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"Egomanischer, machiavellistischer Schulhofschläger" Trumps Grusel-Kabinett: Eine Liga der außergewöhnlich zwielichtigen Gentlemen

11.11.2016, 08:27  |  7344   |  21   |   

Mit seinen Wahlkampf-Parolen wollte der zukünftige US-Präsident Trump vornehmlich ärmere Bevölkerungsschichten ködern. Nun sieht es danach aus, als würde diese soziale Unterschicht bald von den reichsten und mächstigsten Männern der USA regiert. Die haben allerdings ihre ganz eigenen Interessen. 

Die Unterstützung des frisch gewählten US-Präsidenten Trump könnte sich für eine Reihe von umstrittenen Geschäftsmännern und Milliardären demnächst auszahlen. Denn einigen von ihnen winkt die Aussicht auf einen zukünftigen Kabinettsposten oder anderweitige Mitarbeit mit Weißen Haus. Ob sie für diese extrem hohe Verantwortung politische Erfahrung oder gar einen akademischen Abschluss mitbringen, scheint zweitrangig. Was sie hingegen alle eint, sind neben den vielen Nullen auf dem Konto, die zumeist radikalen wirtschaftspolitischen Ansichten und eine ausgeprägte Anti-Establishment-Haltung.

Nun hat der gestrige Tag zwar eindeutig gezeigt, dass ein überraschend großer Teil der von der Elite abgehängten US-Arbeiterklasse genau dieselbe rechtspopulistische Haltung einnimmt. Von ihren zukünftigen Volksvertretern im Weißen Haus dürften sie aber keine wirkliche Besserung ihrer finanziellen Lage erwarten. So war es Trumps' wichtigster Wirtschaftsberater Stephen Moore (56), der dem damaligen Präsidentschaftskandidaten dabei half, seine extrem neoliberalen Steuerpläne auszuarbeiten. Diese sehen Abgabesenkungen im großen Stil vor - hauptsächlich für Topverdiener. Laut "manager magazin" bestehen für den konservativen Ökonomen große Chancen, Teil des Trump'schen Beraterstabes zu werden. 

Wer kümmert sich um den Haushalt?

Für die Umsetzung der steuerlichen Umgestaltung könnte der ehemalige und langjährige Goldman-Sachs-Banker Steven Mnuchin (54) sorgen. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen" wird der heutige Filmproduzent mit hoher Wahrscheinlichkeit als neuer Finanzminister gehandelt. Schon in Trumps Wahlkampf kümmerte sich Mnuchin um die Spendenakquise sowie die Finanzierung von Aufrtitten, Werbemaßnahmen und allgemeiner Vermarktung. Politische Erfahrung hat er - wie sein Chef - keine. Er hat aber mal für den berühmten Hedgefondsmanager George Soros gearbeitet. Durch sein Tätigkeit an der Wall Street soll er mehr als 40 Millionen Dollar schwer sein. 

Das kann Managerschreck Carl Icahn (80) locker toppen. Mit einem geschätzten Vermögen von 17 Miliarden Dollar belegt er aktuell den 43. Platz auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt. Auch er kommt für den Posten des Finanzministers infrage, schon im Sommer letzten Jahres ließ Donald Trump durchblicken, dass er sich den Investor in diesem Ressort sehr gut vorstellen könne (wallstreet:online berichtete). Nach anfänglichem hin und her lehnte Icahn dieses Angebot zunächst erst einmal ab, doch womöglich hat er es sich ja bereits anders überlegt. Auf jeden Fall gehört der Hedgefonds-Manager zu den engeren Vertrauten Trumps. "Ich bin sehr glücklich", sagte er nach dem Wahlsieg seines Freundes. Das liegt vielleicht auch daran, dass er aus dem Endergebnis gleich mal wieder Profit geschlagen und in der Wahlnacht günstig und im großen Stil Aktien eingekauft hat. 

Wer darf den Klimawandel ignorieren?

