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Die fetten Jahre sind vorbei

Gastautor: Daniel Saurenz
28.09.2016, 11:00  |  510   |   |   

Börse_Frankfurt_DAXDie Allianz hat die siebte Ausgabe ihres „Global Wealth Reports“ vorgestellt, der die Vermögens- und Schuldenlage der privaten Haushalte in über 50 Ländern analysiert. Danach scheinen die „fetten“ Jahre im Vermögenswachstum erst einmal der Vergangenheit anzugehören: 2015 erzielte das globale Brutto-Geldvermögen der privaten Haushalte mit 4,9% eine Zuwachsrate, die nur noch knapp über der Wachstumsrate der allgemeinen Wirtschaftstätigkeit lag. Wir haben uns den Report angeschaut…

In den drei Jahren zuvor war das Vermögen  mit im Schnitt 9%  rund doppelt so schnell gewachsen. „Für die Sparer wird die Frage nach der richtigen Vermögensanlage immer schwieriger“, sagte Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz. „Offensichtlich verliert die extrem expansive Geldpolitik auch als Treiber der Wertpapierpreise langsam an Wirkung. Ein wichtiger Faktor des Vermögenswachstums der letzten Jahre fällt damit weg. Gleichzeitig rutschen die Zinsen immer tiefer, bis weit in den negativen Bereich. Die Sparer befinden sich in einem echten Dilemma.“

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Vermögen in den Industrieländern wächst langsamer

Balda_Blick_in_die_Fertigung_USA_RGBVom Rückgang des Vermögenswachstums waren vor allem Westeuropa, die USA und Japan betroffen: In Westeuropa (3,2%) und den USA (2,4%) reduzierte sich 2015 die Zuwachsrate gegenüber 2014 auf weniger als die Hälfte. Am anderen Ende der Skala steht die Region Asien (ex Japan) mit einem Zuwachs von 14,8%. Der Abstand zum Rest der Welt wird dabei immer größer. Dies gilt auch im Verhältnis zu den beiden anderen aufstrebenden Regionen, Lateinamerika und Osteuropa, die im Mittel nur noch halb so schnell wie Asien wachsen.

Die Zeiten, in denen sie in etwa mit dem Tempo der Asiaten mithalten konnten, sind lange vorbei. Von den insgesamt EUR 155 Billionen weltweiten Brutto-Geldvermögens entfallen inzwischen 18,5% auf die Region Asien (ex Japan), die ihren Anteil damit seit Beginn des neuen Jahrtausends mehr als verdreifachen konnte und auch am Euroraum (14,2%) vorbeigezogen ist.

Regional sehr unterschiedliches Schuldenwachstum

wealthreportMit 4,5% wuchsen die Verbindlichkeiten der privaten Haushalte 2015 im selben Tempo wie im Vorjahr. Insgesamt lagen die privaten Schulden Ende des Jahres bei EUR 38,6 Billionen und damit gut ein Viertel über dem Wert vor Ausbruch der großen Finanzkrise. Die Entwicklung in den einzelnen Regionen verlief dabei allerdings sehr unterschiedlich: In Asien (ex Japan) beschleunigte sich das Schuldenwachstum. In einigen Ländern wie Südkorea oder Malaysia liegen die Schuldenstandsquoten der privaten Haushalte mittlerweile auf einem Niveau wie in den USA, Irland oder Spanien kurz vor dem Platzen der Immobilienblase. In Lateinamerika und Osteuropa dagegen verlangsamte sich – bedingt durch die Krise der großen Volkswirtschaften in diesen Regionen – das Wachstum der Schulden deutlich.

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In Nordamerika und Westeuropa schließlich war kaum eine Veränderung zu erkennen, die Verbindlichkeiten kletterten nur sehr moderat – und damit im sechsten Jahr in Folge langsamer als die Wirtschaftsleistung. In Summe agierten die privaten Haushalte bei der Schuldenaufnahme also weiterhin sehr vorsichtig; in vielen Ländern Westeuropas setzte sich auch 2015 der Abbau von Schulden fort. „Nur sehr wenige Haushalte scheinen offenbar den Verlockungen der Niedrigzinsen zu erliegen und ihre Nachfrage auf Pump zu erhöhen“, kommentierte Heise. „In ihrer Mehrzahl verhalten sich die privaten Haushalte ökonomisch vernünftig – und damit entgegen den Intentionen der Zentralbanken, die mit ihrer aggressiven Zinspolitik ja gerade die Nachfrage ankurbeln wollen. Für die privaten Haushalte steht aber der notwendige Schuldenabbau nach den Übertreibungen der Finanzkrise im Vordergrund.“

Zinsen_geldpaket_50_euroDa 2015 weltweit Vermögen und Schulden nahezu im Gleichschritt wuchsen, legte auch das globale Netto-Geldvermögen, die Differenz von Brutto-Geldvermögen und Verbindlichkeiten, mit etwa derselben Rate zu: Das Plus belief sich auf 5,1% gegenüber dem Vorjahr. In den drei Jahren zuvor war das Netto-Geldvermögen hingegen noch durchgängig zweistellig gewachsen.

