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TagesInfo Rohstoffe Breitangelegte Preiserholung (18. Oktober 2016)

Gastautor: Eugen Weinberg
18.10.2016, 11:31  |  1966   |   |   

Energie: Die Ölpreise erholen sich von ihren gestern erlittenen Verlusten. Brent handelt bei knapp 52 USD je Barrel, WTI wieder oberhalb von 50 USD je Barrel. Gestern Nachmittag waren beide Ölpreise binnen weniger Minuten um ca. 1 USD eingebrochen, obwohl der Datenanbieter Genscape einen Rückgang der US-Ölvorräte in Cushing um mehr als 2 Mio. Barrel berichtete. Denn gleichzeitig gab der Iran bekannt, seine Ölproduktion perspektivisch auf 5 Mio. Barrel pro Tag steigern zu wollen. Der Markt ist offensichtlich stark auf die von der OPEC angekündigten Produktionskürzungen fokussiert. Jede Nachricht, die dies weniger wahrscheinlich macht, ist deshalb preisbelastend. Dazu zählt auch, dass Nigeria seine Ölproduktion bis zum Jahresende um gut 20% auf 2,2 Mio. Barrel pro Tag ausweiten will. Wie die OPEC dennoch die Produktion vom gegenwärtigen Niveau um bis zu 1 Mio. Barrel pro Tag kürzen will, bleibt ein Rätsel. Dennoch muss die OPEC diese Erwartung glaubhaft aufrechterhalten, um einen Preisrutsch zu verhindern. Denn die spekulativen Finanzanleger haben in Erwartung von Produktionskürzungen ihre Wetten auf steigende Ölpreise massiv ausgeweitet. Die Netto-Long-Positionen bei Brent sind in den letzten zwei Berichtswochen um insgesamt 110 Tsd. Kontrakte gestiegen und liegen damit fast wieder auf dem Rekordniveau von Ende April. Unterdessen soll die US-Schieferölproduktion im November laut US-Energiebehörde den 12. Monat in Folge sinken. Der von der EIA erwartete Rückgang um knapp 30 Tsd. Barrel pro Tag wäre aber der geringste seit neun Monaten. Es verdichten sich damit die Anzeichen, dass die Produktion bald ihren Boden erreicht.

Produktideen: Classic Turbo-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CD1AV7 Bull Oil WTI Light Crude Future Dec 2016 Hebel 3,0
CD1AVV Bear Oil WTI Light Crude Future Dec 2016 Hebel 7,5

Edelmetalle: Gold handelt am Morgen leicht fester bei 1.260 USD bzw. 1.145 EUR je Feinunze. Der Abbau der Netto-Long-Positionen bei Gold von über 106 Tsd. Kontrakten in den letzten beiden Berichtswochen (siehe TagesInfo Rohstoffe von gestern) entspricht dem Verkauf von 331 Tonnen Gold – wenn auch nur auf dem Papier. Dies ist dennoch eine beachtliche Menge: Es entspricht zum Beispiel der weltweiten Goldminenproduktion von 5½ Wochen. Und es zeigt, wieviel Gold über den Futures-Markt bewegt werden kann. Denn die physisch hinterlegten Gold-ETFs verzeichneten im Beobachtungszeitraum lediglich Zuflüsse von 14,4 Tonnen. Legt man den durchschnittlichen ETF-Tageszufluss von bislang 3 Tonnen in diesem Jahr zugrunde, müssten die ETF-Anleger 112 Handelstage oder gut fünf Monate lang Gold kaufen, um den Verkauf am Futures-Markt in den beobachteten zwei Wochen aufzuwiegen. Auch ein weiterer Vergleich zeigt eindrucksvoll die Relationen: So lagen die monatlichen Goldimporte der beiden weltweit größten Nachfrageländer, China und Indien, in diesem Jahr im Durchschnitt bei 70 Tonnen (Netto-Goldimporte China aus Hongkong) bzw. 37 Tonnen (Indien). Beide Länder zusammen bräuchten also drei Monate, um die jüngsten Verkäufe zu absorbieren. Der Verkaufsdruck seitens der spekulativen Finanzanleger sollte unseres Erachtens aber nachlassen. Und der Goldpreis scheint sich knapp unterhalb der charttechnisch wichtigen 200-Tage-Linie zu stabilisieren. Heute richtet sich der Fokus auf die US-Inflationsdaten. Eine steigende (Kern-)Inflation würde Argumente für eine Fed-Zinserhöhung im Dezember liefern und damit den Goldpreis belasten.

Produktideen: Classic Turbo-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CD531F Bull Silber Hebel 6,3
CE20QT Bear Silber Hebel 6,1

Industriemetalle: Die Metallpreise profitierten gestern zunächst nicht von der soliden US-Industrieproduktion im September und gaben in der Breite nach. Heute Morgen holen sie aber ähnlich wie die Ölpreise ihre Verluste in einem für Rohstoffe allgemein freundlichen Marktumfeld wieder auf. So steigt Nickel wieder auf 10.400 USD je Tonne und Zink und Blei kosten wieder mehr als 2.300 USD bzw. 2.000 USD je Tonne. Gemäß Daten der International Nickel Study Group (INSG) war der globale Nickelmarkt im August zwar ausgeglichen, in den ersten acht Monaten des Jahres blieb das Angebot aber um 47,3 Tsd. Tonnen hinter der Nachfrage zurück. Letztere stieg demnach im Jahresvergleich um 6,1%, wozu vor allem China, Südkorea und Indien beitrugen. Das Angebot insgesamt ging dagegen zurück, wobei es hier unterschiedliche Tendenzen in den einzelnen Produzentenländern gab. So fiel zum Beispiel die Nickelproduktion in China laut INSG-Daten zweistellig, während sie sich in Indonesien von niedrigem Niveau aus verdoppelte. Auffällig war auch ein deutlicher Rückgang der Nickelminenproduktion in vielen großen Produzentenländern. Ein Angebotsdefizit bestand Daten der International Lead and Zinc Study Group (ILZSG) zufolge in den ersten acht Monaten des Jahres auch am globalen Zinkmarkt (181 Tsd. Tonnen). Am globalen Bleimarkt übertraf dagegen laut ILZSG von Januar bis August das Angebot die Nachfrage um 48 Tsd. Tonnen. In beiden Fällen setzten sich im August die Trends der vorangegangenen Monate fort.

Produktideen: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CN4BD1 Long Copper Future Dec 16 Faktor 6
CZ6LL2 Short Copper Future Dec 16 Faktor -6

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Themen: Öl, Gold, USD


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Eugen Weinberg leitet seit März 2007 das Rohstoff-Research-Team bei der Commerzbank. Der Diplom- Wirtschaftsmathematiker ist in Russland geboren, kam im Jahr 1999 für ein MBA-Studium nach Deutschland. Danach war er als Fondsmanager und Rohstoffanalyst bei der BW-Bank in Stuttgart beschäftigt und baute im Anschluss den Bereich Rohstoff-Research bei der DZ Bank in Frankfurt auf. Bei der Commerzbank ist er mit seinem Team maßgeblich für die Erstellung der Prognosen und der Strategien im Rohstoffsektor verantwortlich.

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