DAX+0,46 % EUR/USD-0,48 % Gold-0,95 % Öl (Brent)0,00 %

Wirtschaftsweise Schnabel Grenzen der Zuwanderung - Kein wirtschaftliches Sanierungsprogramm für Deutschland

11.01.2016, 16:47  |  1811   |   |   

Die Bonner Wirtschaftsweise Isabel Schnabel hat sich für eine klarere Begrenzung der Zuwanderung ausgesprochen. „Jedes Jahr eine Million Flüchtlinge hier aufzunehmen, das wird nicht funktionieren“, sagte sie im Gespräch mit der Tageszeitung „Die Welt“. Allerdings werde Deutschland viel früher an seine politischen Grenzen stoßen als an die ökonomischen. Erste Anzeichen dafür gebe es bereits. 

Begrenzung ohne klare Obergrenzen

Auch unabhängig von den jüngsten Ereignissen in Köln und anderen Städten sei es daher wichtig, das entsprechende Signal zu senden: „Eine unbegrenzte Zuwanderung ist sicher nicht zu tragen. Die Lasten sind verkraftbar, wenn es gelingt, die Zuwanderung in Grenzen zu halten.“ Konkrete Obergrenzen, wie sie etwa CSU-Chef Horst Seehofer fordert, hält die Ökonomin allerdings für unrealistisch. Stattdessen sei eine europäische Lösung gefordert. „Um es konkret zu sagen: Wenn man sich der Grenze der Belastbarkeit nähert, muss die Politik über eine Verschärfung der Kriterien für die Gewährung von Asyl nachdenken. Und zwar europaweit, denn es geht hier um ein europäisches Problem, nicht um ein deutsches“, so Schnabel in der "Welt". Mit Sorge registriert die Spitzenökonomin auch, dass die Fliehkräfte innerhalb Europas zunehmen. Kanzlerin Angela Merkel habe sich dabei in eine ungünstige Verhandlungsposition manövriert: „Die anderen Länder können nun bequem auf Deutschland verweisen. Wenn Frau Merkel nun trotzdem Unterstützung möchte, wird sie dafür einen politischen Preis bezahlen müssen“, sagte Schnabel der Zeitung.

Zuzug kein Sanierungsprogramm für Deutschland

Die Ökonomin warnte auch vor überzogenen Vorstellungen in Bezug auf die langfristigen Effekte der Massenflucht nach Deutschland. „Diesen Zuzug als eine Art wirtschaftliches Sanierungsprogramm für Deutschland darzustellen, halte ich für einen Fehler. Das weckt Erwartungen, die nicht erfüllt werden können.“ Natürlich biete die Zuwanderung auch Chancen. Aber die meisten Flüchtlinge, die nach Deutschland kämen, seien nicht so gut qualifiziert, dass sich mit ihnen der Fachkräftemangel beheben ließe: „Und selbst bei intensivster Förderung wird sich nicht aus jedem Flüchtling ein Facharbeiter machen lassen.“

Flüchtlingssoli wäre politisch falsches Signal

Der Idee eines Flüchtlingsoli erteilte die Bonner Ökonomin in der "Welt" eine klare Absage. „Wenn man den Bürgern jetzt zusätzliche Steuern aufbürdet, um die Flüchtlinge zu finanzieren, wäre das politisch ein falsches Signal. Dadurch schafft man erst recht Animositäten.“ Abgesehen davon gebe es angesichts der derzeit guten fiskalischen Lage keine Notwendigkeit, über Steuererhöhungen nachzudenken.

Wachstumstreiber wieder vermehrt in entwickelten Länder

Mit Sorge blickt die Spitzenökonomin derzeit auch auf die Finanzwelt und China, dessen wirtschaftliche Abkühlung eine Exportnation wie Deutschland besonders stark treffen könne. „Wir rechnen im Sachverständigenrat bisher nicht mit einer harten Landung der chinesischen Konjunktur. Wenn es in China allerdings wirklich zu einer deutlichen Abschwächung des Wachstums kommt, wird das Auswirkungen auf das deutsche Wirtschaftswachstum haben. Dann müssten wir unsere Prognose von 1,6 Prozent Wachstum in diesem Jahr überdenken“, so Schnabel weiter. Derzeit gebe es dafür allerdings noch keine Veranlassung. „Wir sehen allerdings, dass sich die Wachstumstreiber der Weltwirtschaft weiter verschieben: weg von den Schwellenländern und wieder stärker hin zu den entwickelten Ländern, vor allem USA und Großbritannien.“



Verpassen Sie keine Nachrichten von Redaktion w:o
Abonnieren Sie jetzt Ihren Lieblingsautor
Ich habe die Allgemeinen Nutzungsbedingungen und die Datenschutzerklärung gelesen und stimmt diesen zu.
Autor abonnieren
Wir respektieren Ihre Privatsphäre, es werden keine Daten an Dritte weitergegeben!
Verpassen Sie nichts mehr aus der wallstreet:online Redaktion!
Newsletter kostenlos abonnieren

Schreibe Deinen Kommentar

 

Kommentare

Vielen Dank,wenn einer noch schnell etwas aus der New York Times zitieren möchte,was da über Fr.Dr.Merkel steht,dann würd ich mir glatt noch ne Tüte Chips holen und den Abend so richtig genießen !
Villeicht hilft es,wenn wir die Tageszeitungen künftig zb auf Spielplätzen auslegen,wo früher unsere kinder spielten,...

Disclaimer

Weitere Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel