorantreiben. Die Weiterentwicklung des Wirkstoffkandidaten MGN1601, einer zellbasierten therapeutischen Impfung gegen Nierenkrebs, wird zunächst zurückgestellt und soll z.B. bei erfolgreicher Auslizenzierung von Lefitolimod (MGN1703) fortgesetzt werden. Die Plattformtechnologie MIDGE werden wir samt aller Wirkstoffkandidaten verkaufen oder auslagern. Insgesamt macht uns die Neuausrichtung schlanker, flexibler und schlagkräftiger.

Sie wollen sich auf wenige Wirkstoffe konzentrieren. Einerseits schont das Ressourcen, andererseits ist das risikobehaftet, wenn die Projekte scheitern. Warum hat sich MOLOGEN für diesen Weg entschieden?

Söhngen: Durch „Next Level“ wollen wir uns vom primär forschenden hin zu einem in erster Linie produkt- und marktorientierten Unternehmen entwickeln. Die strategische Neuausrichtung sieht eine Anpassung der Organisationsstrukturen vor, die uns auf einen möglichen Markteintritt von Lefitolimod (MGN1703) vorbereiten soll. Dazu gehört unter anderem das Vorhalten ausreichender Produktionskapazitäten durch die Auslagerung der Produktion an externe Dienstleister, um den regulatorischen Vorgaben und Marktanforderungen gerecht zu werden.

Wie kommen Sie mit der Umsetzung der Strategie voran und ist ihr eigentlicher Zeitplan in Gefahr? Einige Maßnahmen waren ja schon bis zum Jahresende geplant.

Söhngen: Die Anpassung der Organisationsstrukturen wollen wir planmäßig bis zum Jahresende weitgehend abschließen. Die Auslagerung von Teilbereichen wie der Basisforschung oder der Produktion dauert länger, liegt aber im Zeitplan.

In den letzten Monaten hat es Veränderungen im MOLOGEN-Management gegeben. Ist dieser Veränderungsprozess abgeschlossen?

Söhngen: Mit dem aktuellen Team sind wir für die nächste Phase der Unternehmensentwicklung gut aufgestellt.

Welchen Einfluss hat „Next Level“ auf die Finanzierungsstrategie von MOLOGEN?

Söhngen: Unsere Finanzierungsstrategie wird weiterhin aus Refinanzierungen am Kapitalmarkt bestehen, die wir idealerweise mit Einnahmen aus Lizenz- und Partneringmaßnahmen kombinieren wollen. Die Studienfortschritte bei IMPALA und die erforderliche Produktionsausweitung erfordern einen höheren Finanzierungsbedarf. Gleichzeitig dürften wir aber von variableren Kosten und Einsparungen im Personalbereich profitieren. Die Neuausrichtung sorgt für mehr Transparenz und zeigt, wofür MOLOGEN in der nahen Zukunft steht und welches seine Wertetreiber sind.

Welche Summe benötigt MOLOGEN, um die geplanten strategischen Maßnahmen und nächsten Entwicklungsschritte bei den Medikamentenprojekten durchzuführen?

Mit der kürzlich angekündigten Kapitalerhöhung und der zusätzlichen Begebung einer Wandelschuldverschreibung streben wir einen Mittelzufluss in Höhe von rund 16 Millionen Euro an. Diese Mittel sollen für die weitere Umsetzung des Strategieprogramms „Next Level“ verwendet werden. Das Strategieprogramm umfasst die Konzentration der Entwicklungstätigkeiten auf das Hauptprodukt, die Immuntherapie Lefitolimod (MGN1703), und die Nachfolgemoleküle EnanDIM. Wir wollen in die weitere Entwicklung der laufenden klinischen Studien von Lefitolimod (MGN 1703) investieren: Eine Phase-III-Zulassungsstudie für Darmkrebs, eine Phase-II-Studie für kleinzelligen Lungenkrebs, eine Phase-I-Frühphasenstudie für HIV und eine Phase-I-Frühphasenstudie für fortgeschrittene solide Tumore als Kombinationsstudie mit dem MD Andersen Cancer Center, USA. Für zwei der genannten Studien erwarten wir Daten in 2017, darüber hinaus können wir die Rekrutierung der Phase-III-Studie IMPALA in Darmkrebs abschließen.

