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AfD AfD sucht den Anschluss an die linken Umverteiler

Gastautor: Rainer Zitelmann
02.10.2016, 22:14  |  2555   |   |   

Als die AfD gegründet wurde, spielten Leute wie Hans-Olaf Henkel eine wichtige Rolle, die wirtschaftsliberale Positionen vertreten. Da man Angst hat, die vielen Arbeiter und Hartz IV-Empfänger als Wähler zu verlieren, reiht sich die AfD inzwischen auch in die Reihe derjenigen ein, die "soziale Gerechtigkeit" predigen.

Aktuelles Beispiel ist ein Gespräch zwischen Sarah Wagenknecht und Frauke Petry in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Einerseits bestreitet Petry, "dass mehr Umverteilung den Schwächsten wirklich hilft". Andererseits fordert sie im gleichen Interview genau das, was SPD, Linke und Grüne schon lange mit dem euphemistischen Begriff der "Bürgerversicherung" bezeichnen.

Petry propagiert die linke "Bürgerversicherung"

Die AfD-Vorsitzende kritisiert an der gesetzlichen Rentenversicherung, "dass wir zu wenige Einzahler und zu wenige Kinder haben". Und: "Wir brauchen wieder eine gesunde Basis von Einzahlern". Wie man dazu kommen soll? Petrys Antwort ist die gleiche wie bei SPD, Linken und Grünen, nämlich "Menschen mit höherem Einkommen in die Rentenversicherung einzahlen zu lassen". Zu Recht fragen die FAZ-Interviewer nach: "Das wäre also das linke Konzept einer Bürgerversicherung?" Petry, die sich offenbar ertappt fühlt, antwortet ausweichend: "Ich bitte einfach darum, uns bei dem Thema noch etwas Zeit zu geben."

Ist es wirklich eine Lösung für die marode gesetzliche Rentenversicherung, dass man noch mehr Menschen in ein nicht funktionierendes System hineinpresst? Das wäre genau die Umverteilung, gegen die Petry sich angeblich wendet. Selbstständige, die sehr viel besser beraten sind, durch eigene Vorsorgeanstrengungen ihr Alter zu sichern, sollen zwangsversichert werden.

Dabei wird in der gesetzlichen Rentenversicherung bekanntlich kein einziger Euro angespart. Es handelt sich eben um ein "Umlagesystem", bei dem die heutigen Auszahlungen aus den heutigen Einzahlungen finanziert werden. Wenn man noch mehr Menschen in dieses marode System presst, macht man es damit gerade nicht zukunftsfähig. Denn die neuen Einzahler erhalten dadurch im Alter ja auch Leistungsansprüche. Die Probleme werden damit also nicht gelöst, sondern sogar noch verschärft. Und zwar auf Kosten der sogenannten Besserverdiener, also der Menschen, die ohnehin schon den allergrößten Teil der Steuern in Deutschland bezahlen.

Gegen Großkonzerne und Freihandel, für Mindestlohn

Petry wettert in dem Interview gegen die Freihandelsabkommen, gegen die Macht der "Großkonzerne", beklagt einen nicht mehr richtig funktionierenden Sozialstaat und sieht Gemeinsamkeiten mit Sarah Wagenknecht. Es gebe, so Petry zu Wagenknecht, "starke Überschneidungen zwischen uns". Dazu passt, dass die AfD inzwischen auch für den Mindestlohn eintritt. Bekanntlich war der Mindestlohn zuerst eine Idee der Linken, wurde später dann von SPD, Grünen und CDU übernommen. Die AfD lehnte ihn zunächst ab, ist jetzt jedoch auf den großen linken Konsens eingeschwenkt.

Der Grund liegt auf der Hand: Die AfD passt sich, wie alle Parteien, ihrer Wählerklientel an. Bei den Berliner Wahlen war sie dort am stärksten, wo auch die Linke stark ist - in jenen östlichen Bezirken, wo es vor allem Arbeiter und Hartz IV-Empfänger gibt. Stolz verwies sie darauf, dass mehr Arbeiter in Berlin AfD als SPD gewählt hätten. Dieser Wählerklientel redet Petry nach dem Munde und freut sich über jeden Hartz IV-Empfänger, der bisher sein Kreuz bei der Linken gemacht hat und nun AfD wählt.


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Dr. Rainer Zitelmann ist einer der führenden Immobilienexperten in Deutschland und Initiator der Berliner Immobilienrunde, eines Gesprächskreises von Führungskräften der deutschen Immobilienwirtschaft. Er hat 18 Bücher geschrieben und herausgegeben, u.a. „Reich werden und bleiben“ (FinanzBuch Verlag 2015).

