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Nachhaltigkeit versus Wählergunst Die Länder der Eurozone könnten längst schuldenfrei sein. KÖNNTEN, wohl bemerkt.

17.08.2016, 12:09  |  3269   |   |   

Bei der Währungsumstellung zum Euro ergab sich für viele Länder Europas ein einmaliger Zinsvorteil. Dieser hätte locker zum raschen Schuldenabbau genutzt werden können. Stattdessen wurden aber noch mehr Verbindlichkeiten angehäuft. Ziel: politischer Machterhalt. 

In Sachen Haushaltsführung lässt sich das Schicksal so mancher Politiker durchaus mit dem einiger Bankenmanager während der Finanzkrise vergleichen. Der Reiz zum unvernünftigen, weil kurzfristigen Handeln ist allgegenwärtig, dem nachhaltigen Finanzmanagement stehen zu hohe und kaum ignorierbare Opportunitätskosten entgegen. Im Falle der Politiker manifestieren sich diese jedoch nicht in Form exzessiver Gehälter oder Boni, sondern in Form von Wählerstimmen. 

Wie eine Studie nun zeigt, haben sich viele Regierungen nach der Errichtung der europäischen Währungsunion eindeutig für die kurzfristigen Machtgewinne entschieden und eine nachhaltige Hauhshaltspolitik erst einmal auf Wiedervorlage bis zur nächsten Legislaturperiode gelegt. Einem Bericht der "Welt" zufolge, habe keines der elf Euro-Gründungsländer seine Schulden zwischen 1995 und 2005 reduzieren können, obwohl sie die einmalige Chance dazu gehabt hätten. Denn mit der Währungsumstellung ergab sich für jedes Land ein unterschiedlich hoher Zinsvorteil. 

Am größten war dieser für den Krisenstaat Italien. Wo Rom vor dem Euro noch 12,60 Euro für eine Verbindlichkeit von 100 Euro zahlen musste, waren es nach der Umstellung nur noch 3,60 Euro. Mit einem Entlastungseffekt von 8,6 Prozentpunkten hätte sich das Land bis heute locker entschulden können, wären diese Einsparungen in sofortige Tilgungszahlen geflossen.

Passiert ist jedoch das Gegenteil. Innerhalb von 11 Jahren hat sich der Schuldenberg nochmal um 800 Milliarden Euro auf 2,25 Billionen Euro vergrößert. Auch in Spanien sowie in Portugal hätte der jähe Zinsrutsch für einen zügigen Schuldenabbau sorgen können. Doch ist die Pro-Kopf-Verschuldung dortzulande seit 1995 um das Dreifache, bzw. um das Vierfache angestiegen. 

"Der Eintritt in die Währungsunion eröffnete vor allem für die strukturschwachen Staaten Südeuropas eine historische Chance", sagt der Ökonom Thomas Straubhaar der "Welt". Die Länder hätten über Nacht die deutsche Stabilität erben können.

"Im Nachhinein muss man feststellen: Die Chance wurde leichtfertig verspielt." Anstatt zu sanieren, hätten die Regierungen das Geld eher für "laufende Wünsche" ausgegeben. "Heute werden die Länder von der Vergangenheit eingeholt", so Straubhaar.
 
Kritiker haben jedoch eine Reihe von Einwendungen, die sie gegen diese Aussage anführen. Demnach würden Tilgungszahlungen ohnehin selten auf einen Schlag fällig, weswegen die günstigen Konditionen schlichtweg nicht nutzbar waren, um alles sofort abzubezahlen. Darüber hinaus steht grundsätzlich die Debatte im Raum, ob es für Staaten zwingend notwendig ist, komplett schuldenfrei zu sein. Denn öffentliche Invesitionen kommen zum großen Teil auch den zukünftigen Generationen zugute, die daher an den Kosten in Form von Schuldenrückzahlungen mitbeteiligt werden müssen. 


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Kommentare

Haha,..wenn die schuldenfrei wären,dann könnten sie Merkel nicht mehr schänden und schleppen schicken,das wäre ja ziemlich dämlich,von denen,nein,nein,...hier bleibt alles beim Alten,genau dasselbe Schema,wie vor über 40 Jahren,als wir das letzte mal von einer Gemeinschaftswährung geschröpft wurden,dieselben Betrügereien,dieselben Geldwäschereien,dieselben Opfer,und die Täter wurden auch nur deswegen gerettet,weil man schon jetzt hofft,nach dem Scheitern des Euro,in 30-40 Jahren,wieder mit denselben Methoden deutsche zu schänden und Gesellschaft neu zu gestalten,wenn die Gestalten wieder pleite gebonzt haben,um vor den Passagieren ins Rettungsboot zu springen.
...wenn es denn endlich wieder heist,wir machen uns fit,für Europa,mit Rentner,Witwen und Krüppelschändung,mit Rechtsbeugung und Rechtsschändung,...alles vorher säuberlich vorbereitet,damit wir unsere Schandklüngel haben,falls doch einer Klage erhebt!
Au,warte,ich hätte meine Kindheitserlebnisse am liebsten vergessen,aber es fällt eben im Alter alles nochmal auf einen zurück,ich habe keinen Zweifel mehr,nicht meine Schuld,dass ich hier nicht raus gekommen bin,wer kann,der sollte rennen!
Bei dem letzten Absatz dreht sich mir fast der Magen um.

Beispiel:
>>> Denn öffentliche Invesitionen kommen zum großen Teil auch den zukünftigen Generationen zugute, die daher an den Kosten in Form von Schuldenrückzahlungen mitbeteiligt werden müssen.

Was die zukünftigen Generationen angeht, sieht man ja gerade, was in Griechenland (und nicht nur dort) passiert.
Privatisierung heißt das Zauberwort.
Gläubiger (Erpresser) und (korrupte) Politiker sorgen schon dafür, dass das "Volkseigentum" verschärbelt wird.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/08/20/ausverkauf-griechenland-muss-wasser-energie-und-strassen-privatisieren/

Gerade kürzlich wurde im TV über aktuelle Privatisierungen in GL berichtet.
Auf großer Einkaufstour ist hier auch der in Genf residierende Multimilliardär Spiros Latsis sein.
Zu dessen Imperium gehört auch die griechische Eurobank. Jene Bank, der noch im Jahre 2012 4,2 Milliarden Euro aus dem Euro-Rettungsschirm zugeflossen sind.

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/latsis100.html

So funktioniert Umverteilung heute :(

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