Können Sie die angesprochenen Kapitalmaßnahmen erläutern?

Söhngen: Die Kapitalerhöhung und die Ausgabe der Wandelschuldverschreibung sollen den Finanzbedarf für die Umsetzung der neuen Strategie und die Weiterentwicklung der Pipeline decken. Im Rahmen der Kapitalerhöhung gegen Bareinlage planen wir die Ausgabe von rund 11,3 Millionen neuer Aktien zu einem Bezugspreis von 1,20 Euro. Hinzu kommt die Begebung einer Wandelschuldverschreibung mit einem Gesamtnennwert von 2,54 Millionen Euro. Unser größter Aktionär hat bereits verbindlich zugesagt, seine Bezugsrechte proportional zur Gesamtzeichnung der Kapitalmaßnahme auszuüben. Zusätzlich hat er von MOLOGEN das Recht erhalten, bis zu 1 Million weitere neue Aktien im Rahmen eines „Überbezugs“ von nicht bezogenen neuen Aktien zu erhalten. Besonders freut uns zudem, dass wir einen neuen internationalen Großinvestor gewinnen konnten: Die chinesische Unternehmensgruppe TowerCrest wird bis zu 3,4 Millionen nicht bezogene neue Aktien im Rahmen der internationalen Privatplatzierung erwerben. Bei einer Vollplatzierung der Kapitalerhöhung würde TowerCrest circa 10 Prozent am Grundkapital der MOLOGEN AG halten.

Haben sie Alternativen zur Kapitalerhöhung aus genehmigtem Kapital ins Auge gefasst und was gab letztlich den Ausschlag für die Entscheidung zur Kapitalerhöhung?

Söhngen: Die Hauptversammlung hat der Gesellschaft die Genehmigungen für ein entsprechendes genehmigtes und bedingtes Kapital gegeben. Damit sind wir in der Lage, eben diese Kapitalia zu Refinanzierungszwecken auszunutzen. Auf diese Weise wird die Verwässerung der Aktionäre auch geringer gehalten.

Warum verfolgt MOLOGEN den Ansatz der kleinen Schritte bei der Finanzierung?

Söhngen: Eine Verwässerung der Altaktionäre im Rahmen einer Refinanzierung ist immer ein großes Thema. Das Management muss viele „Stakeholderinteressen“ berücksichtigen. Im vorliegenden Fall hat sich die von uns gewählte Maßnahme unter Berücksichtigung aller Aspekte als die zielführendste herauskristallisiert, auch wenn wir als Management uns natürlich einen größeren Mittelzufluss im ersten Schritt gewünscht hätten.

Wie lange wird die Liquidität nach der Kapitalerhöhung reichen, wenn diese voll platziert werden kann?

Söhngen: Bei vollständiger Platzierung der neuen Aktien aus der Kapitalerhöhung sowie der Begebung der Wandelschuldverschreibung und ohne weitere Maßnahmen bzw. Zuflüsse aus Partnering/Lizensierung wäre MOLOGEN voraussichtlich bis ins vierte Quartal 2017 refinanziert.

MOLOGEN hat angekündigt, verstärkt mit möglichen Partnern sprechen zu wollen. Für welche Projekte werden vor allem Partner gesucht?

Söhngen: Hier steht unser Hauptprodukt Lefitolimod im Fokus. Wir sind aber auch offen für Gespräche im Hinblick auf unsere anderen Produktkandidaten.

Werden aktuell Verhandlungen geführt und gibt es für die Partnersuche einen Zeitplan?

Söhngen: Zum Stand der Verhandlungen und zum Prozess allgemein können wir derzeit keine Angaben machen. Doch werden wir den Markt zeitnah informieren.

Eine abschließende Frage: First Berlin rechnet für das Jahr 2018 mit schwarzen Zahlen bei MOLOGEN. Gehen sie da mit den Analysten konform?

Söhngen: Wie Sie wissen, können wir als börsennotiertes Unternehmen keine zukunftsgerichteten Aussagen zu diesem Thema machen. 

Wertpapier: Mologen


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