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WOCHENAUSBLICK Ungewissheit nach der US-Wahl

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
14.11.2016, 05:50  |  578   |   |   

FRANKFURT (dpa-AFX) - Vom Schreckgespenst zum Hoffnungsträger: Es kommt nicht allzu oft vor, dass die Finanzmärkte so schnell ihre Meinung ändern wie nach dem - zuvor noch als schwer denkbar geltenden - US-Wahlsieg Donald Trumps in der abgelaufenen Woche. Während in der Wahlnacht noch der Teufel an die Wand gemalt wurde, hatten die Akteure nur Stunden später einen radikalen Pragmatismus an den Tag gelegt: Rund um den Globus waren deutlich steigende Aktien- und fallende Anleihenkurse sowie ein wieder erstarkter US-Dollar die Folge.

Marktbeobachter sind sich nun unsicher über die Marktrichtung in der neuen Woche. Nach Einschätzung von Daniel Saurenz von Feingold Research droht eine Phase der Ungewissheit. Auch Händler Ludwig Donnert von Orca Capital glaubt, dass die Unsicherheit anhält, bis klar wird, wohin die Reise wirtschaftlich und politisch geht. Aktienstratege Ralf Zimmermann vom Bankhaus Lampe erwartet kurzfristig eine höhere Volatilität an den Märkten, weil Trump als weniger berechenbar gelte als die gescheiterte Gegenkandidatin Hillary Clinton.

Viel werde kurzfristig davon abhängen, wen Trump in sein Kabinett und seinen Beraterkreis aufnimmt, glaubt Analyst Manfred Bucher von der BayernLB. Sollte es Personalentscheidungen geben, die auf einen protektionistischen und konjunkturschädlichen Kurs hindeuteten, dürfte dies zu Rückschlägen an den Aktienmärkten führen. Umgekehrt könnten "marktfreundliche" Personal- und Sachentscheidungen den Erholungskurs zumindest kurzfristig bestätigen. Zudem sei noch unklar, was aus dem Wahlprogramm Trumps in welchem Umfang umgesetzt werde. Insofern bestünden für die Aktienmärkte weiterhin umfangreiche Risiken, so Bucher.

Der Börsenbriefautor Hans Bernecker rät, den Trump-Faktor nicht zu hoch zu bewerten: "Kein US-Präsident prägte je die nachhaltige Tendenz der Wall Street. Bestenfalls war er die Leitplanke am amerikanischen Highway, um Unfälle zu vermeiden."

Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud geht davon aus, dass der Tonfall des Wahlkampfpopulisten mit Beginn der Präsidentschaft moderater wird: "Aus unserer Sicht ist das Szenario 'das Amt prägt den Menschen' deutlich wahrscheinlicher als der umgekehrte Fall." Trump werde daher in einigen Fragen eine 180-Grad-Wende vollziehen, Wahlversprechen vergessen und vom US-Kongress an entscheidenden Stellen auf den Boden der Realität zurückgeholt werden, glaubt sie. Einige seiner Ansätze werde er jedoch durchziehen. So sei mit selektiven Handelsbeschränkungen, der Rückabwicklung der Gesundheitsreform Barack Obamas und einer expansiveren Haushalts- und Steuerpolitik zu rechnen.

Auch die Marktstrategen der LBBW stehen hinter der Amt-formt-Präsidenten-These und verwiesen darauf, dass die Umsetzung der im Wahlkampf propagierten Vorhaben von der Zustimmung des US-Kongresses abhänge. "Da Trump auch in seiner eigenen Partei nicht auf viel Gegenliebe stößt, ist nicht davon auszugehen, dass der republikanisch dominierte Kongress alle Vorschläge durchwinken wird." Deshalb bleibt die Landesbank optimistisch für den Aktienmarkt. Dafür sprächen auch die hohen Dividendenrenditen, die derzeit recht günstige Bewertung vieler Aktien sowie der Mangel an Anlagealternativen, hieß es.

Saurenz erwartet nun ein Comeback der Old-Economy-Aktien, die jahrelang zertrümmert worden seien. Vor allem Zykliker und Banken dürften künftig stärker gefragt sein. Steigende Anleihezinsen verbesserten die Geschäfte der Geldhäuser. Deshalb könnten die Papiere der Deutschen Bank oder der Commerzbank zu den Gewinnern der nächsten Jahre gehören, glaubt Saurenz. Die hoch bewerteten Unternehmen des Silicon Valley müssten sich hingegen auf harte Zeiten einstellen, weil Trump diese ohnehin im Visier habe.

Neben der noch unklaren US-Politik befinden sich in der kommenden Woche auch wieder fundamentale Faktoren wie Wirtschaftsdaten und Unternehmenszahlen im Fokus der Finanzmärkte. So stehen am Dienstag der ZEW-Konjunkturindex und die BIP-Zahlen aus Deutschland auf der Agenda. Die Volkswirte der Commerzbank rechnen beim ZEW-Index für November im Vergleich zum Vormonat mit einem kräftigen Sprung nach oben. Aus den USA sind in der neuen Woche unter anderem Daten zum Einzelhandelsumsatz, zur Industrieproduktion und den Verbraucherpreisen angesetzt.

Aus Unternehmenssicht neigt sich die Berichtssaison langsam dem Ende entgegen. Mit RWE (Montag) und Merck KGaA (Dienstag) werden in dieser Woche nur noch zwei Vertreter aus dem Dax über ihre jüngste Geschäftsentwicklung informieren. Der rückläufige Gewinntrend des Energiekonzerns sollte sich auch nach der Abspaltung der Ökostromtochter Innogy fortgesetzt haben.

Beim Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern dürfte es hingegen dank des starken Laborgeschäfts weiter rund gelaufen sein. Analysten rechnen im dritten Quartal mit kräftigen Zuwächsen bei Umsatz und Gewinn. Aus dem MDax stehen in der neuen Woche noch Zahlen von Deutsche Euroshop , Deutsche Pfandbriefbank , Deutsche Wohnen , Talanx und Leoni mit Quartalszahlen an./edh/jha/tih/he

--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---

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