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Dollarkurs nach US-Wahl Warum der Dollar bei Trump und Sanders fallen und bei Cruz steigen wird

Gastautor: Rainer Zitelmann
06.04.2016, 16:06  |  16236   |   |   

Während die deutschen Medien allesamt vor Donald Trump warnen (und auch nicht ganz ohne Grund) wird gleichzeitig die Gefahr ignoriert, die von Bernie Sanders ausgeht. Was bedeutet ein Wahlsieg von einem dieser Kandidaten für die US-Wirtschaft und den Dollar?

Über Trump will ich an dieser Stelle nicht schreiben. Es ist genug über ihn geschrieben worden. Vor allem erscheint er in mancher Hinsicht als unberechenbar. Niemand kann vorhersagen, ob er als Präsident vernünftig werden oder ob er außen-, sicherheits- und wirtschaftspolitisch ein Risiko darstellen wird. Ich würde ihn jedenfalls nicht als Politiker wählen, auch wenn mir seine Businessbücher gut gefallen haben.

Sanders ist eine Gefahr für Amerikas Wirtschaft. Aber er wird hierzulande natürlich nicht so wahrgenommen. Zwar liegt Clinton bei den Vorwahlen für die Demokraten weiterhin vorne, aber Sanders hat bei sieben der letzten acht demokratischen Vorwahlen und Parteikonferenzen gewonnen, das Momentum liegt derzeit bei ihm. Der Abstand zu Clinton schrumpft. Sanders will die Politik noch verschärft fortsetzen, die Cruz zu Recht an Obama scharf kritisiert hatte. Über Obama sagte Cruz: "I respect that he believes, I think genuinely, with all of his heart, that government control of economy and redistribution of wealth betters the world. I think moving in that direction wreaked havoc American economy." (zitiert nach Mario Broses, Ted Cruz. Cruzing Republicans to the White House, Texas - New Mexico, 2015). 

Obama glaubte daran, dass Amerika sich in Richtung des europäischen Wohlfahrtsstaates entwickeln solle. Sanders will diese Linie noch viel radikaler fortsetzen. Er will beispielsweise den Höchststeuersatz, der auf Bundesebene bei 39,6 Prozent liegt, auf bis zu 52 Prozent erhöhen. Dazu kommt dann noch in den USA die Steuer, die auf Ebene der einzelnen Staaten erhoben wird, und die zum Teil ganz erheblich ist. Die FAZ schrieb am 2. Februar, Sanders vertrete Ideen, die sogar in Europa "ziemlich links" wären. Er will die in den USA ohnehin hohe Erbschaftssteuer weiter erhöhen. Zudem will er eine Finanztransaktionssteuer von 0,5% auf Aktien, Anleihen und andere Finanzprodukte einführen. Der Mindestlohn soll in den ganzen USA einheitlich auf 15 Dollar steigen. Natürlich sollen die Sozialleistungen ebenfalls steigen, es soll mehr bezahlter Urlaub gewährt werden, die Freihandelsabkommen mit Kanada, Mexiko oder China sollen gekündigt werden usw.

Ted Cruz plädiert dagegen für eine einheitliche Steuer für alle Amerikaner, unabhängig von der Einkommenshöhe. Die Unternehmenssteuern sollen von 35 auf 15 Prozent gesenkt werden. Subventionen sollen radikal abgebaut werden. Ich denke nicht, dass er all diese Vorstellungen als Präsident genau so umsetzen würde und könnte. Aber ich denke, dass seine Wirtschaftspolitik für Amerika auf jeden Fall besser wäre als das, was Clinton, Sanders oder Trump wollen (wobei man bei Trump nicht so genau weiß, was er will).

Und hier noch meine Währungsprognose:

  1. Wenn Clinton die Wahl gewinnt, hat dies langfristig keine Auswirkungen auf den Dollarkurs. Denn Clinton steht mehr oder minder für den Status quo, also für eine Fortsetzung der jetzigen Politik. Sollte der Dollar kurz nach einem Wahlsieg von Clinton steigen, dann allenfalls aus Erleichterung, dass Trump nicht gesiegt hat.
  2. Wenn Trump oder Sanders gewinnen, wird der Dollar am gleichen Tag verlieren. Bei Trump wegen der großen Unsicherheit, die er erzeugt. Bei Sanders wegen seinem wirtschaftsfeindlichen Linksprogramm.
  3. Wenn Cruz gewinnt, wird der Dollar am gleichen Tag steigen, weil es die Finanzmärkte so sehen werden wie ich: Cruz ist für Amerikas Wirtschaft besser.

 

Mehr zu Zitelmanns Investitionsphilosophie finden Sie in seinem Buch: "Reich werden und bleiben".



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