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Schulz und Sinn im Grexit-Streit „Wollen Sie die sechste Flotte Moskaus im Hafen von Piräus liegen haben?“

24.04.2015, 09:56  |  25345   |   |   

Der Eine ist EU-Parlamentspräsident, der Andere Deutschlands Top-Ökonom. Beide eint ihr Anspruch „Tacheles zu reden“. Dass es dabei auch etwas plakativer zugehen kann, demonstrierten Martin Schulz und Hans-Werner Sinn bei einem Streitgespräch zur Eröffnung der „Welt“-Währungskonferenz.

Ring frei für das Duell der Alphamännchen! Einen besseren Auftakt hätten sich die Kollegen der „Welt“ wohl nicht einkaufen können. Auf der einen Seite ifo-Präsident Hans-Werner Sinn, der ein Füllen des bodenlosen Fasses namens Griechenland für „sinnlos“ hält (siehe hier). Auf der anderen Seite EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, der mit Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras gerne „Tacheles“ redet und „kein Bock auf ideologische Debatten“ hat (wallstreet:online berichtete).

Auf eine Debatte mit Sinn hatte Schulz am Mittwoch aber sehr wohl Bock, auch wenn sich die beiden in Sachen Griechenland alles andere als grün waren. Der EU-Parlamentspräsident zeigte sich einmal mehr als erbitterter Gegner eines Grexits. Ein Ausscheiden Griechenlands würde keinerlei Nutzen bringen, aber jede Menge Schaden. „Die Folgen wären fatal für Griechenland“, so Schulz.

Grexit – Risiko oder Chance?

Sinn findet die Folgen eines Nicht-Grexits viel fataler. Fast schon gebetsmühlenartig wiederholte er auch an diesem Abend einmal mehr seine Haltung zu Griechenland: Das Land sei viel zu teuer geworden und könne nur durch eine gezielte Abwertung einer eigenen Währung wieder wettbewerbsfähig gemacht werden. „Griechenland ist pleite, die Insolvenz wird lediglich verschleppt durch Kredite der Europäischen Zentralbank.“ In einem Interview mit n-tv erklärte Sinn zuvor, eine Verlängerung der Finanzhilfen würde die Situation nur verschlimmern. Griechenland sei ein Fass ohne Boden und es sei „Zeit, die Sache zu beenden.“ (Lesen Sie hierzu: ifo-Chef Sinn fordert Grexit)

„Dieses Risiko ist mir zu hoch“, meint Schulz und will einen Grexit unbedingt verhindern. Unter Risiko versteht der SPD-Mann zwei Dinge: Zum Einen sei bei der „zynischen Strategie der Finanzmärkte“ zu befürchten, dass das Ausscheiden eines Landes aus dem Euro sofort wieder die Spekulanten auf den Plan rufe. Zum Anderen sieht er die Gefahr, Griechenland könne im Fall eines Grexits den Schulterschluss mit Russland suchen. Das, so Schulz, könne nicht in unserem Interesse sein: „Wollen Sie die sechste Flotte Moskaus im Hafen von Piräus liegen haben?“

„So what?!“

Sein Kontrahent sieht das alles ziemlich entspannt. „Soll Athen doch aussteigen, so what“, fragt Sinn und wiegelt ab. Eine mögliche Ansteckungsgefahr ist seiner Ansicht nach kein Schreckensszenario, sondern sogar wünschenswert: „Wenn der griechische Austritt so vorteilhaft für das Land sein sollte. Dass andere nachfolgen, sollte man nichts dagegen haben – warum denn nicht, wenn das der bessere Weg ist?“

Für Sinn führt der bessere Weg vor allem über Kapitalmarktkontrollen und ein Ende der Euro-Druckerpresse (wallstreet:online berichtete). „Wir leben nicht einem Schlaraffenland, in dem man Geld druckt“, so der ifo-Präsident.

Mario Draghi als Euro-Retter

Martin Schulz widerspricht dieser Ansicht. Er findet das mit dem mit dem Gelddrucken nämlich richtig gut. Mario Draghi und der EZB hätten wir es zu verdanken, dass wir die akute Krise überwinden konnten und der Euro „allen Unkenrufen zum Trotz“ noch lebe. „Die EZB hat mutig und konsequent ein Vakuum gefüllt, weil die politischen Verantwortungsträger keine Entscheidung fällen konnte.“ (Auch der Chefvolkswirt der DZ-Bank, Stefan Bielmeier, lobt ausdrücklich die Rolle der EZB in der Eurokrise: siehe hier)

Mario Draghi als Retter in der Eurokrise? Diese Lesart kann der ifo-Präsident wenig abgewinnen. Im Gegenteil, er ist der Meinung, das billige Geld habe uns die Illusion einer Lösung gegeben, aber die wirklichen Probleme nur vertragt.

Eine Lösung der Probleme wurde auch bei diesem Streitgespräch nicht gefunden. Dafür aber einmal mehr die Erkenntnis, dass es vermutlich ebenso viele Befürworter wie Gegner eines Grexits gibt. Ob das die Sache leichter macht? Wohl kaum. Immerhin waren sich die beiden Kontrahenten dann doch noch einig, dass sich etwas ändern müsse in Europa. Was genau und wie, naja, darüber lässt sich bekanntlich streiten. 



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Kommentare

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ThomasSchwager
17.06.15 23:13:13
Ob der Euro für Griechenland gut ist, ist keine politische Frage. Es geht um die Gesetze der Ökonomie

Wir haben bis jetzt 3 Gründe, warum es nicht funktionieren kann:

Die Griechen wollen den Euro behalten, aber sie wollen nicht das dafür notwendige tun um ihn behalten zu können.

