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Medien Mehr Fakten - weniger Zeigefinger:
Medien werden objektiver

Gastautor: Rainer Zitelmann
23.12.2016, 15:16  |  1446   |   |   

Die Berichterstattung in den Medien ist insgesamt in diesem Jahr sachlicher geworden. Man merkt das gerade in diesen Tagen. Was sind die Gründe dafür? Und was liegt immer noch im Argen?

Wer in diesen Tagen die Medienberichterstattung zu dem Berliner Terroranschlag verfolgt, kann eindeutig feststellen: Es gibt mehr sachliche und kritische Information und weniger Belehrung mit dem erhobenen Zeigefinger. Das Versagen von Behörden und Politik im Zusammenhang mit dem Attentäter Anis Amri wird in allen Einzelheiten aufgedeckt und beim Namen genannt. Erfreulicherweise geschieht das diesmal - anders als bei vielen vorangegangenen Anschlägen - ohne dass der Leser/Zuschauer permanent und aufdringlich darüber belehrt wird, dass "nicht jeder Moslem ein Terrorist ist" und man "nicht alle Flüchtlinge unter Generalverdacht" stellen dürfe.

Köln war ein Wendepunkt

Die Ereignisse der Kölner Silvesternacht, die zunächst totgeschwiegen worden waren, bezeichneten einen Wendepunkt. Danach hat sich vieles geändert. Bis dahin galt es weithin als Tabu, dass bei Straftaten die Nationalität des Täters genannt wird. Wer das in der Vergangenheit tat, riskierte sogar eine Rüge des deutschen Presserates. Inzwischen wird die Herkunft der Täter häufig benannt - wenn auch nicht ohne penetrante Belehrungen darüber, dass es sich nur um einen "Einzelfall" handle und dass (angeblich) die Kriminalitätsquote bei Ausländern nicht höher sei als bei Deutschen.

Gründe für den Wandel

Ein Grund für die oft einseitige Berichterstattung in den Medien war und ist die politische Gesinnung der meisten Journalisten, die eine starke Affinität zu rot-grün haben. Daran hat sich natürlich nichts geändert. Aber die meisten Journalisten sind keine verbissenen Ideologen. Viele sind pragmatisch und durch die tatsächlichen Ereignisse nachdenklich geworden. Die Fakten sprechen eine so klare und deutliche Sprache, dass die Ideologie ("jeder Flüchtling ist ein Geschenk") einfach nicht mehr dazu passt.

Zudem müssen die Medien befürchten, Leser und Zuschauer zu verlieren, wenn die Kluft zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung allzu groß wird. Umfragen, die belegen, dass ein Großteil der Medienkonsumenten die Berichterstattung - insbesondere über die Flüchtlingspolitik - als einseitig wahrgenommen hat, gaben vielen Journalisten zu denken. Manch einer hat inzwischen erkannt, dass man es mit der Political Correctness so stark übertrieben hat, dass das Gegenteil des Intendierten erreicht wurde. Sogar Giovanni di Lorenzo hat dies in einem "Zeit"-Artikel eingeräumt. Der Artikel fand unter Journalisten viel Beachtung, da der "Zeit"-Chef die vorherrschende Denkweise vieler Medienleute geradezu idealtypisch repräsentiert.

Online-Wettbewerb tut gut

Wettbewerb tut immer gut. In diesem Fall ist es der Wettbewerb durch Online-Medien. TV und Printmedien müssen fürchten, wenn sie allzu einseitig und ideologisch berichten, dass die Menschen sich lieber im Internet informieren. Ja, leider gibt es im Internet viel Mist - und insgesamt ist die Berichterstattung dort wohl noch einseitiger und unsachlicher als beispielsweise in öffentlich-rechtlichen Medien. Und diejenigen, die die ideologische Verbohrtheit linker Mainstream-Medien zu Recht kritisieren oder gar von "Lügenpresse" sprechen, sind leider vielfach ebenso verbohrt (nur mit anderem Vorzeichen). Dennoch: Die Furcht etablierter Medien, ihre Konsumenten könnten sich massenhaft von ihnen abwenden, hat zu einer Versachlichung der Berichterstattung geführt.

Wie dauerhaft ist der Wandel?

