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Draghi – die Zinsqual der Sparer bleibt

Gastautor: Daniel Saurenz
21.03.2017, 06:00  |  656   |   |   

EZB_LuminaleDas Gerücht wirkte wie ein Paukenschlag – Mario Draghi will die Zinsen erhöhen. Einige Medien griffen diese Spekulation jüngst auf und machten damit Sparern neue Hoffnung. Sollte sich die EZB tatsächlich der amerikanischen Notenbank anschließen und die lockere Geldpolitik beenden? Wir schauen uns die Sachlage genau an.

Etliche Investoren hatten erwartet, dass EZB-Chef Mario Draghi nach der jüngsten Sitzung Signale zu einer stärkeren Verschärfung der Geldpolitik senden würde als bislang. Der Finanzmarkt hat so reagiert, als ob Draghi das tatsächlich getan hätte. Vielleicht hat der Finanzmarkt aber auch etwas falsch interpretiert.

Verwirrung bei Investoren nach der EZB-Sitzung vom 9. März: Nachdem Gerüchte aufgekommen waren, die EZB habe darüber diskutiert, die Zinsen möglicherweise noch vor dem bislang anvisierten Ende des Anleihenkaufprogramms im Dezember 2017 anzuheben, waren der Euro und die Zinsen für deutsche Anleihen deutlich gestiegen. „Investoren handelten merklich in Produkten auf den BUND-Future“, ist vom Broker E*Toro zu hören.

Der einzige Ausweg aus der Zinsfalle für Investoren scheint unserer Meinung nach weiterhin zu sein, auf fest verzinsliche Anleihen wie jene bei der IKB zurückzugreifen. Das Zinsprodukt A2BPAB bietet 2,1 Prozent Rendite – mehr ist momentan am Markt nirgends zu holen. Alternative – man nimmt ein Dollarrisiko in Kauf, dann lassen sich bis zu 3,25 Prozent erzielen im Produkt mit Kennnummer A2BPAC. Den US-Dollar Index, der die Stärke des Dollars zu anderen Währung angibt, finden Sie im Chart bei Etoro.

EZB_Frankfurt„Das deutet daraufhin, dass Investoren davon ausgehen, dass die EZB im Laufe des Jahres die Geldpolitik etwas stärker verschärfen könnte, als Investoren bislang erwartet hatten“, sagte Franz-Georg Wenner vom Börsenbrief Indexradar. Dabei hatte Draghi sein Bestes getan um zu signalisieren, dass die EBZ an dem bisher eingeschlagenen Kurs konsequent festhalten werde. Zwar hat der EZB-Chef die Inflationsprognosen für 2017 und 2018 etwas angehoben. Draghi verwies aber darauf, dass der deutliche Anstieg der Inflation, die im Februar in der Euro-Zone auf zwei Prozent geklettert war, hauptsächlich auf den Anstieg des Ölpreises und damit auf vorübergehende Effekte zurückzuführen sei. Deshalb müsse die EZB ihre Geldpolitik fortführen, um eine Beschleunigung der Kerninflation, also der um Nahrungsmittel und Energie bereinigten Inflationsrate, zu erreichen.

Programm läuft weiter

Vielmehr machte der EZB-Chef klar, dass die EZB jederzeit bereit sei, das Anleihenkaufprogramm, das im April von 80 auf 60 Milliarden Euro pro Monat gedrosselt wird, aufzustocken oder zu verlängern. Draghi will mit Blick auf die Niederlande-Wahl am 15. März und die Präsidentschaftswahl am 23. April in Frankreich die Lage am Anleihenmarkt der Euro-Zone unter Kontrolle halten.

Aktuelle Themen diskutieren wir immer ausführlich in unseren Webinaren – Unser vollständiges Programm sowie die Aufzeichnungen der letzten Woche finden Sie hier.

EZB will Kurs halten

Zuletzt machte Jan Smets, der Chef der belgischen Notenbank und Mitglied des EZB-Gremiums klar, dass die EZB keinerlei zusätzliche Verschärfung der Geldpolitik plane. Die EZB habe lediglich darauf hingewiesen, dass die Inflation etwas stärker als erwartet steige, mehr aber auch nicht. Der Anstieg der Inflation sei vor allem auf die höheren Ölpreise zurückzuführen, weshalb die EZB über den kurzfristigen Anstieg der Inflation hinwegsehen müsse und eher die mittelfristigen Perspektiven im Auge habe. „Ich würde nicht sagen, dass sich die Einschätzung (vom 9. März) stark verändert hat gegenüber jener von Dezember“, sagte Smeth. Mehr über das deutsche und euröpäische Zinsumfeld erfahren Sie in der X-markets Academy.

EZB_börse_12Bei der Sitzung am 8. Dezember 2016 hatte die EZB die Drosselung des Programms auf 60 Mrd. ab April 2017 angekündigt. „Es gab zwar einen marginalen Anstieg bei der Kerninflation und die Inflationsrate ist gestiegen, aber wir müssen über diese Energiekomponente hinwegsehen auf den mittelfristigen Ausblick“, sagte Smeth. „Nur weil die Inflationsrate in den vergangenen zwei oder drei Monaten gestiegen ist, sagen wir nicht, „Das Problem ist gelöst.“ Nein wir schauen darüber hinaus, das war immer unsere Politik.“ Die Kerninflation steige einfach noch nicht stark genug.

Lesen Sie auch: Aktive Fonds – kein Mehrwert, aber dafür wenigstens schön teuer…

Zinserhöhungen würden Anleihekäufe konterkarieren

Die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB die Zinsen erhöht, ehe das Anleihenkaufprogramm von netto 60 Mrd. Euro pro Monat ausläuft, ist also sehr unwahrscheinlich. Denn damit würde die EZB ihre eigene Politik konterkarieren. Welchen Sinn macht es denn, mit dem Anleihekaufprogramm die Zinsen nach unten zu drücken, und gleichzeitig die Zinsen über Zinsanhebungen nach oben zu drücken? Keinen. Daher dürften die harten Zeiten für Sparer hierzulande anhalten – und sogar noch härter werden.

Wertpapier: IKB 3,25 % bis 03/20, IKB 2,10 % bis 03/25


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Der ehemalige FTD-Redakteur und Börse Online-Urgestein Daniel Saurenz hat zusammen mit Benjamin Feingold das Investmentportal „Feingold Research“ gegründet. Dort präsentieren die beiden Börsianer und Journalisten ihre Markteinschätzungen, Perspektiven und Strategien samt Produktempfehlungen. Im strategischen Musterdepot werden die eigenen Ideen mit cleveren und meist etwas „anderen“ Produkten umgesetzt und für alle Leser und aktiven Anleger verständlich erläutert. Weitere Informationen: Feingold Research.

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