Künftige Wettbewerbskommissarin der EU äußert sich lobend über
Bill Gates 

Die Niederländerin Neelie Kroes, künftige Wettbewerbskommissarin
der EU, hat sich lobend über Microsoft-Gründer Bill Gates geäußert.
Sie erklärte auch, dass sie daran arbeiten werde, die Diskrepanzen
zwischen der europäischen Kommission und den USA beizulegen. Die
63-jährige Rotterdamerin leitete bis Mitte der neunziger Jahre die
renommierte niederländische Business Universität Nijenroode. In der
Zeit verlieh sie Gates die Ehrendokterwürde. Der damalige
Konzernchef habe in der Zeit "gute Arbeit geleistet", sagte sie
gestern, andernfalls hätte sie ihn nicht für den Titel
ausgewählt.
Als neue Wettbewerbskommissarin müsse sie den Fall jedoch neu
bewerten, fügte sie hinzu. Die EU-Kommission hatte Ende März 2004
wegen Verstoß gegen das EU-Wettbewerbsrecht ein Bußgeld von 497,2
Millionen Euro gegen den US-Software-Konzern verhängt. Das
Unternehmen habe seine beherrschende Position bei Betriebssystemen
für Wettbewerbsverstöße ausgenutzt, so der Vorwurf der Brüsseler
Behörde. Vorsätzlich sei die Anbindung von Windows-Rechnern an
Server anderer Hersteller beschränkt und durch die Bündelung des
Media Players mit dem Betriebssystem der Markt für andere
Media-Player-Anbieter behindert worden, so die Begründung. Der Chef
der Wettbewerbsbehörde im US-Justizministerium, Hewitt Pate hatte
die Strafmaßnahmen scharf kritisiert.
Kroes, die Nachfolgerin des Niederländers Frits Bolkestein, hält 14
Aufsichtsratsposten bei Konzernen wie der Reederei P&O
Nedlloyd, dem Baukonzern Ballast Nedam, und war lange Zeit
Vorsitzende der Transportorganisation Nederland - Distributieland.
Konkret wollte sie sich jedoch nicht zum Verfahren gegen Microsoft
äußern, sie wolle die Anhörungen vor dem EU Parlament abwarten, und
sei "auch noch nicht Wettbewerbskommissarin".