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DAX DAX: es wird Zeit für neue Jahreshochs, andernfalls…

Gastautor: Jens Klatt
07.10.2016, 15:02  |  2361   |   |   

(JK-Trading.com) – Der DAX bereitet mehr und mehr Bauchschmerzen. Sollte es in der kommenden Woche nicht für neue Jahreshochs reichen, ist sehr realistisch, dass sich der deutsche Leitindex schon ziemlich bald die 10.000er Marke von unten betrachtet.

 

Rein charttechnisch ist auf Tagesbasis eigentlich noch alles in bester Ordnung, nach dem Kursanstieg von rund 18% im Anschluss an den BREXIT-Ausverkauf ließe sich von einer ausgeprägten Konsolidierung auf höherem Niveau sprechen und bei einem Bruch über 10.800 Punkte wäre mit Anschlusskäufen deutlich über 11.000 Punkte bis in den Bereich um 11.400 Punkte zu rechnen.

 

Was allerdings bei Betrachtung des Tagescharts auch auffällt ist die sich abzeichnende Sequenz fallender Hochs und Tiefs, die nur ein Optimist als potentielle Bullen-Flagge identifizieren dürfte:

 

Chart erstellt mit Go.Guidants

 

Der Pessimist bezieht hier wohl auch fundamentale Gründe und jene Gerüchte besonders um die Deutsche Bank mit ein, die dafür gesorgt haben, dass es noch zu keinem Rutsch unter die 10.000er Marke gereicht haben dürfte, sprich: signifikant tieferen Tiefs.

 

Fakt ist nämlich, dass der DAX sich nur deswegen auf recht hohem Niveau stabilisieren kann, weil seit Tagen die wildesten, aber unbestätigten Gerüchte über den Ticker laufen, dass die Deutsche Bank kurz vor ihrer Rettung steht.

 

Dort liest man über eine angebliche Einigung der Deutschen Bank mit dem US-Justizministerium (obwohl von offizieller verkündet wurde, dass noch gar keine Gespräche stattgefunden haben), über Verhandlungen zwischen der Regierung und dem US-Justizministerium (ebenfalls seitens der Bundesregierung dementiert) oder auch über einen Zusammenschluss deutscher Unternehmen, die zu einer großangelegten Rettungs-Offensive der Deutschen Bank über Kapitalspritzen bereit wären (ebenfalls nicht bestätigt).

 

Was all diesen Meldungen innewohnt ist die Meldung, dass sich die Deutsche Bank wohl kaum ohne externe Hilfe und eine Liquiditätsspritze (bspw. durch eine Kapitalerhöhung?) auf den Beinen halten können wird.

 

So sollte in meinen Augen früher oder später ein realer, fundamentaler Treiber gefunden werden, besonders im Hinblick auf die Deutsche Bank, um die Stabilisierung im DAX auf hohem Niveau zu untermauern, nur Gerüchte werden dort mittelfristig nicht viel bringen.

 

Gleiches gilt auch in Bezug auf einen harten BREXIT, welcher sich abzeichnet: der Kurssturz im britischen Pfund in den frühen Morgenstunden am Freitag finden ihre Hauptursache sicherlich in technischer Hinsicht (Stichwort: „Flash Crash“, Details HIER)

 

Dass diese Übertreibung aber in den Folgestunden nicht zu einer Gegenbewegung auf das vorherige Kursniveau um 1,2600 im GBP/USD geführt hat, deutet allerdings klar darauf hin, dass die Kapitalabflüsse aus Großbritannien anhalten dürften, sich mehr und mehr Investoren zurückziehen und somit kaum willige Käufer für Pfund Sterling zu finden sein dürften.

 

Neben dieser Unsicherheit sind hier auch die für Deutschland negativen Auswirkungen aus Export-technischer Sicht hervorzuheben, die nur durch einen schwächeren Euro konterkariert werden dürfte.

 

Hier lautet die Frage dann allerdings: hat die EZB noch ausreichend Munition trocken liegen und Vertrauen seitens der Marktteilnehmer, dass sie den Euro stark genug wird abwerten können um in Deutschland eine Rezession abzuwenden?

 

Und dann ist dort noch die US-Präsidentschaftswahl: es ist weiter davon auszugehen, dass die Marktteilnehmer eine Wahl Trumps unzureichend eingepreist haben dürften. Grob und plump gesprochen wäre eine Wahl Clintons für den Aktienmarkt sicherlich positiver zu werten, eine Wahl Trumps birgt sehr viel Unsicherheitspotential und Sorgen, besonders in geopolitischer Hinsicht.

 

Und was ist mit weiteren Zinsschritten der FED im Dezember? Die NFPs haben am Freitag die Erwartung des Marktes nicht erfüllen können, im September wurden 156.000 neue Stellen ex-Agrar geschaffen, erwartet wurden 165.000, die Arbeitslosenquote tickte leicht aufwärts, liegt nun bei 5,0%.

 

Doch die Gefahr einer restriktiven Haltung der FED, auch in 2017 schwebt wie ein Damokles-Schwert über dem Markt und ein empfindlicher Rücksetzer am US-Aktienmarkt mit Aussicht auf ein Versiegen des billigen Notenbankgeldes, zumindest seitens der FED, scheint unausweichlich.

 

Vielleicht ist es vor dem Hintergrund dieser einzelnen, beunruhigenden Szenarien tatsächlich so, wie Kostolany einmal sagte:

 

„Kaufen Sie, wenn die Kanonen donnern.“

 

Doch um mich hiervon zu überzeugen, bedarf es neuer Jahreshochs im DAX, sprich eines Laufs über 10.800 Punkte – und das möglichst zügig.

 

Andernfalls sehe ich einen zeitnahen Rutsch im DAX unter die 10.200er Marke, somit die Aktivierung des psychologisch wichtigen 10.000er Levels und bei einem Fall unter dieses Niveau mit ausreichend Risikoaversion der Marktteilnehmer sogar einen Rutsch in Richtung der Post-BREXIT-Tiefs um 9.100 Punkte in den kommenden Wochen.

 

Analyse geschrieben von Jens Klatt, Geschäftsführer von Jens Klatt Trading, exklusiv für JFD Brokers

 

 

 

Wertpapier: DAX, GBP/USD


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Jens Klatt ist Gründer und Geschäftsführer von Jens Klatt Trading (www.jk-trading.com). Dort findet der Trading-Interessierte Marktnachrichten und Analysen, alles rund um das Thema Trading-Ausbildung. Zudem fungiert Jens Klatt als Vermögensverwalter und Trader. 

Er ist Autor des deutschsprachigen Trading-Bestsellers "Forex-Trading: Grundlagen, Strategien und Methoden für den erfolgreichen Devisen-Trader" und seit mehr als 10 Jahren als Analyst und Trader in der Finanzbranche tätig.

Klatt hat nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann Mathematik und Volkswirtschaftslehre studiert und währenddessen den Börsenhandel von der Pike auf bei einem großen Börsenmakler erlernt. Ausgehend von seiner langjährigen Expertise an den Finanz- und besonders Devisenmärkten ist er zudem ein gern gesehener Interview-Gast im deutschen Fernsehen (N24, DAF, etc.).

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