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BP, Total – Preise von 0 Dollar als Vision

Gastautor: Daniel Saurenz
17.10.2016, 07:00  |  742   |   |   

Rohstoffe_Öl_TankstelleWer Visionen hat, sollte besser zum Arzt gehen, so sagte einmal Helmut Schmidt. Visionen hatten im Frühjahr viele Analysten, wenn es um den Ölpreis ging. Morgan Stanley hielt 20 Dollar je Barrel für möglich, Dennis Gartman 15 Dollar, und Standard Chartered hatte sogar 10 Dollar ausgerufen.Dem allen setzte aber Energiefachfrau Gail Tverberg in ihrem Blog “Our Finite World” die Krone auf: Sie wies darauf hin, dass selbst ein Ölpreis von unter null denkbar sei. Genau dieses Umfeld war es – gemeinsam mit einem sehr niedrigen Kursziel von Goldman Sachs – das exakt der Wendepunkt am Markt war. Wie so oft waren Volatilität und Psychologie weitaus bessere Taktgeber und Preisindikatoren als Kursziele von Analysten. Mittlerweile liegt Öl bei rund 50 Dollar – wir wagen eine Bestandsanalyse.

Der Ölpreis ist kräftig auf dem Weg nach oben. Daher steigen die Investoren wieder bei den Ölmultis, wie Total und BP ein, zumal die Aktien mit guten Dividendenrenditen überzeugen. Dabei läuft in dem Umfeld ein Segment sogar noch besser als die Papiere der Multis. Für die deutliche Stimmungsaufhellung bei Investoren hat gesorgt, dass sich die OPEC auf dem Treffen in Algier auf eine Kürzung der Förderung geeinigt hat. Die genauen Details des Deals sollen auf dem OPEC-Treffen am 30. November in Wien festgezurrt werden.

Bei Brent und WTI sind aus unserer Sicht Spekulationen auf seitwärts tendierende Kurse interessant. Wir haben dazu zwei Inline-Optionsscheine in unsere Auswahl aufgenommen. Die WKNs lauten SE58C5 und SE58D9. Zusätzlich haben wir den Brent Crude Oil Future (ICE) Inline Optionsschein mit der WKN DL2XSZ herausgesucht. Bei den Produzenten empfehlen wir das Duo Memory Express Zertifkat auf Total and Royal Dutch Shell mit der WKN SG9Y5G. Weitere interessante Investmentideen und Produkte finden Sie beinahe täglich frisch in unserer ISIN-Liste oder unserem Favoritendepot.

Brent auf ein Jahr

Brent auf ein Jahr

Die OPEC strebt eine Kürzung der Förderung auf 32,5 bis 33 Millionen Barrel pro Tag an, nachdem die Produktion von August auf September von 33,5 auf 33,75 Millionen Barrel gestiegen war. Bleibt die Frage, welche der Länder tatsächlich die Förderung kürzen werden. Nigeria und Libyen haben ebenso wie der Iran bereits angekündigt, dass sie ihre Förderung steigern wollen. Die Saudis hätten zwar mit einer Reduktion um rund 0,5 Mio. Barrel im vierten Quartal wahrscheinlich kein großes Problem, weil die heimische Nachfrage nach Öl wegen der sinkenden Nachfrage nach Strom für den Betrieb von Klimaanlagen aus saisonalen Gründen ohnehin sinkt.

Eine nützliche Realtime Übersicht der Ölpreise und weiterer Rohstoffe finden Sie hier

Sollten die anderen Länder aber ihre Produktion tatsächlich noch weiter steigern, müssten vor allem die Saudis ihre entsprechend stärker kürzen, was den Saudis angesichts der wirtschaftlichen Probleme und der desolaten Haushaltslage nicht leicht fallen dürfte. Nichts desto trotz könnte die Aussicht, dass sich die OPEC auf die Details einigen könnte, den Ölpreis weiter beflügeln, zumal Venezuela bereits spekuliert hat, dass sich etliche Nicht-OPEC-Länder dem Deal anschließend könnten und ihrerseits die Förderung um 0,5 Millionen Barrel drosseln könnten. Damit könne das weltweite Angebot um insgesamt 1,2 Millionen Barrel pro Tag sinken, was laut dem Ölminister Venezuelas die Preise um 10 bis 15 Dollar je Barrel nach oben treiben würde.

