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Vorsicht vor Börsenweisheiten zum US-Wahljahr

Gastautor: Sven Weisenhaus
28.09.2016, 10:09  |  482   |   |   

Eingeläutet wurde die heiße Phase im Wahlkampf mit dem ersten TV-Duell der beiden US-Präsidentschaftsbewerber. Für die Börse scheint es dabei nur einen wünschenswerten Sieger zu geben: Hillary Clinton. Als Erleichterung deuten kann man nämlich die Reaktion der Börsen auf das Duell: Während sichere Häfen, wie Anleihen, Gold oder der Yen nachgaben, legten Risikoanlagen, wie Aktien danach zu.

Die Börsen hassen Unsicherheiten

Dass die erfahrene Politikerin Clinton berechenbarer erscheint, als der Politneuling Trump, ist nicht nur der Grund für die ersten Marktreaktionen. Dass auf einen Gewinn der amtsführenden Partei - im aktuellen Fall der Demokratischen Partei - ein positiver Aktienmarktverlauf folgte, war in der Vergangenheit oft. Nachgerechnet hat dies zumindest das MFS Investment Management aus Boston für alle Wahljahre im Zeitraum von 1900 bis 2012.

Insgesamt spielte es demnach keine Rolle, ob die Demokraten oder die Republikaner am Ruder waren. Wenn die amtsführende Partei auch den nächsten Präsidenten stellte, legte der Dow-Jones-Index im jeweiligen Wahljahr im Durchschnitt um 14,6 Prozent zu. Verlor die amtsführende Partei, gab es im Durchschnitt ein Minus von 4,4 Prozent.

Der Grund für dieses Phänomen dürfte sein, dass die Börsen Unsicherheiten verabscheuen. Und wenn das wichtigste politische Amt zumindest in der Hand der gleichen Partei bleibt, ist die Chance auf Kontinuität in der Politik einfach höher.

Die Parteizugehörigkeit des US-Präsidenten

Auch eine Studie des Kölner Bankhauses Sal. Oppenheim kommt zu dem Ergebnis, dass die Parteizugehörigkeit des US-Präsidenten nicht entscheidend für die Aktienmarktentwicklung ist. Dazu wurden die Ergebnisse sämtlicher US-Präsidentschaftswahlen seit dem 2. Weltkrieg und die Entwicklung des US-Aktienmarktes unter den verschiedenen Amtsinhabern analysiert. Und demnach sind Faktoren wie beispielsweise Finanzmarktschocks, Veränderungen bei Produktivität oder Rohstoffpreisen sowie das internationale Umfeld deutlich wichtiger als die Parteizugehörigkeit des US-Präsidenten.

Zwar legte der S&P 500 unter Demokraten im Jahresdurchschnitt um 10,7 Prozent zu, während er unter Republikanern um lediglich 4,8 Prozent kletterte, doch lag dies nach der Analyse von Sal. Oppenheim eher an den großen Krisen, die eher zufällig in die Regierungszeit republikanischer Amtsinhaber fielen. Bereinigt man die Betrachtung um Krisen-Zeiträume, verringert sich der Vorsprung unter Demokraten auf nur noch rund einen Prozentpunkt.

Die Aktienmarktperformance in den US-Wahljahren

Sal. Oppenheim mahnt daher zur Vorsicht vor populären Börsenweisheiten rund um die US-Wahlen. Das gilt auch für die Aktienmarktperformance. Blickt man auf den durchschnittlichen Kursverlauf des Dow Jones in US-Wahljahren seit 1900, so erkennt man insbesondere in der jeweils zweiten Jahreshälfte einen bullishen Verlauf.

Dow Jones - durchschnittlicher Kursverlauf in US-Wahljahren

Doch die mittlere jährliche Kursentwicklung des S&P 500 seit dem Jahr 1948 liegt im Gesamtzeitraum bei 8,6 Prozent, in Wahljahren hingegen nur bei 6,1 Prozent. Wahljahre sind also keineswegs besonders starke Aktienjahre.

Im laufenden Jahr erkennt man zwar durchaus Parallelen zum durchschnittlichen Kursverlauf in Wahljahren. So sehen wir die typischen Kursverluste zum Jahresauftakt, eine deutliche Erholung im März, eine erneute Schwäche von April bis Juni, gefolgt von Gewinnen im Juli/August.

Dow Jones - bisheriger Kursverlauf in 2016

Dennoch scheint sich die Kursstärke des Dow Jones dieses Mal auf das erste Halbjahr verlagert zu haben. Insofern könnte die Jahresendrally, die in durchschnittlichen US-Wahljahren besonders stark verläuft, dieses Mal deutlich schwächer ausfallen.

Besonders schlecht stehen die Chancen für den DAX 

Für den DAX, der sich häufig die US-Indizes zum Vorbild nimmt, könnte dies zu einem verheerenden Jahresausklang führen. Denn er neigt in US-Wahljahren im Herbst ohnehin zu einer besonders starken Schwäche:

saisonaler Kursverlauf des DAX in US-Wahljahren

Wenn also die Jahresendrally in den US-Indizes unterdurchschnittlich verläuft, dürfte dem DAX in diesem Zeitraum maximal eine Bodenbildung gelingen.

Im DAX hielt der positive TV-Duell-Effekt nur kurz an

Vor diesem Hintergrund verwundert es auch kaum, dass der DAX heute nur sehr kurz vom positiven Effekt des TV-Duells profitieren konnte. Er startete zwar mit einer Aufwärtslücke in den Tag, doch gleich nach Handelsbeginn drängten die Bären den Index in die Abwärtsbewegung zurück, die seit dem Erreichen der rot gestrichelten Konsolidierungslinie eingesetzt hat (roter Pfeil im Chart).

DAX - Target-Trend-Analyse

An den ersten beiden Handelstagen der laufenden Woche hat der DAX damit dynamische Kursverluste hinnehmen müssen. Dadurch wurde inzwischen die untere Linie des (grünen) Aufwärtstrendkanals angesteuert (grüner Pfeil). Die Herbstschwäche, vor der hier an dieser Stelle frühzeitig gewarnt wurde, geht damit in die nächste Runde.

Und wenn bald der Aufwärtstrend bricht und dann auch noch die obere (dicke rote) Linie des ehemaligen Abwärtstrendkanals unterschritten wird, könnte dies den typischen Rücksetzer einleiten, der aus den saisonalen und zyklischen Kursmustern zu erwarten ist.

Sollte der Dow Jones allerdings seine aktuelle Schwäche abschütteln können und weiter dem saisonalen Verlauf folgen, wonach es ab Anfang Oktober bis zu den diesjährigen Wahlen im November zu dynamisch steigenden Kursen kommt, dann könnte der DAX seinen (grünen) Aufwärtstrend mit dem aktuellen Test (grüner Pfeil) bestätigen und fortsetzen.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

(Quelle: www.stockstreet.de)

Wertpapier: DAX


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Sven Weisenhaus ist seit Trader und Börsenexperte. Seine Erfahrungenund Analysen veröffentlicht er als Redakteur in verschiedenen Börsenpublikationen. Unter anderem veröffentlicht er seit Dezember 2012 den kostenlosen Börsendienst "Geldanlage-Brief". Zudem gehört er seit einigen Jahren zum Team von Stockstreet.de und schreibt dort seit Anfang 2016 für den kostenlosen Börsendienst "Börse - Intern".

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