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Gerüchte über Anleihe-Rückkauf Pleite oder Comeback - Wohin steuert die Deutsche Bank?

11.02.2016, 11:13  |  4578   |   |   

Auf den massiven Vertrauensverlust der Investoren reagiert die Deutsche Bank und will laut Gerüchten Anleihen zurückkaufen. Gelingt ihr damit der Befreiungsschlag oder geht die Talfahrt der Aktie dennoch weiter?

Nach dem Kurseinbruch schießt die Aktie der Deutschen Bank um 15 Prozent nach oben: Grund sind Meldungen, wonach das Institut darüber nachdenkt, für Mrd. von Euro vorrangige Anleihen zurückzukaufen (Mehr dazu hier: Anleihe-Rückkauf zündet Kursrakete: Aktie der Deutschen Bank geht durch die Decke). Mit einem derartigen Schritt würde die Bank signalisieren, dass sie genug Geld hat, und versucht damit verlorengegangenes Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen. Zuletzt waren Sorgen hochgekocht, dass das Institut möglicherweise nicht genug Geld haben könnte, um von seinen nachrangigen Anleihen die sogenannten CoCo-Bonds zu bedienen.

Contingent Convertible Bonds, kurz CoCo-Bonds, sind Zwangswandelanleihen. Sie werden als zusätzliches Kernkapital anerkannt. Diese nachrangigen Anleihen werden beim Eintreten vorher festgelegter Kriterien, also im Krisenfall, in Aktien umgewandelt (Lesen Sie hierzu auch: Vorsicht, Coco-Bonds lindern keine Bankenkrise, sie verschärfen sie!). Die Deutsche Bank hat mehrere CoCo-Anleihen im Volumen von 4,6 Mrd. Euro ausgegeben. Viele Investoren haben Sorgen wegen der schwachen Kapitaldecke der Deutschen Bank, weshalb die Coco-Bonds eingebrochen sind. Nach der Meldung über mögliche Anleihenrückkäufe steigt der Kurs des Coco-Bonds mit einer Verzinsung von sechs Prozent kräftig auf 76 Prozent. Damit liegt er aber immer noch meilenweit unter den 100 Prozent von Mitte 2015.

Hier der Drei-Monatschart:

Warum kauft die Deutsche Bank statt der CoCo-Bonds vorrangige Anleihen zurück? Weil sich durch einen Rückkauf und eine Einziehung der CoCos das harte Kernkapital verringern würde. Der Kauf vorrangiger Anleihen macht aber wenig Sinn und dürfte daher nur zu einer kurzen Erholung der Aktie führen. Denn durch den Rückkauf würden Mrd. von Euro von der Deutschen Bank abfließen. In einer Krise sollte man genau das Gegenteil davon tun.

CDS-Engagement von 52 Billionen Euro

Kopfzerbrechen bereitet Investoren das Engagement der Deutschen Bank  bei Credit Default Swaps (Kreditausfallversicherungen, kurz CDS). Mit den Papieren wetten Investoren auf Entwicklungen an den Aktien, Anleihen-, Währungs- und Rohstoffmärkten. Das Engagement der Deutschen Bank bei CDS beläuft sich auf rund 52 Billionen Euro. Das ist das 17,2fache der Wirtschaftsleistung Deutschlands. Je mehr sich der Börsencrash ausweitet, umso mehr wächst das Risiko, dass es zu Problemen im CDS-Bereich der Deutschen Bank kommt.

Wegen dieser Sorge schießen die CDS auf die Deutschen Bank nach oben. Damit sichern sich Investoren gegen einen Ausfall ab oder wetten genau darauf. Nachdem sie am Ende 2015 noch bei 100 Basispunkten gelegen hatten, haben sie sich mehr als verdoppelt auf 243,2 Basispunkte. Ein Basispunkt bei CDS zur Absicherung von zehn Millionen Euro für fünf Jahre gegen einen Ausfall bedeutet eine Zahlung von 1.000 Euro pro Jahr. Die Absicherung gegen einen Ausfall der Deutschen Bank kostet also herbe 243.000 Euro pro Jahr.

Notenbanker verschärfen die Bankenkrise

Die Lage der europäischen Institute könnte sich in den nächsten Monaten weiter verschlechtern, vor allem wenn die EZB ihre irrwitzige Politik noch weiter auf die Spitze treiben sollten. Je weiter die Zinsen in der Euro-Zone in den negativen Bereich sinken, umso mehr kommen die europäischen Banken in die Bredouille, weil der Zinsüberschuss der hiesigen Institute immer weiter sinkt. Wenn EZB-Chef das QE-Gelddruckprogramm aufstocken und die Strafzinsen noch tiefer in den negativen Bereich drücken sollte, wird sich die Lage der Institute nicht etwa verbessern, sondern verschlimmern.

Der Kursanstieg bei der Aktie der Deutschen Bank dürfte nur von kurzer Dauer sein. Dann sollten sich Investoren wieder auf die Fundamentaldaten fokussieren, woraufhin die Papiere wieder kräftig unter Druck kommen dürften. Ein Ausweg aus der Krise ist nicht in Sicht, zumal die EZB mit noch aggressiveren Maßnahmen die Probleme nur dramatisch verschlimmern würden.



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