finanzmarktwelt.de Draghi beschleunigt Abstieg Europas

    Gastautor: Markus Fugmann
     |  07.03.2014, 13:09  |  1673 Aufrufe  |   | 

    ..und schenkt uns dafür einen teuren Euro..

     

    Von Markus Fugmann, www.finanzmarktwelt.de

    Mario Draghi war wieder einmal für eine Überraschung gut: die Wirtschaft auf einem guten Weg, die Inflation wird mit dem Wirtschaftswachstum wieder anziehen – und überhaupt seien die niedrigen Inflationsraten zu 2/3 Folge gesunkener Energiepreise. Auch der starke Euro habe zur niedrigen Inflation beigetragen.

    Und der Euro wird, Mario sei Dank, noch stärker und erreicht heute das höchste Niveau seit Oktober 2011. Die EZB hat damit fast alle Analysten auf dem falschen Fuß erwischt, die zumindest in näherer Zukunft wenn nicht eine Zinssenkung, so doch weitere Maßnahmen (LTRO, negativer Einlagezins, Ende der Sterilisierungen) erwartet hatten. Nichts davon auf der PK von Draghi: die Wahrscheinlichkeit weiterer geldpolitischer Maßnahmen in näherer Zukunft ist dramatisch gesunken.

    Und genau das lässt den Euro nach oben schießen. Die EZB ist damit die einzige der bedeutenden Zentralbanken der Welt, die sich von der (sicherlich fragwürdigen) ultralaxen Geldpolitik einer Fed, Bank of England und Bank of Japan abgewendet hat. Draghis Verweis, dass viele Probleme der Eurozone strukturelle Ursachen hätten, macht diese Absage an den Glauben, Geldpolitik könne alle Probleme lösen, mehr als deutlich. Im Grunde hat er gestern auf der Pressekonferenz eine deutsche Haltung eingenommen.

    Das Problem aber ist, dass die EZB nun alleine auf weiter Flur ist. Alle anderen betreiben eine ultralaxe Geldpolitik in der Hoffnung, dass dadurch die Wirtschaft stimuliert werde. Europa aber wird nun im Kampf um die globale Abwertung der Währungen den Kürzeren ziehen. Aber ein immer stärkerer Euro ist gerade nicht das, was Länder wie Griechenland, Spanien, Portugal und Italien jetzt brauchen können. Ihre zarten Export-Pflänzchen könnten so schon bald verdorren.

    Je stärker der Euro, desto größer die Gefahr einer sich ohnehin abzeichnenden Deflation in der Eurozone: so werden z.B die in Dollar gehandelten Rohstoffe günstiger – deflationär. So werden die Importe der europäischen Länder leiden – deflationär. Vermutlich hat die EZB gestern – mit einer eigentlich (langfristig) sinnvollen Politik – einen verhängnisvollen Fehler begangen: denn (langfristig) sinnvolle Geldpolitik kann global nur funktionieren, wenn die anderen Big Player der Welt auch eine sinnvolle Geldpolitik betreiben. Und das ist nicht der Fall. Der gestrige Tag markiert einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg des Abstiegs Europas..

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    Gastautor

    Markus Fugmann ist Chefanalyst der actior AG und Redakteur bei www.finanzmarktwelt.de. Die actior AG bietet Selbsthändlern die Möglichkeit, an allen gängigen Märkten der Welt im Bereich CFDs, Futures, Aktien und Devisen zu Top-Konditionen zu handeln. Darüber hinaus erhalten Kunden kostenlose Informationsabende, Seminare, One-to-One Coaching, allgemeine Einführungen in die Handelsplattformen und Märkte.

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