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Total_Presse_1Mit dem Preisanstieg hellen sich die Perspektiven der Ölfirmen allmählich auf. Sie haben in den vergangenen Jahren kräftig auf die Kosten- und Investitionsbremse gedrückt. Mitte September hat der französische Ölriese Total angekündigt, dass er die Kosten weiter reduzieren wird. „ Dennoch soll die Öl- und Gasförderung bis 2020 um fünf Prozent pro Jahr steigen und anschließend um ein bis zwei Prozent jährlich wachsen. Die Entscheidung von Vorstandschef Patrick Pouyanné ist mehr als verständlich, reichen doch die bisherigen Ölpreise nicht aus, damit Total – ebenso wie viele andere Unternehmen -aus dem Cash Flow die Investitionen und die Dividenden zahlen kann, ohne neue Schulden machen zu müssen.

So strebt Total an, dass 2017 ein Ölpreis für die Nordseesorte Brent von 55 Dollar ausreicht, damit der Cash Flow die Investitionen und die Ausschüttungen an die Aktionäre finanziert. Der englische Wettbewerber BP peilt einen Wert von 50 bis 55 Dollar an. In dem Umfeld steigender Ölpreise sind die Aktien der Multis daher wieder gefragt, zumal sie über eine hohe Dividendenrendite verfügen. So liegt jene für BP bei 6,5 Prozent und jene von Total bei 5,6 Prozent.

Aktien der Ölzulieferer auf der Überholspur

Noch stärker als die Aktien der Ölmultis haben die ihrer Zulieferer Rückenwind. Zwar rechnet die International Energy Agency (IEA) damit, dass die Multis im laufenden Jahr ihre Investitionen um 24 Prozent auf 450 Milliarden Dollar senken werden, nachdem sie bereits 2015 um 25 Prozent eingebrochen waren. Das ist das erste Mal seit 40 Jahren, dass die Branche die Investitionen zwei Jahre in Folge reduziert. Sollte die Erholung der Ölpreise weitergehen, hellen sich die Perspektiven für die Servicefirmen dennoch deutlich auf, denn die Multis dürften im nächsten Jahr allmählich von der Investitionsbremse gehen. Die Zulieferer hatten den Multis in den vergangenen Jahren starke Preisnachlässe zugestehen müssen. Das dürfte sich nun aber zusehends ändern.

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Total_Öl_Presse_6„Einige der Effizienzgewinne, die wir gemeinsam mit unseren Kunden gemacht haben, sind tatsächlich nachhaltig und werden weitergehen. Aber andere, inklusive sehr unwirtschaftlicher Preissenkungen sind nicht nachhaltig und werden umgekehrt werden müssen“, sagte Dave Lesar, Vorstandschef des großen US-Ölzulieferers Halliburton zuletzt. Der Konzern hat im zweiten Quartal weitere 5.000 Mitarbeiter abgebaut. Lesar erwartet, dass sich vor allem das wichtige Geschäft in Nordamerika, das knapp die Hälfte der Konzernerlöse beisteuert, im zweiten Halbjahr allmählich beleben wird. Der französische Wettbewerber Technip hat zuletzt zwar einen Einbruch der Auftragseingänge verbucht. Der Konzern baut aber 16 Prozent seiner Mitarbeiter ab, sowie mehr als ein Drittel seiner Schiffsflotte. Damit sollen Einsparungen von 830 Mio. Euro bis Ende 2017 erwirtschaftet werden.

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Fazit – bei steigenden Ölpreisen hellen sich die Perspektiven für den Sektor zusehends auf und Anleger müssen nun nur noch warten, bis Analysten wieder über Preise von 70, 80 oder 100 Dollar philosophieren. Dann dürfte die Rally nämlich wieder vorbei sein und die nächste Korrektur anstehen.



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Der ehemalige FTD-Redakteur und Börse Online-Urgestein Daniel Saurenz hat zusammen mit Benjamin Feingold das Investmentportal „Feingold Research“ gegründet. Dort präsentieren die beiden Börsianer und Journalisten ihre Markteinschätzungen, Perspektiven und Strategien samt Produktempfehlungen. Im strategischen Musterdepot werden die eigenen Ideen mit cleveren und meist etwas „anderen“ Produkten umgesetzt und für alle Leser und aktiven Anleger verständlich erläutert. Weitere Informationen: Feingold Research.

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