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In Deutschland wuchs das Brutto-Geldvermögen im vergangenen Jahr um 4,6% und damit mehr als doppelt so schnell wie die privaten Verbindlichkeiten (+2,2%). Daraus resultiert ein kräftiger Anstieg des Netto-Geldvermögens um 5,7%, der in Europa nur von Dänemark und Schweden und im Euroraum nur von Irland übertroffen wird. Hohe Sparleistungen und strikte Schuldendisziplin – die deutsche Schuldenstandsquote ist hinter Österreich die zweitniedrigste in Europa – machen sich bezahlt.

Deutschland nur auf Platz 18

Dies ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass Deutschland in der Rangliste der 20 reichsten Länder weiterhin enttäuschend abschneidet: Mit Blick auf das Netto-Vermögen kommt Deutschland auf den 18. Platz, beim Brutto-Vermögen fiel es gar auf Platz 20 zurück. Die weitgehend fehlende Kapitaldeckung der Rentenansprüche rächt sich in der Vermögensstatistik. Auch Frankreich und Italien beispielsweise sind in den letzten Jahren deutlich abgerutscht und stehen jetzt ähnlich schlecht da.

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schweizDominiert wird die Rangliste – neben den unangefochtenen Spitzenreitern Schweiz und USA – in jüngster Zeit von skandinavischen und asiatischen Ländern. Beim Brutto-Geldvermögen steht inzwischen sogar nur noch ein Euroland unter den Top 10: die Niederlande. Dies ist sicherlich kein Zufall. Die Niederlande verfügen weltweit über eines der besten Pensionssysteme, in dem die für den systematischen Vermögensaufbau in der Breite der Bevölkerung bedeutende betriebliche Altersvorsorge eine große Rolle spielt.

Vorsichtige Anlagestrategie kostet 200 Mrd. Euro

Der Vergleich der realen Vermögensrenditen im Euroraum in den letzten vier Jahren zeigt, dass Deutschland neben Österreich am schlechtesten abschneidet. Während die reale Rendite in Deutschland für diesen Zeitraum bei 2,3% lag, erreichen Italien und Spanien Renditen von deutlich über 4%; auch in Frankreich ist sie mit 3,6% wesentlich höher. Die Begründung liegt in dem vorsichtigen Sparverhalten der deutschen Haushalte. Die Kosten dieses Verhaltens zeigt eine einfache Simulationsrechnung. Die deutschen Haushalte haben in den letzten vier Jahren etwa 40% ihres Geldvermögens mit Verlust bei den Banken geparkt. Die reale Rendite dieser Anlage betrug im Durchschnitt dieser Jahre minus 0,4%.

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Frankfurt_BörseHätten die Deutschen nur 30% in Bankeinlagen gehalten und die so frei gewordenen 10% ihrer Mittel je zur Hälfte auf Aktien und Investmentfonds verteilt, wäre die Vermögensrendite in diesem Zeitraum um nahezu einen vollen Prozentpunkt höher ausgefallen. Die deutschen Haushalte hätten damit zusätzliche Vermögenseinnahmen von rund 200 Mrd. Euro erzielen können. „Hinterher ist man natürlich immer schlauer, aber dass Zeiten extremer Geldpolitik mit negativen Zinsen auch Anpassungen im Anlageverhalten erfordern, ist evident“, kommentierte Heise.

„Alte Gewissheiten gelten heute nicht mehr: Vermeintlich sichere Anlagen wie Bundesanleihen sind nicht mehr sicher, sie gefährden vielmehr den Vermögensaufbau. Gleichzeitig nehmen in dem Maße, wie die Geldpolitik ihre Mittel immer mehr ausreizt, die Risiken zu und die Märkte werden immer volatiler. Viele Sparer dürfte auf sich allein gestellt mit diesen Herausforderungen überfordert sein. Neue Sparkonzepte und Vermögenslösungen sind notwendig – dies ist eine Aufgabe, die Finanzindustrie und Politik gemeinsam angehen sollten. Vor allem die Politik sollte jetzt den Sparern nicht noch weitere Belastungen auferlegen, sondern die Rahmenbedingungen für langfristiges Sparen verbessern.“

Unsere Webinare:

Mittwoch, 28.09, 18 Uhr: Die Finanzmarktrunde – Hier gehts zur Anmeldung…

Donnerstag, 29.09, 18.30 Uhr: OpernTurm live – Hier gehts zur Anmeldung…

Morgen gehts weiter mit dem zweiten Teil des Allianz Reports…

Quelle: Allianz Global Wealth Report



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Der ehemalige FTD-Redakteur und Börse Online-Urgestein Daniel Saurenz hat zusammen mit Benjamin Feingold das Investmentportal „Feingold Research“ gegründet. Dort präsentieren die beiden Börsianer und Journalisten ihre Markteinschätzungen, Perspektiven und Strategien samt Produktempfehlungen. Im strategischen Musterdepot werden die eigenen Ideen mit cleveren und meist etwas „anderen“ Produkten umgesetzt und für alle Leser und aktiven Anleger verständlich erläutert. Weitere Informationen: Feingold Research.

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