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Inflation, Zinsen, Anleihen Mario Draghis' finales NEIN! zu Kursänderungen

07.02.2017, 14:30  |  3234   |   |   

Warum ist die deutsche Inflationsrate für Draghi kein Argument? Deutschland jammert über die EZB-Politik, während Frankreich die eingeschlagene Richtung lobt. Denn ohne den Euro würde die Grande Nation ganz schnell in die Armut schlittern. 

Es pfeiffen die Spatzen von den Dächern, dass die Inflationsrate in Deutschland so hoch ist, wie schon lange nicht mehr - im November 2016 lag sie bei 0,8 Prozent, im Dezember bei 1,7 Prozent und im Januar 2017 dann bei stolzen 1,9 Prozent. Dieses Niveau gab es seit August 2013 nicht mehr. 

Ein Blick über den Tellerrand!

Die Inflationsraten in den EU-Mitgliedsstaaten im Dezember 2016 geben Antworten darauf, warum Draghi sich von dieser Variable bislang unbeeindruckt zeigt. Zu den fünf Ländern mit dem größten Bruttoinlandsprodukt 2015 gehörten: Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien (statista). In diesen Ländern lagen die Inflationsraten im Dezember 2016 bei: DE: 1,7 Prozent, GB: 1,6 Prozent, FR: 0,8 Prozent, IT: 0,5 Prozent und ES: 1,4 Prozent (statista).

Im Dezember 2016 betrug die Inflation im EU-Durchschnitt 1,2 Prozent, was der höchste Wert im letzten Jahr war. Fast vergessen sind die negativen Inflationszahlen: Februar: -0,2 Prozent, April: -0,2 Prozent und Mai: -0,1 Prozent. Überraschend kam der Anstieg von 0,6 Prozent im November auf 1,2 Prozent im Dezember (statista). Experten rechnen damit, dass die EU 2017 eine Inflationsrate von 1,4 Prozent und 2018 von 1,5 Prozent verzeichnen wird (mehr dazu hier).

EZB Ziel-Inflation noch in weiter Ferne und somit auch eine Trendwende in der Ankauf- und Zinspolitik

Die EZB verfolgt für den Euroraum ein Inflationsziel knapp unterhalb von zwei Prozent. Wie Draghi vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des EU-Parlaments am 6. Februar 2017 sagte, befinde sich die Inflation nicht auf Zielkurs, um das Wertpapierkaufprogramm zu reduzieren ("ntv"). Somit werden die Wertpapierkäufe, entsprechend den letzten Beschlüssen 12'2016, bis Ende 2017 fortgesetzt. 

Auch die Zinsen bleiben für einen längeren Zeitraum auf dem aktuell niedrigen Niveau. Als Begründung nannte Draghi, dass es an klaren Anzeichen für einen nachhaltigen Anstieg der Inflation fehle.

In Deutschland klagen viele Bankhäuser über sinkende Gewinne. Die Warnung vom Sparkassenpräsident Fahrenschon, dass die Nullzinspolitik "ein gefährliches Spiel" sei, wehrte Draghi vorerst ab. Als Gegenargument führte der EZB-Präsident an, dass sich die Bankengewinne im zweiten Quartal 2016 stabilisiert hätten.

Analysten schauen in die Glaskugel

Eine sichere Wirtschaftsprognose für 2017/2018 ohne die Ergebnisse aus dem bevorstehenden Wahljahr scheint gewagt - unser Tradingexperte Jens Klatt hat es trotzem versucht. Er erwartet, dass die EZB ihre Ankäufe bis Juni 2018 verlängern und in der Jahresmitte beenden wird. Dann könnte die EU-Inflationsrate bei 1,5 bis 1,6 Prozent liegen und somit Draghis' Inflationsziel für den Euroraum näher sein. 

Neben den Sorgen der Sparer hierzulande, steht 2017 die Zukunft Frankreichs auf dem Spiel. Im Fall der Grande Nation meldeten sich das EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré und der französische Notenbankchef François Villeroy de Galhau zu Wort. Coeuré und Villeroy warnen das französische Volk vor den finanziellen Folgen eines Wahlsiegs von Marine Le Pen für das Land. Wenn Frankreich die Währungsunion verlassen sollte, dann würden Zinsen, Inflation und Schulden so stark steigen, dass das Land regelrecht verarme, werden sie von "Le Parisien" zitiert.

Villeroy betont, dass Frankreich - sowie alle EU-Mitgliedstaaten - von der verhaltenen Inflation und den niedrigen Zinsen profitieren würde, wie wir berichteten. Ferner sei der Euro nicht schuld am schwachen Wirtschaftswachstum der Grande Nation, sondern fehlende Reformen im Land. Coeuré sieht den Euro auf einem angemessenen Niveau zur europäischen Wirtschaft und stützt somit Draghis' Zins- und Ankaufpolitik.

 

 

Wertpapier: EUR/USD


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