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Under Armour Viele Vorschusslorbeeren enthalten – und jetzt?

03.10.2016, 13:14  |  724   |   |   

Wenn es um große Anbieter von Sportbekleidung geht, dann denken die meisten wohl an Adidas (WKN: A1EWWW / ISIN: DE000A1EWWW0) und Nike (WKN: 866993 / ISIN: US6541061031). Und das ist ja auch nicht verkehrt. Wer diese Thematik jedoch unter Investment-Gesichtspunkten sieht, der sollte sich auch diesen aufstrebenden Anbieter von Sportbekleidung ansehen: Under Armour (WKN: A0HL4V / ISIN: US9043111072)!

Der Aktienkurs hat per Ende September eine 3-Jahres-Performance von rund +130% in Euro gerechnet. Und das operative Geschäft von Under Armour ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Das ist doch auch für Turnbeutelvergesser Anlass genug, sich diese Aktie einmal etwas genauer anzuschauen:

Under Armour ist gar nicht mehr so klein, sondern hat inzwischen „Puma“ vom dritten Platz in Bezug auf die Größe der Sportbekleidungshersteller verdrängt. Platz 1 und 2 sind nach wie vor für Nike und adidas „reserviert“. Grundsätzlich ist es nicht verkehrt, wenn ein Unternehmen nicht im Rampenlicht der Investoren steht – denn dann ist es auch meistens recht teuer (wenn das Rampenlicht auf Erfolge gerichtet ist). Beginnen wir – vor dem Blick auf die Geschäftszahlen des Unternehmens – auch hier zunächst mit dem Blick auf den Chart der Aktie dieses Anbieters von Sportbekleidung:

Under-Armour-Chart (USD): finanztreff.de

Under-Armour-Chart (USD): finanztreff.de

Under Armour: Von 11,50 auf 50 auf 40…

Dargestellt ist der Kursverlauf der Under Armour-Aktie seit dem Frühjahr 2012. Das weckt Phantasien der Art „hätte ich“. Ja, hätte ich doch diese Aktie Anfang 2013 für rund 11,50 Dollar verkauft und mich dann über den Kursanstieg auf über 50 Dollar im Jahr 2015 gefreut. Doch hätte, hätte, Fahrradkette – wir leben im jetzt. Und was wäre gewesen, wenn Sie zu 50 Dollar im Jahr 2015 gekauft hätten, und dann Ende September 2016 einen Kurs von knapp 40 Dollar gesehen hätten?

Eine vernünftige Bewertung der Aktie sollte im Grunde unabhängig vom eigenen Einstandskurs erfolgen. Ist eine Aktie kaufenswert, dann ist sie kaufenswert – unabhängig davon, ob man selbst bereits zu einem viel höheren oder viel niedrigeren Kurs gekauft hat. Und ist sie verkaufenswert, dann sollte besser auch verkauft werden – auch wenn dann ein Buchverlust realisiert wird. Doch das muss natürlich jeder Anleger bzw. jede Anlegerin für sich selbst entscheiden, es geht schließlich um sein bzw. ihr Geld.

Under Armour: Die charttechnische Situation

Charttechnisch ist es bei Under Armour durchaus interessant. Denn seit Erreichen der Höchstkurse im Jahr 2015 gab es bedeutende Gewinnmitnahmen. Entsprechend 1-Jahres-Performance der Aktie auch mit rund -20% deutlich im negativen Bereich. Gleichzeitig hat sich im Chart nun eine Dreiecksformation herausgebildet. Bei einer solchen Formation ist es wahrscheinlich, dass in der „Spitze“ ein Ausbruch erfolgen wird, der die Richtung des folgenden Trends vorgeben wird. Derzeit ist s noch völlig offen, in welche Richtung dieser Ausbruch erfolgen wird. Das könnte sich unter charttechnischen Gesichtspunkten durchaus lohnen, diese Situation im Blick zu behalten! Nun der Blick auf die Fundamentaldaten von Under Armour:

Der Blick auf die jüngsten Geschäftszahlen von Under Armour:

Die jüngsten Geschäftszahlen von Under Armour sind die zum zweiten Quartal 2016. Für diesen Zeitraum meldete Under Armour diese Zahlen:

Eckdaten Zahlen zweites Quartal Under Armour

– Die Umsätze stiegen um 28% auf ziemlich genau 1,0 Mrd. Dollar (nach 784 Mio. Dollar im entsprechenden Vorjahreszeitraum)
– Der operative Gewinn hingegen sank um 39% auf nur noch 19 Mio. Dollar, nach 32 Mio. Dollar im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
– Ganz unten unter dem Strich blieb ein Netto-Gewinn von 6 Mio. Dollar – nach 15 Mio. Dollar im zweiten Quartal 2015. Das entsprach einem Rückgang von 58%.
– Es blieb unter Berücksichtigung diverser Sonderfaktoren ein Gewinn pro Aktie im zweiten Quartal von gerade einmal 0,01 Dollar = 1 Cent.
Quelle: Under Armour. Die kompletten Quartalszahlen finden Sie direkt auf der „Investor Relations“-Seite des Unternehmens unter diesem Link.

