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Warum ich nicht in China investiere – und wie ich es doch mache

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
04.10.2016, 14:31  |  926   |   |   
Foto: Pixabay, tee2tee

China im Fernen Osten zieht viele Menschen aus der westlichen Welt an. Und die 1,4 Milliarden Einwohner faszinieren Investoren von überall her, die China eine große Zukunft mit hohem Wachstum vorhersagen. Davon möchte ich auch profitieren, aber dazu kaufe ich keine Aktien aus diesem Land.

Chinas Börsenskandale

Ein Grund dafür ist die Börsenaufsicht, der ich in China nicht traue. Dazu passt, dass die Liste der Skandale im Reich der Mitte lang ist. Immer wieder gibt es Berichte über Insiderhandel oder andere Betrügereien an der Börse.

Aber auch chinesische Unternehmen, die über den Umweg einer in Deutschland ansässigen Holding an die Börse gehen, schützen nicht vor Verlusten. Bekannte Beispiele sind die insolvente Asian Bamboo AG und die ZhongDe Waste AG. Mein „Favorit“ ist aber die Ultrasonic AG. Der Schuhhersteller aus der Provinz Fujian meldete 2015 Insolvenz an, nachdem sich zwei Vorstände mit der Firmenkasse aus dem Staub gemacht hatten. Knapp eine Woche später tauchte der inzwischen abberufene Chef wieder auf: Er sei im Urlaub und nicht erreichbar gewesen, weil er sein Handy verloren habe.

Management in China

Ob das Management in China immer im besten Interesse der Aktionäre handelt, bezweifelte schon 2010 der bekannte indischstämmige Value-Investor Monish Pabrai:

Es gibt reichlich tolle Gelegenheiten in vielen Ländern. Aber ich würde sagen, dass es klar ist, die Länder Russland oder Zimbabwe zu meiden. Und selbst wenn du nach China schaust, wo in diesem Jahrhundert unbeschreiblicher Reichtum für die Menschheit entstehen wird, haben die Unternehmen dort drei Arten von Büchern.

Eines für die Regierung, eines für die Frau des Eigentümers und eines für dessen Geliebte. Und damit ist dein Problem, dass du nicht weißt, welches Buch du dir ansiehst. Ich denke, du musst bei chinesischen Unternehmen und sogar bei indischen Unternehmen ein weiteres Kriterium beachten, nämlich die Einschätzung des Ethos des Managements. Und das kann sehr schwer werden…

Natürlich gab und gibt es auch in Europa und den USA unehrliche Vorstände und spektakuläre Firmenpleiten. Und viele Unternehmen in China stellen sicher gute Investitionen für langfristige Anleger dar. Ich als Europäer finde es aber schwer, diese Unternehmen zu erkennen. Zusammen mit den bereits genannten Unsicherheiten passen dort für mich Chancen und Risiko nicht zusammen.

Ein Ausweg: Investmentfonds

Wer dennoch dort investieren möchte, kann zu Investmentfonds greifen. Indexfonds bieten zwar einen günstigen Zugang, aufgrund der Indexzusammensetzungen allerdings auch häufig wenig Diversifizierung. Beispielsweise besteht der db x-trackers CSI300 (WKN: DBX0M2), der die 300 bedeutendsten Wertpapiere von in China ansässigen Unternehmen abbildet, zu mehr als 40 % aus Finanzdienstleistern. Unter den zehn größten Positionen des Fonds finden sich alleine fünf Banken – Risikostreuung sieht für mich anders aus.

Eine Alternative dazu sind gemanagte Fonds, bei denen Experten die Aktien auswählen. Hier aber fallen höhere Gebühren an, die das Anlageergebnis schmälern und diese Art des Investierens oft unattraktiv machen.

Mein Ausweg: Westliche Aktien mit Geschäft in der Region

Trotz allem möchte ich nicht auf das Potential Ostasiens verzichten. Ich habe mir dafür einen Weg ausgesucht, der mir am risikoärmsten erscheint: den Kauf großer westlicher Aktien, die einen erheblichen Anteil ihres Umsatzes in der Region machen.

Mir fällt hier Volkswagen (WKN: 766403) ein. Im ersten Halbjahr 2016 verkauften die Wolfsburger 39 % ihrer PKW in China. Bei BMW (WKN: 519000) waren es immerhin noch 21 %.

Adidas (WKN: A1EWWW) erzielte in den ersten sechs Monaten zwar „nur“ 16 % der Umsätze in China, allerdings wächst man dort überdurchschnittlich, die operative Marge ist deutlich höher als in allen anderen Regionen.

BASF (WKN: BASF11) meldete in der letzten Woche, bis 2020 in der Region Asien-Pazifik rund 3,5 Milliarden Euro investieren zu wollen.

Für amerikanische Unternehmen wie Apple (WKN: 865985) und Starbucks (WKN: 884437) spielt China ebenfalls eine wichtige Rolle. Der Verkauf von iPhones und die Eröffnung neuer Coffeeshops machen einen erheblichen Teil der Wachstumsfantasie aus.

Wenn ich so investiere, habe ich die relative Sicherheit der Aufsichtsbehörden. Aber hier gilt es ebenfalls, gründlich zu recherchieren. Denn bei allen Unternehmen sind China und Asien nur ein Teil des Geschäfts und Erfolge dort können immer durch andere Dinge überlagert werden. Stellvertretend sei hier nur Dieselgate bei VW genannt.

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Peter Roegner besitzt Aktien von BASF, Apple und Starbucks. The Motley Fool empfiehlt Apple, Starbucks und BMW. The Motley Fool besitzt Aktien von Apple und Starbucks. The Motley Fool hat die folgenden Optionen: long Januar 2018 $90 Calls auf Apple und short Januar 2018 $95 Calls auf Apple.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

Wertpapier: Apple, BASF, BMW, Starbucks, adidas


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