Die Regierung Griechenlands will den Euro behalten, aber sie ist nicht in der Lage dies ihren Bürgern zu sagen, da sie die entsprechende Politik nicht umsetzen will.

Die Euroländer wollen Griechenland als Mitglied behalten, aber sie wollen die Schulden Griechenlands auf kein erträgliches Niveau senken.

Sie liegen alle falsch, egal welche Gründe sie auch haben.
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Pedrosilino
16.06.15 14:17:13
Große Probleme kann man nicht mit ja/nein oder drei Sätzen ordnen.

Schon innerörtliche Deutschland-Probleme unterliegen langwierigen Prozessen: Länderzahlungsausgleich, Autobahnmaut, Stromtrassen, Krötenschutz!

Gorbatschow hat sein Reich, die ehemalige UdSSR, quasi "verschenkt".

Russland gehört inzwischen der Wirtschaftsgemeinschaft "BRICS" an.

Es gab in Europa viele relativ friedliche "Auseinander - Setzungen":

Volksabstimmung Grenzgebiet Deutschland/Dänemark; Frankreich-Deutschland wg. Elsaß-Lothringen; Tschechoslowakei in Tschechien und Slowakei; Jugoslawien in Bosnien-Herzegowina, Serbien, Kroatien, Slowenien;und andere.

Eine gebiegtsweise große russische Minderheit in der Ukraine hätte sicherlich eine Volksabstimmung über eine Abspaltung von der Ukraine verdient.

Europa und USA gemeinsam gegen Russland ist nicht die Lösung.

Europa incl. Russland ist ohne die für Deutschland wichtige USA nicht denkbar.

Die Griechenland-Hilfe hat nicht den Griechen geholfen - nur Institutionen und
Industrie als Eigennutz.

Wirtschaftssanktionen gegen Russland haben Menschen getroffen - weniger den Staat, der sich zu wehren weiß.

Friede sei mit Euch!
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Primo123
01.05.15 13:33:41
Europa muss bleiben, besser + stärker werden, sonst werden wir in Bedeutungslosigkeit versinken.

Warum nicht beides ?

1. Griechenland bleibt in der EU. Stichwort Länderfinanzausgleich !

Die NATO, als einzig verbliebenes relevantes Militärbündnis wird aufgelöst. Die NATO wird von ca. 75% der Weltbevölkerung als ein agrresives Instrument zur Durchsetzung westlicher Hegemonie über die gesamte Welt angesehen, und das zu Recht.

Einerseits sind wir mit den USA in einem Militärbündnis, andererseits stehen wir in einem extremen Konkurrenzkampf mit Ihnen. Und dort wird mit gezinkten Karten gespielt. Paradoxe Situation. Was haben die Amerikaner hier auf unserem Kontinent verloren ? Ob wir hier gute Beziehungen zu unseren Nachbarn haben geht die nichts an. Was würden die sagen, wenn wir uns in gleicher Weise in ihre Beziehungen zu Mexico einmischen würden ? Die sollen in "gods own country" bleiben. Dort gibt es extrem viel zu tun.

2. Russland tritt der EU bei (die wollen das eigentlich schon lange, haben es aber nicht nötig zu betteln). Russland und EU ergänzen sich hervorragend, jeder hat das, was der andere nicht hat. Dann kann die 6. Russische Flotte zu Hause bleiben oder gelegentlich auf Besuch in Piräus oder Hamburg verbeikommen.

Die Welt ist kurz vor PENG, man sollte sich trauen, über eine neue Weltordnung zu sprechen.

Das Dollarimperium des Moneytrust ist definitiv am Ende, da helfen auch Prolongationen nur noch eine kurze Zeit.
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Pedrosilino
27.04.15 10:53:52
Die Ausführungen von Sinn machen "Sinn"!

Ein "Grexit-Griechenland" hätte nach meiner Einschätzung "Investoren-Hilfe" nicht nur von "EURO-Ländern" in großem Umfang zu erwarten. Das würde insbesondere eine sehr große Chance für eine Belebung des Arbeitsmarktes - sprich Arbeitsplätze - bedeuten.

Ganz schlimme Befürchtung, die nicht entreten sollte: Neuwahlen - und die ganze
Chose geht noch mal von vorne los, da man einer "neuen Regierung" natürlich wieder Zeit zur Regulierung (wenn man weiter machen wollte wie bisher) einräumen müsste!
Avatar
hageli13
24.04.15 11:31:39
Was diese Eu-Granden wie Schulz und Co. so von sich geben
ist nur noch peinlich.Die haben doch Order von Onkel Obama
bekommen,die Südflanke nicht zu vernachlässigen.
Das ist der Knackpunkt.Und da es alle Schisser sind, und nicht
ein Funken von Souveränität vorhanden ist,wird es so gemacht.
Nur noch zum übel werden.Die Rosenholz-Dateien werden so einiges
unserer Politiker verbergen.Damit ist der Manipulation Tür und Tor
geöffnet...

Disclaimer

Schulz und Sinn im Grexit-Streit „Wollen Sie die sechste Flotte Moskaus im Hafen von Piräus liegen haben?“

Ring frei für das Duell der Alphamännchen! Martin Schulz und Hans-Werner Sinn streiten über die Folgen eines Grexits, die Rolle der EZB und die drohende Gefahr aus Russland. Zündstoff garantiert.

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