Mindestens genauso glücklich dürfte der aus Oklahoma stammende Unternehmer Harold Hamm (71) über den Wahlausgang sein. Denn der Self-Made-Milliardär und Trump-Unterstützer könnte dem Vernehmen nach das Amt des Energieministers übernehmen. Als Gründer der Erdölfördergesellschaft Continental Resources hat sich Hamm bisher vor allem für die verstärkte Nutzung fossiler Brennstoffe und für das umstrittene Fracking-Verfahren eingesetzt - ein Ziel, dass sich ja bekanntlich sehr gut mit den klimapolitischen Absichten des zukünftigen Präsidenten deckt. 

Der ausgemachten Leidenschaft zum Öl steht auch die ehemalige Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin (52) in nichts nach. Laut "Bild" habe sie sich den Chefsessel im Energieministerium schon lange gewünscht. "Drill Baby, drill!" lautete ihr Leitspruch im Jahr 2008, als sie für das Amt der Vizepräsidentin kandidierte. Das hat zwar nicht geklappt, ihre Überzeugungen sind aber gleich geblieben. Nachdem im Jahr 2010 die BP-Ölbohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko explodierte, ganze Landstriche dadurch verseucht wurden und elf Arbeiter ums Leben kamen, nahm Palin die Ölindustrie in Schutz. "Ich bin großer Fan der Offshore-Bohrtechnik", erklärte sie in diesem Zusammenhang ein weiteres Mal (Quelle: "Spiegel"). Angeblich seien ihre Chancen auf den Traumposten aber trotz allem eher begrenzt. Daher habe sie sich selbst laut "Luxemburger Wort" auch schon als künftige Innenministerin in Stellung gebracht.

Umweltminister könnte womöglich Myron Ebell (62)werden. Dass es diesen Posten nun doch geben wird, sollte nicht als Sinneswandel Trumps verstanden werden. Denn Ebell ist Vorsitzender der sogenannten "Cooler Heads Coalition", eine Organisation, die den Klimawandel grundsätzlich infrage stellt. Als ehemaliger Lobbyist für die Tabak- und Ölindustrie hatte er den US-Beitritt zum Pariser Klima-Abkommen als "Verstoß gegen die amerikanische Verfassung" bezeichnet. 

Wer wird sich die "Kriminellen, Drogendealer und Vergewaltiger" zur Brust nehmen?

Die innere Sicherheit war eins der größten und wichtigsten Themen in Trumps Wahlkampf. Er wolle die Kriminalität und Gewalt im Land beenden, so sein Versprechen. Dass er für dieses Vorhaben definitiv keine Samthandschuhe anlegen wird, hatte er von Anfang an klargemacht. Nach Informationen des "Spiegel" schart er nun eine Riege von Hardlinern um sich, vor denen es schon jetzt Demokraten und gemäßigten Republikanern gleichermaßen graut.

So sei angeblich der rechtskonservative Ex-Lobbyist Newt Gingrich (73) als Kandidat für den Posten des Außenministers im Gespräch. Gingrich ist das dritte Mal verheiratet, wollte aber Bill Clinton im Rahmen seiner Praktikantinnen-Affäre mittels Amtsenthebungsverfahren aus dem Oval Office werfen lassen. Er war von Anfang an glühender Verfechter von Trump: "Die acht Regierungsjahre von Trump werden zu den außergewöhnlichsten, kreativsten und aufregendsten Perioden in der politischen Geschichte gehören. Sie werden Amerika wieder großartig machen, den Sumpf in Washington austrocknen, bessere Erfahrungen für alle Amerikaner kreieren", zitierte ihn die "Tagesschau".

Ein weiterer Anwärter für dieses Ressort sei der republikanische Senator und Millionär Bob Corker (64). Würde es nach ihm gehen, wären noch heute US-Truppen im Irak stationiert, außerdem bezeichnete er laut "Bild" Obamas Eingreifen in Afghanistan als "halbherzig". 

Wie das Boulevardblatt ebenfalls zu berichten weiß, gibt es auch bereits einen Favoriten für das Amt des Verteidigungsministers: Jeff Sessions (70). Das Ex-Mitglied im Militär-Kommitee des US-Senats findet großen Gefallen an Trumps Plan, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko errichten zu lassen, darüber hinaus befürwortet er die Idee von Massendeportationen illegaler Einwanderer. Zu Obamas Amtszeit waren ihm dessen Kürzungen des Militäretats offenkundig ein Dorn im Auge: „Ich bin zutiefst besorgt, dass dies unser Militär nachhaltig schwächen könnte“, habe er einmal gesagt. 