Sonderfaktor „Sports Authority“ Pleite

Der starke Rückgang beim operative Gewinn relativiert sich, wenn man berücksichtigt, dass laut Firmenangaben Belastungen in Höhe von 23 Mio. Dollar für die Liquidation von „Sports Authority“ angefallen sind. Diese Kette von Sportartikel-Geschäften ging in die Insolvenz, was auch Under Armour negativ getroffen hat. Dennoch: Ein Gewinn pro Aktie von gerade einmal einem Cent ist nicht gerade üppig, um es einmal so auszudrücken.

Der Gewinn pro Aktie war im zweiten Quartal gering

Ganz anders hatte es noch im ersten Quartal ausgesehen: Da war das Ergebnis pro Aktie (verwässert) sogar um 62% auf den Betrag von 4 US-Cents je Aktie gestiegen. Vor diesem Hintergrund ist die schwache Kursentwicklung des Aktienkurses in den letzten Wochen keineswegs überraschend – sondern absolut nachvollziehbar. Denn: Die Bewertung der Aktie ist gemessen am Gewinn recht hoch. Nehmen wir doch zur vereinfachten Berechnung die 4 Cents pro Aktie Gewinn im ersten Quartal und den einen Cent Gewinn pro Aktie im zweiten Quartal. Zusammen sind das 5 Cents Gewinn im ersten Halbjahr. Das ist sehr wenig – aber hier gilt es zu bedenken, dass bei Under Armour das zweite Halbjahr üblicherweise gewinnträchtiger ist. Das lässt sich beziffern:

Under Armour: 5 Cents versus 93 Cents

Im letzten Kalenderjahr erzielte das Unternehmen im dritten Quartal 45 Cents Gewinn pro Aktie und im vierten Quartal sogar 48 Cents Gewinn pro Aktie, zusammen also 93 Cents pro Aktie. Vergleichen Sie das einmal mit den 5 Cents, die bis jetzt = im ersten Halbjahr 2016 angefallen sind. Mit anderen Worten: Es kommt nun darauf an, dass Under Armour im dritten und im vierten Quartal in Bezug auf den Gewinn „liefert“. Positiv ist zu vermerken, dass die Umsätze weiter steigen. Die Marke Under Armour ist offensichtlich gefragt und hat den Zenit noch nicht überschritten. Das Problem ist, dass die Aktie keineswegs mehr unbekannt ist und bei einem aktuellen Kurs von rund 40 Dollar sind viele Vorschusslorbeeren enthalten.

Mein Fazit: Die kommenden beiden Quartale sind sehr wichtig!

Viele Vorschusslorbeeren enthalten – das bedeutet im Umkehrschluss: Jede Enttäuschung bei den kommenden Quartalszahlen könnte abgestraft werden. Denn bedenken Sie: Sollte Under Armour im zweiten Halbjahr erneut exakt 93 Cents je Aktie verdienen, wären das aufs Gesamtjahr bezogen insgesamt 98 Cents (5 Cents Gewinn im ersten Halbjahr). Bei einem Kurs von rund 40 Dollar würde dies einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut 40 entsprechen! Das ist absolut gesehen und auch im Branchenvergleich keineswegs günstig. Insofern gilt für Under Armour derzeit: Ein gutes Unternehmen – mit einer hoch bewerteten Aktie. Für mögliche Käufe der Aktie ist das nicht besonders interessant.

Michael VaupelEin Beitrag von Michael Vaupel

Michael Vaupel, diplomierter Volkswirt und Historiker (M.A.), Vollblut-Börsianer. Nach dem Studium Volontariat und Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Internet, Derivate, Rohstoffe). Er ist gefragter Interview- und Chatpartner (N24, CortalConsors). Ethisch korrektes Investieren ist ihm wichtig.
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Bildquelle: Michael Vaupel / Pressefoto Under Armour

Themen: Dollar, Invest, ISIN


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Christoph Scherbaum M.A. und Diplom-Betriebswirt Marc Schmidt sind die Gründer von dieboersenblogger.de. Der Social-Börsenblog wurde Ende 2008 im Zeichen der Finanzkrise von den zwei Finanzjournalisten gegründet und hat sich seither fest in der Börsenmedienlandschaft etabliert. Heute schreibt ein gutes Dutzend Autoren neben Christoph Scherbaum und Marc Schmidt über Aktien, Geldanlage und Finanzen. Weitere Informationen: www.dieboersenblogger.de.

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