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Quartalsergebnisse als Treiber für die Aktienmärkte?

Gastautor: Sven Weisenhaus
11.10.2016, 10:21  |  399   |   |   

Liebe Leserinnen und Leser,

dass die Aktienmärkte einen neuen Treiber brauchen, wenn die Geldschleusen der Notenbanken allmählich geschlossen werden, darauf hat Sven Weisenhaus in den vergangenen Wochen hier mehrfach zu Recht verwiesen. Diesseits und jenseits des Atlantiks gab es nun zuletzt ermutigende Konjunkturdaten. In den Ergebnissen und Erwartungen der Unternehmen niederschlagen sollte sich aber auch eine gute Konjunktur. Eine besondere Bedeutung zu kommt damit der beginnenden Quartalsberichtssaison. Sie könnte womöglich sogarfür die Aktienmärkte ein neuer Treiber werden.

Wieso das dritte Quartal so wichtig ist

Eine der wichtigsten Berichtssaisons des Jahres ist die zum dritten Quartal dabei onehing schon: Weitgehend fest liegen die Tendenzen für die Jahresbilanzen der Unternehmen, abgesehen vom Handel und einigen anderen Branchen, wie der Mode- und Elektronikindustrie. Relativ gut absehbar ist zu diesem Zeitpunkt selbst der Verlauf des Weihnachtsgeschäfts – und wird damit umgehend eingepreist.

Das laufende Jahr ist damit für die Börsianer weitgehend abgehakt. Also richten sich ihre Blicke nach vorn. Daher geben die meisten Unternehmen spätestens mit den Ergebnissen für das dritte Quartal auch einen ersten Ausblick auf das nächste Jahr. Die Analysten aktualisieren mit diesen Daten ihre Bewertungsmodelle für das Folgejahr. Und daraus ergeben sich dann unter Umständen neue Signale für die Aktienmärkte aus fundamentaler Sicht. Im Idealfall führt dies zum Beispiel zu der bekannten Jahresendrally.

Kann es zu einem erneuten Gewinnrückgang kommen?

Auf den ersten Blick sieht es jedoch für die aktuelle Berichtssaison nicht sonderlich rosig aus. Für die Unternehmen im S&P 500 erwarten die Analysen noch einen weiteren Gewinnrückgang. Es wäre der sechste in Folge. Eine derart lange „Gewinnrezession“ wäre noch nie dagewesen!

Diese Erwartung resultiert aus einem Rückgang der Gewinnschätzungen in den vergangenen Wochen: Noch im Juli hofften die Analysten auf gleichbleibende Gewinne. Aufgrund der immer noch durchwachsenen Ergebnisse des zweiten Quartals senkten sie nach und nach ihre Erwartungen für das dritte Quartal – ein Phänomen, das uns inzwischen schon seit Jahren leider nur allzu vertraut ist.

Allerdings ist dieser Rückgang der Analystenschätzungen (von +/- 0 % im Juli auf aktuell -2,9 %, also um 2,9 Prozentpunkte) der kleinste seit Langem. Im Durchschnitt der vergangenen vier Quartale lag diese „Abwärtsrevision“ bei 4,9 Prozentpunkten. In den vergangenen 20 Quartalen (= fünf Jahre) – etwa solange erleben wir das schon! – lag der Wert durchschnittlich bei 4,3 Prozentpunkten.

Zurück kehrt der Optimismus

Wenn es also nach den Analysten geht, dann sollen die Gewinne der größten US-Unternehmen im dritten Quartal um 2,9 % gesunken sein. Damit sind allerdings die Analysten so „optimistisch“ wie lange nicht mehr. So befürchteten sie für das zweite Quartal einen Gewinnrückgang von 6,2 %. Ähnlich war es in den Quartalen davor.

In der Regel waren die tatsächlichen Ergebnisse der Unternehmen am Ende aber besser. Sie fielen in den vergangenen Quartalen um zwei bis drei Prozentpunkte höher aus, als von den Analysten geschätzt. Wenn es diesmal auch so kommt, dann könnte es am Ende im besten Fall sogar ein kleines Plus geben!

Die bisher genannten Zahlen beziehen sich auf die kumulierten Nettogewinne der S&P500-Unternehmen. Diese enthalten stets einige nicht korrigierbare Sondereinflüsse. Wenn man wissen will, wie gut oder schlecht das eigentliche Geschäft der Unternehmen läuft, dann ist oft ein Blick auf die operativen Gewinne aussagekräftiger (siehe folgende Grafik).

S&P Q-Gewinne/-Umsätze ab Q1-2014

(Quelle: Standard & Poor’s)

Bereits erreicht ist die Trendwende bei den operativen Gewinnen 

Hier könnte die „Gewinnwende“, die sich bei den Nettogewinnen erst andeutet, bereits eingetreten sein: Ein sattes Plus von gut 15 % könnten die Unternehmen im dritten Jahr eingefahren haben (siehe hellrote Säule ganz rechts)! Nachdem bereits seit dem ersten Quartal 2016 die Umsätze (blaue Säulen) wieder leicht zulegen, könnten also nun auch die operativen Gewinne wieder wachsen.

Aber selbst wenn es so kommt: All diese Zahlen sind letztlich schon Vergangenheit. Es wird darauf ankommen, dass diese positiven Ergebnisse auch aus Sicht der Unternehmen Teil eines nachhaltigen Trends sind. Nur dann werden sie sich auch für das kommende Jahr optimistisch geben und damit auch den Börsen wieder Fantasie einhauchen.

Aus Sicht der Analysten ist eine solche Trendwende zum Positiven durchaus möglich. Sie rechnen auch bei den Nettogewinnen spätestens ab dem ersten Quartal 2017 wieder mit zweistelligen prozentualen Steigerungen. Das ist nicht nur der übliche Optimismus der Analysten. Ab dann sollte auch der Energiesektor wieder die Gewinndimension erreichen, wie sie 2015 an der Tagesordnung war. Und damit würde einer der wesentlichsten Belastungsfaktoren auch für die Gewinnentwicklung des S&P 500 insgesamt wegfallen.

Es könnte in den kommenden Wochen zur Entscheidung kommen

Die kommenden vier Wochen könnten also für die Märkte entscheidend werden. Das gilt insbesondere natürlich für die US-Börsen. Hier haben alle große Indizes in jüngste Zeit neue Allzeithochs erreicht. Diese starken positiven Signale führten allerdings bisher nicht zu der üblichen Fortsetzung der Rally. Damit drohen immer noch massive bearishe Signale – in Form nachhaltiger Fehlausbrüche an den alten Allzeithochs.

Die laufende Berichtssaison hat zweifellos das Potenzial, diese Entscheidung zu bringen und den Börsenverlauf der nächsten Wochen und Monate zu bestimmen. Sie sollten daher zunächst weiterhin vorsichtig bleiben. Machen Sie sich aber bereit, einem möglichen neuen Signal zu folgen. Mehr dazu, wenn es soweit ist.

Mit besten Grüßen

Ihr Torsten Ewert

(Quelle: www.stockstreet.de)

Wertpapier: DAX


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Sven Weisenhaus ist seit Trader und Börsenexperte. Seine Erfahrungenund Analysen veröffentlicht er als Redakteur in verschiedenen Börsenpublikationen. Unter anderem veröffentlicht er seit Dezember 2012 den kostenlosen Börsendienst "Geldanlage-Brief". Zudem gehört er seit einigen Jahren zum Team von Stockstreet.de und schreibt dort seit Anfang 2016 für den kostenlosen Börsendienst "Börse - Intern".

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