Eine weitere Personalie in Trumps Schattenkabinett dreht sich laut "manager magazin" angeblich um den New Yorker Ex-Bürgermeister Rudolph Giuliani (72). Dieser war zu seiner Amtszeit vor allem wegen seinem Hang zur rigorosen "Law-and-Order"-Politik gefürchtet. Mit ethischen Bedenken seiner Kritiker konnte Der Republikaner meist weniger anfangen, er wollte dem Kriminalitätsproblem seiner Stadt grundsätzlich lieber mit knallharten Gesetzen und drastischen polizeilichen Maßnahmen begegnen. Nun wird Giuliani von Trumps Beratern als Kandidat für den Posten des Justizministers ins Spiel gebracht.

Wer darf Trump weiterhin in seiner Ideologie bestärken?

Apropos Berater: Neben Moore und Mnuchin könnte noch ein weiterer Stephen mit Goldman-Sachs-Hintergrund in diesen Kreis einberufen werden. Als offizieller Chefberater von Trumps Wahlkampfteam kennt Stephen Bannon (62) seinen Kunden ja mittlerweile mehr als gut. Mit seiner politischen Haltung (er ist Gründer der rechten Website "Breitbart News") und seinem plump-frevelhaften Verhalten wäre er sicherlich eine der streitbarsten Figuren im Stab. Angeblich sei sein Ziel "die ultimative Zerstörung der politischen Elite mit fast jedem Mittel". Seine Mitarbeiter sollen Bannon einmal als "egomanischen, machiavellistischen Schulhofschläger" bezeichnet haben. Eine weibliche Mitarbeiterin habe er "Bimbo" genannt, der man "in den Arsch treten" müsse. Und da sich sein Chef natürlich nur mit Leuten aus der Finanzelite umgibt, sitzt auch er auf einem stattlichen Vermögen von 40 Millionen Dollar. 

Eng mit Bannon verbunden und auf der gleichen politischen Linie fährt auch Robert Mercer (70) - Hedgefondsmanager, Milliardär und großzügiger Trump-Unterstützer. Vielleicht springt auch für ihn ein Beraterposten heraus, genauso wie für John Paulson (60). Dessen Jahreseinkommen von fünf Milliarden Dollar macht den Spekulanten zum reichsten Mann auf der hier angeführten Liste der Trump-Fans. Seine goldene Nase hatte er sich vor allem durch den finanziellen Ruin tausender privater Häuslebauer während der US-Immobilienkrise verdient. Und da Paulson schon während des Wahlkampfs zum offiziellen Beraterkreis von Trump zählte, stehen seine Chancen, genau diese Menschen demnächst mitzuregieren ebenfalls nicht schlecht. Was für herrliche Aussichten... 

 

 



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Kommentare

Autor: Redaktion w:o
Sogar zu feige einen Namen für diesen einseitigen und extrem manipulativen Artikel anzugeben.
Wenn wundern da Wahlergebnisse wie bei Brexit und US-Präsidentwahl.
Es wird wahrlich Zeit, dass sich am System etwas verändert.
;)

Bild: https://lh3.googleusercontent.com/-4yM0vb3SIWI/WCTcwX3BDDI/AAAAAAAABhE/blbU8QrTQrsDkTgCECkJiQCY5PQfYl1GgCJoC/w1060-h1054-p/10.11.16%2B-%2B1
Diese Hetzkampagnen-Berichtserstattung der schon lange nicht mehr unabhängigen Journalisten wird auch ihr Ende finden. Manches Medium titelt bereits: "Präsident Trump: Doch ein passabler Präsident?"

Wie schön war doch die Zeit, in der es nur Tagesschau und Tageszeitung gab. Meinungsbeeinflussung war doch so einfach als es das Internet noch nicht gab.

Sollte W:O nicht die Kurve hinbekommen, habe ich hier noch ein paar Beispiele für weiterhin Mutti-Treue Berichtserstattung: "Schwarzer Tag für die Demokratie - Trump wurde gewählt". "Jetzt müssen wir weiter Schweinefleisch auf dem Speiseplan ertragen." oder auch: "wie konnten unsere Wahlprognosen so falsch liegen".

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