Wie dauerhaft (neudeutsch: nachhaltig) der Wandel in den Medien ist, kann jetzt noch schwer beurteilt werden. Es mag sein, dass die Berichterstattung angesichts der Dramatik der Ereignisse für einen Moment sachlicher geworden ist, ohne dass dieser Wandel langfristig anhält. Und obwohl die Berichterstattung etwas sachlicher geworden ist, findet man immer noch viele Belege für Unausgewogenheit. Ein Vergleich der sachlichen (und teilweise sogar wohlwollenden) Berichterstattung über die Linke und die Grünen auf der einen Seite mit der oft hyperkritisch-angewiderten Berichterstattung über AfD und CSU auf der anderen Seite, zeigt, dass immer noch vieles im Argen liegt.


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Dr. Rainer Zitelmann ist einer der führenden Immobilienexperten in Deutschland und Initiator der Berliner Immobilienrunde, eines Gesprächskreises von Führungskräften der deutschen Immobilienwirtschaft. Er hat 18 Bücher geschrieben und herausgegeben, u.a. „Reich werden und bleiben“ (FinanzBuch Verlag 2015).

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Kommentare

"Mehr Fakten -weniger Zeigefinger"
FÄNDE ich gut.
sehr, sehr gut.


das würde unseren ganzen -komplizierten, wie komplexen-Situationen -national, wie international-eine Menge der UNNÖTIGEN Bild: http://www.thedailysheeple.com/wp-content/uploads/2013/05/Time-Bomb-Fuse-Ignite-Explosion.jpg nehmen.
absolut möglich, wenn ÜBERHAUPT eine WILLE des, gegenseitigen, entgegenkommen vorhanden wäre.
Bild: http://image.shutterstock.com/display_pic_with_logo/247744/247744,1326093696,1/stock-vector-oops-92290099.jpg , jetzt hab ich verraten warum das nicht funktioniert :eek::eek::eek:
Ich, Bürger, selbstständiger Kaufmann, verantwortungsbewusster Familienvater und ebenfalls 50+,
vielfach auch ehrenamtlich tätig, gehöre seit ca. 2 Jahren nun auch zu den Rechtspopulisten und zum Pack. Darüber hinaus musste ich verschreckt feststellen, dass ich quasi über Nacht zum Nazi und zum Rassisten degeneriert bin.

Ich schließe mich Deinen Worten voll und ganz an und werde keine Gelegenheit auslassen, im sicherlich nicht kleinen Verwandten-, Freundes- und Bekanntenkreis für die Würde, die Wahrheit und die Verteidigung unserer noch verbliebenen, kleinen Freiheitsreste einzutreten. Ich bin sehr froh über Menschen wie Dich, die mit klaren und ungeschminkten Worten dieser gekauften und vernebelten Journalistenbrut die Wahrheit in's Gesicht schleudern.
Endlich einmal ein Artikel mit Bezug zur Realität.Ich glaube aber,dass die deutschen Washington Post Medien im September 2017 auch trauern,weil Ihre gottgleiche Hillary nicht das gebracht hat,was alle erwartet haben!Es soll nicht wenige Deutsche geben,welche verblendet denken,dass der Islam nicht zu Deutschland gehört!Das hat schon mal einem deutschen Bundespräsidenten das Amt gekostet,nicht ein paar "Aldivergünstigungen"in Höhe von roundabout 785 €uro!
Nein.
Die Berichterstattung ist nicht sachlicher geworden.

Die Zustände sind katastrophaler geworden. Und die der Realität mehr schlecht als recht hinterherdackelnden Medien bringen nur aus diesem Grund mehr über die Verbrechen der hochqualifizierten Ärzt und Ingenieure.

Ansonsten wird gehetzt was das Zeug hält.

Ein Beispiel:
Als vor einem Jahr mutmaßlich christdemokratische Täter das im Bau befindeliche Asylbewerberwohnheim angezündet haben, hat Gauleiter Tillich (offenbar um von der Täterschaft der Christdemokraten abzulenken) dieses Verbrechen den pösen Rechten in die Schuhe geschoben.
Kein einziges Mitglied der gleichgeschalteten Lügenpresse hat den Gauleiter gefragt, ob er für seine niederträchtige Unterstellung wenigstens einen Beweis vorlegen kann.
Sorry, das ist nicht die vierte Gewalt. Das ist eine Propagandaabteilung der politischen Machthaber.

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