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    ROUNDUP/Lufthansa-Chef Franz Politik missbraucht uns als Goldesel

    Nachrichtenagentur: dpa-AFX
     |  18.11.2012, 14:06  |  3869 Aufrufe  |   | 

    FRANKFURT (dpa-AFX) - Lufthansa -Chef Christoph Franz hat der Politik vorgeworfen, die Luftverkehrsbranche schwer zu beschädigen. Inzwischen gebe es in Deutschland keine Passagier-Fluggesellschaft mehr, die Gewinn mache, sagte Franz der 'Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung'. 'Wir werden nicht mehr als Wachstumsmotor für die Volkswirtschaft gesehen, sondern als Goldesel zur Abgabe von Steuern, als Emittent von Treibhausgasen und als Lärmquelle', klagte er. Hilfe wünscht sich Lufthansa bei der Auseinandersetzung mit Spartengewerkschaften wie UFO, die mit Streiks ganze Industrien blockieren könnten. 'Da muss der Gesetzgeber aktiv werden, etwa Zwangsschlichtungen vorschreiben', sagte Franz.

    Zu kolportierten Kooperationspläne mit Turkish Airlines sagte der Lufthansa-Chef, man sei permanent in Gesprächen über Möglichkeiten von Kooperationen. Ob sich daraus noch mehr entwickele, werde sich zeigen. Lufthansa sei aber nicht in Zugzwang, Anlehnung an eine Fluggesellschaft zu suchen.

    Der Politik warf Franz vor, deutsche Airlines würden im Wettbewerb massiv behindert, weil die Bundesrepublik eine Luftverkehrssteuer erlassen habe. Dabei zählten zu ihren gefährlichsten Gegnern 'sehr aggressive staatliche Gesellschaften aus der Golfregion', die mit günstigeren Preisen europäische Airlines in ihren Heimatmärkten angriffen. 'Sie können das auch, weil die Politiker ihrer Heimatländer die Airlines als das begreifen, was sie sind: Chancen für mehr Wohlstand.'

    In Deutschland erschwerten dagegen Standortbedingungen wie Nachtflugverbote und hohe Kosten an Flughäfen das Geschäft, zudem müssten EU-Airlines im Gegensatz zur Konkurrenz für Emissionsrechte bezahlen. Der hessischen CDU/FDP-Regierung warf er vor, dass sie sich - trotz der Bedeutung der Luftfahrt für das Land - nicht stärker gegen die Luftverkehrsabgabe engagiere.

    Vor dem Hintergrund der jüngsten Tarifauseinandersetzung warnte Franz davor, dass auch in anderen Branchen künftig Spartengewerkschaften ihre Macht ausspielten könnten. So habe sich jüngst eine Feuerwehrgewerkschaft gegründet. 'Eine solche Gewerkschaft kann ganze Industriekomplexe lahmlegen, wenn sie schlagkräftig genug wird. 'Es ist immer der gleiche Typus von Gewerkschaften, der neu auftritt: spezielle Berufsgruppen mit einem gewaltigen Hebel.' Er forderte unter anderem, Streiks nur zu erlauben, wenn ein Mindestprozentsatz der Belegschaft zustimme. Der erste Streik der rund 18.000 Lufthansa-Flugbegleiter hatte das Unternehmen, das in diesem Jahr einen operativen Verlust verbuchen wird, im Sommer 33 Millionen Euro gekostet.

    Mit Blick auf den kürzlich erzielten Tarifabschluss sagte Franz, die Vorteile aus unternehmerischer Sicht seien neben langen Laufzeiten günstigere Vergütungsstrukturen für neues Personal und andere Vereinbarungen, die bei der Steigerung der Produktivität helfen. 'Wir müssen zwingend profitabler werden', sagte er. Das Unternehmen wolle mehr als 160 neue Maschinen anschaffen, was 17 Milliarden Euro koste. Zudem müsse die Lufthansa 2012 wegen gestiegener Kosten über eine Milliarde Euro mehr für Treibstoff ausgeben als 2011.

    Nach dem von Schlichter Bert Rürup auf den Weg gebrachten Tarifvertrag muss die Lufthansa zwar zunächst 33 Millionen Euro an Personalkosten draufzahlen, doch langfristig bringt der neue Kabinen-Tarifvertrag strukturelle Kostenvorteile und hilft Franz beim Sparen. So starten neue Flugbegleiter ab 2013 zwar mit höheren Tarifgehältern, können dafür aber nie die Gehälter der Alt-Lufthanseaten erreichen. Die bestehende Tarifstruktur wurde kräftig umgestülpt. Altgediente Stewards konnten zwar ihre Besitzstände verteidigen, bekommen aber von der durchschnittlich auf 4,6 Prozent inklusive der Einmalzahlungen berechneten Tarifsteigerung kaum etwas ab./jes/DP/jha

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