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    GBP/USD Die Briten und Europa – „Man kann nicht miteinander, aber auch nicht ohneeinander.“

    Gastautor: Torsten Gellert
     |  22.11.2012, 14:24  |  2229 Aufrufe  |   | 

    Der britische Premier David Cameron hat mit Blick auf die heute in Brüssel beginnenden Verhandlungen über den neuen EU-Haushalt das gleiche Problem wie Bundeskanzlerin Angela Merkel. Er soll mehr Geld nach Europa überweisen, obwohl große Teile seiner eigenen Partei und auch der Bevölkerung in seinem Land gerade dabei sind, den europäischen Gedanken immer weiter zu verdrängen. Die Deutschen wollen nicht weiter für die Schulden der Griechen aufkommen und die Briten wollen in Zeiten sinkender Sozialleistungen und Löhne im eigenen Land die sechs Prozent Erhöhung des EU-Budgets nicht mittragen.

     

    Und wieder stößt Europa damit einmal mehr an seine Grenzen. Das Problem besteht darin, dass es in einer Gemeinschaft immer schwache und starke Mitglieder gibt oder finanzmathematisch ausgedrückt, Nettozahler und Nettoempfänger. In wirtschaftlich guten Zeiten redet keiner darüber, denn die starken wären ohne ihren Export in die schwachen Wirtschaften lange nicht so erfolgreich. Sie bekommen also die Transferleistungen auf einem anderen Weg wieder zurück. Nicht so in der Krise, da möchte man diese Beziehung erst gar nicht eingegangen sein, denn jetzt kostet sie nur weiter viel Geld, welches man dringend selber braucht. Hinzu kommt, dass die Warenströme ins Ausland aufgrund der noch viel stärkeren Krise der Nachbarn fast zum Erliegen kommen.

    Und dennoch wird der bekanntermaßen nicht sehr große Europafreund Cameron den Spagat schaffen müssen, einerseits ohne eine Erhöhung des EU-Haushalts zurück in sein Parlament zu kommen und andererseits es sich mit der europäischen Gemeinschaft nicht noch mehr zu verscherzen. Denn es sind die Worte des Sprechers der britischen Wirtschaft, welche die aktuelle Situation treffend beschreiben. Mit Europa sei es wie in anderen Beziehungen auch, man könne nicht miteinander, aber auch nicht ohneeinander. Europa sei das Fundament des britischen Außenhandels, so Roger Carr, Verbandschef des Dachverbands der britischen Wirtschaft auf der Jahrestagung, der auch Premier Cameron beiwohnte.

    Aktuell scheint es allerdings auch so, als sei das Fundament der Eurozonen-Wirtschaft gerade mal das einzige, was noch steht. Das bekommt natürlich auch die britische Wirtschaft zu spüren, die zusätzlich auch noch einige hausgemachte Probleme belastet. Im dritten Quartal hat Großbritannien dank der Olympischen Spiele und einem Feiertagseffekt kurzzeitig die Rezession verlassen. Für  das laufende Quartal bin ich allerdings sehr skeptisch, was ein grünes Vorzeichen beim Wachstum angeht. In dieses Bild passt die Einschätzung der Bank of England (BoE), die Wirtschaft auf der Insel werde sich mittelfristig nicht weiter erholen. Sie erwartet für das kommende Jahr nur noch ein Wachstum von einem Prozent, im August waren die Ökonomen der Bank noch von 1,7 Prozent ausgegangen.

    Im Normalfall würde man aus diesen Prognosen schließen, dass die BoE auf einem ihrer nächsten Treffen weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen beschließt, entweder in Form einer weiteren Leitzinssenkung oder zusätzlichen Anleihekäufen, wie wir sie derzeit von allen wichtigen Notenbanken der Welt erleben. Dagegen spricht aber die aktuell wieder anziehende Inflation auf der Insel. Im Oktober ist die Teuerungsrate wieder auf 2,7 Prozent hochgeschnellt und liegt damit wieder weiter weg von der Zielmarke von zwei Prozent, die die Notenbank ausgegeben hat. Das schränkt den Spielraum ein und erklärt auch, warum mit David Miles sich nur einer der Mitglieder im neunköpfigen Gremium auf der letzten Sitzung für eine Ausweitung des aktuell 375 Milliarden Britische Pfund (rund 470 Milliarden Euro) betragenden Anleihekaufprogrammes ausgesprochen hat.

    Ich könnte mir aber vorstellen, dass der Oktober-Wert der Inflation auch nur ein Ausreißer aus dem nun schon einige Monate andauernden Abwärtstrend der Teuerung darstellt und sich dieser Wert zum Jahresende wieder um die Marke von zwei Prozent einpendelt. Erst Recht, wenn sich die Krise in der Eurozone nicht merklich verbessert und die Binnennachfrage aufgrund der laufenden Sparprogramme im britischen Haushalt weiter nachlässt. Sollten dann noch die Zahlen zum vierten Quartal, die wir Anfang kommenden Jahres bekommen, enttäuschen, sehe ich keinen Grund, warum die BoE nicht sogar den Leitzins von aktuell 0,5 Prozent erneut zur Diskussion stellen sollte.

    Stellt sich nun die Frage, was macht das Britische Pfund daraus. Wichtig werden jetzt die nächsten monatlichen Daten zu Inflation, Industrieproduktion und Handelsbilanz, welche einen Aufschluss darüber geben, welchen Spielraum die BoE zu Beginn kommenden Jahres nutzen kann und auch wird. Sinkt die Inflation bei gleichzeitig schwachen Export- und Wirtschaftsdaten, wovon ich ausgehe, steigt die Wahrscheinlichkeit für weitere Lockerungen, was wiederum das Pfund schwächt. Der Abwärtstrend gegenüber Euro und US-Dollar sollte sich in meinen Augen daher fortsetzen. Eine höhere Attraktivität würde ich dabei dem Engagement im Währungspaar GBP/USD einräumen. Nach dem das so genannte „Cable“ Ende September schon das zweite Mal in diesem Jahr an der Marke von 1,63 GBP/USD abgeprallt ist, konnten selbst die schon oben angesprochenen überraschend positiven Daten zum dritten Quartal diesen Trend nur kurzfristig stoppen. Die aktuelle Erholung des Pfunds in den letzten Tagen würde ich zu einem Short-Einstieg nutzen, also das Pfund gegen den US-Dollar verkaufen. Kursziel auf Sicht von zwölf Monaten bleibt für mich weiterhin die Marke von 1,50 GBP/USD.

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    Gastautor

    Torsten Gellert ist Managing Director von FXCM Deutschland. FXCM ist einer der führenden Forex- und CFD-Broker weltweit, der seine Dienste seit 1999 privaten und institutionellen Kunden anbietet. Forex Capital Markets Ltd. (FXCM) ist durch die UK Financial Services Authority zugelassen [FSA Registrierungsnummer 217689]. Forex Capital Markets Limited, Berlin (FXCM Deutschland), ist eine Niederlassung von Forex Capital Markets Ltd. Das Unternehmen wird zu großem Teil durch die FSA reguliert und in anderen Bereichen durch die Deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht beaufsichtigt [BaFin Registrierungsnummer 122556].

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