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Darum sind die Medien so enttäuscht von Wells Fargo

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
13.10.2016, 15:00  |  1200   |   |   
Foto: iStock/Thinkstock.

Ich habe fünf Jahre lang positiv über Wells Fargo (WKN:857949) berichtet. Und nun fühle ich mich wie ein blauäugiger Idiot. Und ich bin nicht der Einzige. Es gibt zahlreiche andere Analysten und Kommentatoren, die genau das Gleiche getan haben – einschließlich Warren Buffett.

Wir sind der Propaganda der Bank auf den Leim gegangen.

Wir haben dem Vorstandsvorsitzenden und CEO John Stumpf geglaubt, als er gebetsmühlenartig wiederholte, welche Werte und Visionen die Bank teilt.

Und für diejenigen von uns, die ihm dies geglaubt haben, sind hier noch mal die wichtigsten Sätze:

Der Grund, warum wir am Morgen aufstehen, ist, unseren Kunden zu helfen, finanziell erfolgreich zu sein und ihre finanziellen Bedürfnisse zu erfüllen. Im Ergebnis verdienen wir damit Geld. Es ist niemals andersherum.

Und…

Unsere Vision hat nichts mit Transaktionen, dem Verkauf von Produkten oder dem Größerwerden allein aus wirtschaftlichen Gründen zu tun. Es geht darum, lebenslange Beziehungen mit jedem einzelnen Kunden aufzubauen.

Und…

Wir sagen “Team-Mitglieder” nicht “Angestellte”, da unsere Leute Ressourcen sind, in die wir investieren und keine Ausgaben, die verwaltet werden müssen. Außerdem ist Teamarbeit wichtig für unseren Erfolg, Kunden zu helfen.

Und…

Wir müssen uns das Vertrauen [unserer Kunden] jeden Tag verdienen, indem wir uns ethisch verhalten und offene, ehrliche, Kommunikation in beide Richtungen belohnen und verantwortlich sind für Entscheidungen, die wir treffen, und Handlungen, die wir ausführen.

Und…

Unsere Kunden sind unsere Freunde. Wir behandeln sie wir unsere Gäste.

Und so weiter und so fort.

Natürlich wissen wir jetzt, dass viel davon eine Farce war.

Dies war eine Strategie, die Aufmerksamkeit davon abzulenken, was wirklich in der drittgrößten Bank der USA nach Vermögen vor sich geht.

Ja, ich habe die Bank in der Vergangenheit oft verteidigt. Wells Fargo hat es durch die Finanzkrise geschafft. Da ist beachtlich. Und es ist lobenswert.

Zwar rühmte sich die Bank damit, 2008 keine finanziellen Hilfen in Anspruch genommen zu haben und verachtete Wettbewerber wie die Bank of America dafür, dass sie wachsen, einfach des Wachsens Willen. Aber nun wissen wir, dass sie gleichzeitig riesigen Druck auf die am schlechtesten bezahlten Angestellten ausgeübt haben, um mehr Finanzprodukte zu verkaufen, die ihren Kunden Schaden zufügen.

Und das ging jahrelang so – vielleicht schon seit 2008, als Wells Fargo von der Norwest Bank übernommen wurde (dort kamen Stumpf und sein Vorgänger Richard Kovacevich her).

Als der Betrug von Millionen Kunden aufflog, was tat Stumpf da?

Er schob die Schuld seinen „Team-Mitgliedern“ in die Schuhe.

Aber nicht jedem Team-Mitglied, sondern nur denen ganz unten. Die, die für 14 US-Dollar pro Stunde geschuftet haben.

Hier kannst du nachlesen, wie er die sehr reiche Managerin beschrieb, die die Abteilung geleitet hatte, in der der Betrug stattfand. Diese Managerin wurde erst lange nachdem der Betrug öffentlich wurde, entlassen.

Eine vertrauenswürdige Kollegin und gute Freundin. Carrie Tolsted war eine unserer wertvollsten Führungskräfte bei Wells Fargo. Eine Bewahrerin der Kultur, ein Champion für Kunden und ein Vorbild für verantwortungsvolle, prinzipientreue und partizipative Führung. Dank ihrer Leidenschaft, den Kunden zu dienen, wo auch immer sie Bankdienste in Anspruch nahmen – online, in den Filialen oder auf dem Mobiltelefon – verlässt Carrie Wells Fargo in einer einzigartigen Position, um weiterhin eine Führungskraft im Bankgeschäft zu sein. Egal, wie sich die Zukunft des Bankwesens entwickelt. Wir teilen den Stolz auf ihr Vermächtnis, ihre Erfolge und ihr Talent, welches sie zurücklässt.

Das ist aberwitzig. Tolstedt war eine Bewahrerin der Kultur von Wells Fargo? Ein Vorbild für verantwortungsvolle, prinzipientreue Führung? Sie diente den Kunden mit Leidenschaft?

Zwei Millionen falsche Konten wurden unter ihrer Aufsicht eröffnet. ZWEI MILLIONEN! 5.300 Angestellte wurden entlassen, bei dem Versuch acht Finanzprodukte an jeden Kunden zu verkaufen, selbst oder vielleicht gerade an anfällige, ältere Personen, die nur wenig Geld pro Monat zur Verfügung haben.

Um die Sache noch schlimmer zu machen, wurden einige Mitarbeiter, die versucht haben, die Sache öffentlich zu machen und sogar Stump direkt geschrieben haben, entlassen.

Aber nicht einfach nur entlassen.

Wenn man den zahlreichen Berichten glauben kann, die für mich glaubwürdig klingen, schwärzten die Manager von Wells Fargo diese Mitarbeiter in den offiziellen Bankaufzeichnungen an. Damit wurde es für diese Leute unmöglich, einen anderen Job im Bankbereich zu finden.

Darüber solltest du für eine Sekunde nachdenken…

Es gibt Leute, die bereits so wenig Geld verdienen, dass sie nur mit Mühe ihre Familie über die Runden bringen können. Und dann versucht Wells Fargo, ihnen die Chance zu nehmen, sich selbst – und in vielen Fällen auch ihre Kinder – zu versorgen.

Es wäre schon schlimm, wenn Citigroup, mit ihren zahlreichen Vorfällen, so etwas getan hätte. Aber ausgerechnet Wells Fargo?

Eines der seit einem halben Jahrhundert am meisten respektierten Unternehmen Amerikas?

Das Unternehmen, welches Warren Buffett in den 26 Jahren, in denen er der größte Aktionär war, immer wieder gelobt hat.

Ich denke, jeder von uns hat eine wichtige Lektion gelernt. Du darfst niemals glauben, was Manager sagen. Selbst, die scheinbar Besten könnten etwas zu verbergen haben.

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Dieser Artikel wurde von John Maxfield auf Englisch verfasst und am 11.10.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Wells Fargo. The Motley Fool hat die folgenden Optionen: Short Oktober 2016 50 US-Dollar Calls auf Wells Fargo. The Motley Fool empfiehlt die Bank of America.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

Wertpapier: Wells Fargo


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