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Aktien Europa Märkte zwischen Optimismus, Sorge und Verzweiflung

Gastautor: Frank Fischer
29.09.2014, 07:33  |  6773   |   |   

Während ein Konjunkturzyklus aus den Phasen Aufschwung, Boom, Rezession und Abschwung beseht, durchläuft der Aktien-Zyklus wesentlich mehr Phasen, als da wären Optimismus, Aufregung, Spannung, Euphorie, Besorgnis, Leugnen, Furcht, Verzweiflung, Panik, Kapitulation, Verzagen, Depression, Hoffnung, Erleichterung und schließlich wieder Optimismus. Die jüngsten IPOs von Alibaba, Zalando oder Rocket Internet erinnern durchaus an die Zeiten der Technologieblase und des Neues Marktes. Damit stellt sich die berechtigte Frage: In welcher Phase befinden wir uns aktuell?

In der Phase der Euphorie werden neue Paradigmen gesucht, um hohe Aktien-Bewertungen zu rechtfertigen. Ende der 90er wurden neue Bewertungsmaßstäbe, wie die Anzahl an Kunden oder Internetanschlüssen herangezogen. Auch damals gingen Unternehmen an die Börse, ohne jemals richtig Geld verdient zu haben.

Der US-Aktienmarkt ist aktuell so teuer wie nur 1929 und 2000. Auch der Dax hat eine deutlich höhere Fallhöhe als die übrigen europäischen Märkte. Heute wird die „Alternativlosigkeit von Aktien“ aufgrund des niedrigen Zinsniveaus gerne als Rechtfertigung höherer Multiples von Aktien herangezogen. Doch ist dies wirklich gerechtfertigt? Niedrigere Zinsen und geringe Eigenkapitalkosten rechtfertigen natürlich rein rechnerisch ein höheres KGV. Doch auch rein mathematisch betrachtet rechtfertig eigentlich nur eine höhere Wachstumsrate auch wirklich höhere Bewertungen. Da wir diese vor allem in Europa nicht sehen, bedeutet das im Umkehrschluss, dass wir langsam in die Übertreibungsphase kommen. Und es gab durchaus schon längere Phasen am Aktienmarkt mit niedrigen Zinsen und niedrigen KGVs.

Italien und Frankreich bleiben Sorgenkinder

Nicht nur in Europa allgemein trüben sich aktuell die Wirtschaftsaussichten ein, auch die Konjunkturlokomotive Deutschland verliert an Dampf. Gleichzeitig erholen sich zwar die ehemaligen Problemstaaten Griechenland, Irland und Portugal. Doch während Deutschland unter der schwierigen Außenpolitik in Form eines mangelnden Dialogs mit Russland leidet, sind und bleiben die wirklichen Sorgenkinder aber Italien und Frankreich. Dort haben weder Holland noch Renzi auch nur ansatzweise die versprochenen Reformen geliefert. Besorgniserregende Arbeitslosenzahlen und hohe Lohnstückkosten sind und bleiben das Hauptproblem.

Auch auf Ebene der Unternehmen häufen sich die schlechten Nachrichten. Die Anzahl an Gewinnwarnungen nimmt zu. Adidas und die Metro AG leiden überproportional unter dem schwachen Rubel. Bei den aktuell wenig beliebten Rohstoffen ist es schwer zu sagen, ob die Bodenbildung bereits abgeschlossen ist. Rohstoffsensible Aktien wie ALS, Croda, Auribis oder Hargreaves  sind daher temporär ungeliebt, teilweise auch wegen der Unsicherheit des Marktes bezüglich der zukünftigen Positionierung. Dies trifft auch auf die Software AG zu, wo wir den Dialog mit dem Management gesucht haben, um uns ein besseres Bild über die Firmenstrategie und die Position im Wettbewerb zu machen. Nebenwerte haben den Vorteil, dass es einen besseren Zugang zum Management gibt, wodurch wir ein sehr gutes Verständnis des Geschäftsmodells erlangen können.

Antizyklisches Investieren

Grundsätzlich ist das antizyklische Investieren fundamentaler Bestandteil unserer Value-Denkweise. Das führt eigentlich von Natur her erst einmal zu einem temporären Kapitalverlust, das perfekte Timing ist (leider) oft nicht möglich. Darum kaufen wir unsere Titel gerne in drei Schritten auf dem Weg nach unten, bis unsere Positionen groß genug sind. Grundvoraussetzung ist, dass die Sicherheitsmarge immer größer wird, um ein solches Engagement zu rechtfertigen. In solch einem Fall kommt uns eine Gewinnwarnung gerade recht, damit wir unsere Position auf die entsprechende Größe ausbauen können. Denn anders als im Supermarkt rennen an der Börse die Anleger bei Ausverkaufspreisen weg und langen bei übertriebenen Bewertungen zu.

Die Krisen in der Welt, eine sich eintrübende Konjunktur und hohe fundamentale Aktienbewertungen - eine solche Kombination aus schlechten Nachrichten und teuren Aktienkursen sind die meist schwierigsten Phasen für  Value Manager. In solchen Phasen der Übertreibung leiden sie unter dem temporären Kapitalverlust bzw. einer relativ schlechteren Wertentwicklung. Das  bringt die antizyklische Kapitalanlage eben mit sich. Aber eben nur kurzfristig. Genau dafür halten wir Cash als strategische Komponente, um wieder günstig einsteigen zu können.

 

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Frank Fischer, Chief Investment Officer der Shareholder Value Management AG und in dieser Funktion verantwortlich für den „Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen“, schreibt regelmäßig über die internationalen Aktienmärkte. Als überzeugter Value-Investor hat Fischer langjährige Expertise in allen Fragen rund um Fonds, Börse, aber auch das Stiftungswesen. In seinen regelmäßigen Marktkommentaren legt er besonderes Augenmerk auf Behavioral Finance, sowie Investments in Small- und Midcap-Werte.

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