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Preissprung von 2.600 Prozent! Rekord-Geldstrafe für aggressive Preispolitik: Pfizer muss 84,2 Millionen Pfund zahlen

07.12.2016, 10:49  |  2152   |   |   

Der Pharmakonzern Pfizer hat den Preis des lebenswichtigen Epilepsie-Medikaments Phenytoin über Nacht um bis zu 2.600 Prozent in die Höhe getrieben. Dafür wurde ihm von der britischen Kartellbehörde eine Rekord-Geldstrafe von 84,2 Millionen Pfund auferlegt. 

Es ist eigentlich nichts Neues. Wieder einmal rückt ein Pharmakonzern für seine fragwürdigen Moral- und Preisvorstellungen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Diesmal geht es nicht um Valeant oder Mylan, sondern um den amerikanischen Medikamentenhersteller Pfizer. 

Weil er den Preis für das lebenswichtige Epilepsie-Medikament Phenytoin über Nacht um rund 2.600 Prozent angezogen hat, bekommt er jetzt die Quittung von der britischen Kartellbehörde CMA (Competition and Markets Authority). 84,2 Millionen Pfund (ca. 99 Millionen Euro) muss Pfizer laut "Guardian" für diesen "extraordinären Preissprung" bezahlen, der den "Nationalen Gesundheitsdienst und die Steuerzahler einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet hat". 

Wo sich der Preis für eine 100-mg-Packung Phenytoin zunächst nur auf 2,83 Pfund belief, betrug er am nächsten Tag plötzlich 67,50 Pfund. Im Mai 2014 hatte Pfizer ihn dann auf 54 Pfund gesenkt. Die Gesamtausgaben des Nationalen Gesundheitsdiensts stiegen in der Folge innerhalb eines Jahres von zwei auf 50 Millionen Pfund.

In keinem anderen Land habe Pfizer so dermaßen an der Preisschraube gedreht, wie in Großbritannien, hieß es von der CMA. Auch gäbe es hierfür nicht wirklich eine Rechtfertigung, da es sich bei Phenytoin um ein Standard-Arzneimittel handelt, bei dem keine großartigen Innovationen oder Investitionen vorgenommen wurden. 

Laut dem Leiter der Ermittlungen, Philip Mardsen, sei dies "die höchste Geldstrafe, die jemals von der CMA verhängt wurde und sie sendet dem Sektor eine klare Botschaft, dass wir fest entschlossen sind, diesem Treiben Einhalt zu gebieten und Verbraucher zu schützen." 

Auch der Medikamentenhändler Flynn Pharma wurde mit einer Geldbuße von 5,2 Millionen Pfund (ca. 5,9 Millionen Euro) belegt. Bei Pfizer wolle man gegen das Urteil Berufung einlegen. Das Papier des Pharmaherstellers hat bislang noch keine nennenswerten Einbrüche davongetragen. 

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4 Kommentare

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Kommentare

http://brontecapital.blogspot.de/2016/12/ucbs-vimpat-patent.…

könnte Big Pharma Kopfschmerzen verursachen...


"Is this the beginning of a new, more aggressive patent office?

The political pressure in the US to do something to reduce drug prices is large. In the past election this was one area of near universal agreement.

I am wondering whether we are going to see this sort of action by the Patent Office more widely.

If the trend is more widespread it could be bad news for pharma investors generally."
Wenn diese Aktion über die nicht genau bekannte Zeitspanne für den Hersteller (wovon ich ausgehe) mehr eingebracht hat, als die "Strafe" i.H.v. 84,2 Mio. Pfund kostet, dann ist dies für mich keine Strafe.
Naja, ich finde ca. 100 Mio. € sind schon eine fette Strafe !

Aber ich verstehe natürlich auch nicht, warum Pfizer den Preis für dieses Epilepsie-Medikament so extrem stark erhöht hatte !?

So etwas ist nicht fair und ist auch völlig unnötig !
Strafe, welche Strafe !?

>>> Wo sich der Preis für eine 100-mg-Packung Phenytoin zunächst nur auf 2,83 Pfund belief, betrug er am nächsten Tag plötzlich 67,50 Pfund. Im Mai 2014 hatte Pfizer ihn dann auf 54 Pfund gesenkt. Die Gesamtausgaben des Nationalen Gesundheitsdiensts stiegen in der Folge innerhalb eines Jahres von zwei auf 50 Millionen Pfund. <<<


Es fehlt hier die Zeitangabe, wann die erste Erhöhung von 2,83 Pfund auf 67,50 Pfund stattfand.
Wenn aber der Preis ursprünglich 2,83 Pfund betrug und dieser dann im Mai 2014 (also vor etwa 2,5 Jahren) von 67,50 Pfund auf 54 Pfund gesenkt wurde, hat Pflizer hier doch ganz offensichtlich Mehreinnahmen realisiert, die über dieser "Strafe" von 84,2 Mio. Pfund.

Die genannten Mehrausgaben des Nationalen Gesundheitsdiensts von 48 Millionen Pfund "in nur einem Jahr", machen dies doch mehr als deutlich.

Das Gesundheitswesen, als auch der Bereich Pflege, sind ein riesen Geschäft. Da hackt die eine Krähe der anderen kein Auge aus. Das sind nur Beruhigungspillen fürs Volk.

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