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Kommentare

Was sind das für Menschen die so einen Unsinn schreiben:
>>Ist es wirklich eine Lösung für die marode gesetzliche Rentenversicherung, dass man noch mehr Menschen in ein nicht funktionierendes System hineinpresst? Das wäre genau die Umverteilung, gegen die Petry sich angeblich wendet. Selbstständige, die sehr viel besser beraten sind, durch eigene Vorsorgeanstrengungen ihr Alter zu sichern, sollen zwangsversichert werden.
<<

Wir Arbeitnehmer finanzieren die vorige Generation. Diese Aufgabe muss jemand übernehmen. Oder will der Author ein Höchstlebensalter oder gar Euthanasie?

Ich winde die Aufgabe die vorige Generation zu finanzieren sollte auf alle Schultern gleich verteilt sein. Dann wird auch nicht soviel Mist mit unserer Rentenversicherung angestellt. Warum soll ein Beamter nicht in die Rentenversicherung einzahlen. Besonders die überversorgten Politiker. Frauke Petry sclägt vor das alle da einzahlen. Diese Forderung ist sicher nicht populär aber vernünftig. Für mich ein weiteres Argument AFD zu wählen.
Umverteilung von oben nach unten? Halten wir uns doch an die Fakten dieses Jahrtausends. Spitzensteuersatz von 53 auf 42 % gesenkt. Einkünfte aus Kapitalvermögen werden nicht mehr mit dem persönlichen Einkommensteuersatz sondern mit einem deutlich darunter liegenden Pauschalabzug von 25 % belastet. Freibetrag auf Kapitalerträge unter Helmut Kohl 6.100,- DM heute 801,- EUR.

Eine Anpassung der Progressionskurve an die Preissteigerung erfolgte in den letzten Jahrzehnten nur in kosmetischen Außmaßen, die ursprüngliche Verhältnismäßigkeit (Spitzensteuersatz ab dem zwanzigfachen Durchscnittseinkommen) kennt man nur noch aus Geschichtsbüchern.

Ihre eindimensionale Sichtweise spiegelt sich in ihrem letzten Satz wider:

Dieser Wählerklientel redet Petry nach dem Munde und freut sich über jeden Hartz IV-Empfänger, der bisher sein Kreuz bei der Linken gemacht hat und nun AfD wählt.

Es geht um den Vorschlag einer Rentenreform und Sie schalgen die Brücke zu von Protestwählern welche HIV beziehen. Sie sollten sich für Ihr selbstgefälliges Gefasel schämen!
Selten so einen dämlichen und einseitigen Artikel gelesen. Es gibt wohl Leute, die glauben, dass die Leser noch dämlicher sind.

Wenn der Autor sich mal richtig informiert hätte, wüßte er das Fr. Petry das gut funktionierende Schweizer Rentensystem als Diskussionsgrundlage angesprochen hat.

Und wenn der Autor mal seine parteipolitischen Scheuklappen ablegen würde, dann käme er zu dem Ergebnis, das Politik im Sinne der Bürger und Wähler keine Kategorisierung in links und rechts veträgt.
Das sind alte, politisch instrumentalisierte Vorwurfsmuster mit der man versucht, das Wahlvolk zu beeinflussen.

In dem Artikel wird auf extrem primitive argumentationslose Art und Weise versucht, gegen die AfD zu schießen.

Wo bleiben denn sachliche Argumente Herr Zettelmann ??

Allein das angedachte Rentenkonzept der AfD wird mindestens 5-10 %-Punkte bei der nächsten BT-Wahl einbringen.

Irgendwann hat es auch der letzte Rentner kapiert, wie er von der Regierung spätesten seit Schröder betrogen wurde. Dafür hat der Maschmeyer sich eine goldene Nase verdient. Zitat von ihm zu dem Riesterdreck: "Ölquelle"

Dass die Renten nicht nur in der Schweiz sondern auch in Österreich oder den Niederlanden besispielsweise wesentlich höher ausfallen, weil sie ein gerechteres System eingeführt haben, dürfte sich auch so langsam rumsprechen.

Die Finanzierung dieser Systeme steht auf solideren Beinen als in D. Hier werden Milliarden von Euros für unproduktive Zuwanderer verbraten, die auch ohne Einzahlung später eine Grundsicherung erhalten werden.

Und zum Schluß: "Nichts in der Politik geschieht zufällig..........." D. Roosevelt.
Ehe die Bürgerversicherung kommt, ist die Rentenversicherung schon tot. In ein paar Jahren werden die Roboter für uns arbeiten. Die Besitzer der Roboter haben dann die Wahl zwischen bedingungslosem Grundeinkommen für die Nichtbesitzer oder Vernichtung derer durch Robotersoldaten.
Technik ist bei der Erzeugung von Gebrauchsgütern viel effizienter als der Mensch. Wir brauchen in der Arbeitswelt immer weniger Menschen. Erforderlich ist allerdings eine breite Verteilung der Güter!

Joachim Datko - Ingenieur, Physiker

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