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Chartanalyse: Nokia & Co: Europäische Standardwerte im Chart-Check – Technische Analyse Spezial vom 06. Dezember 2016
Foto: www.commerzbank.de

Chartanalyse Nokia & Co: Europäische Standardwerte im Chart-Check – Technische Analyse Spezial vom 06. Dezember 2016

Gastautor: Achim Matzke
06.12.2016, 16:05  |  1273   |   |   

(Euro-)Stoxx-50-Beispiele sind Ahold Delhaize und Vodafone
Bei einigen europäischen Standardwerten aus dem Stoxx 50 und dem Euro Stoxx 50 ist es in den letzten Wochen zu einer technischen Eintrübung gekommen. Auf der einen Seite sorgt die intensive Diskussion bzgl. einer Zinswende – speziell in den USA – für eine relative Schwäche von klassisch zinssensitiven europäischen Bereichen wie z.B. dem Versorger-Sektor. Auf der anderen Seite handelt es sich hierbei zum Teil um Aktien mit einem Geschäftsschwerpunkt Telekommunikation und/oder Schwellenländer. Bei diesen Aktien bietet sich aus technischer Sicht ein Tausch bzw. Verkauf an. Es handelt sich aus dem Stoxx 50 um den belgischen Brauerei-Konzern Anheuser-Busch InBev, den dänischen Pharmakonzern Novo Nordisk und die britischen Telekom-Werte BT und Vodafone. Aus dem Euro Stoxx 50 kommen noch der niederländisch/belgische Einzelhandelskonzern Ahold Delhaize, der französische Pharmakonzern Essilor International, der finnische Telekomzulieferer Nokia und der spanische Telekomkonzern Telefonica hinzu.

Nokia: Die technische Baisse weitet sich aus
Der finnische Euro-Stoxx-50-Titel Nokia hat seinen Geschäftsschwerpunkt – nach dem Verkauf der Handy- und Mobilfunkaktivitäten und dem (Zu-)Kauf des ehemaligen französischen Euro-Stoxx-50-Titels Alcatel-Lucent – im Zulieferbereich für Telekommunikation. Ausgehend von dem vorherigen Baisse-Tief bei ca. €1,3 (Juli 2012) hatte sich Nokia der Hausse an den europäischen Aktienmärkten angeschlossen. Hierbei wurden die Umstrukturierung und die Transformation des Geschäftsmodells von der Börse honoriert und die Aktie stieg in einem stabilen Hausse-Trend bis zum April 2015 bis auf Kurse um €7,9. Parallel mit der einsetzenden Gesamtmarktschwäche an den europäischen Aktienmärkten und der Ankündigung der Übernahme von Alcatel-Lucent brach die technische Hausse mit einem übergeordneten Take-Profit-Signal ab. In den Folgemonaten etablierte Nokia einen Korrektur-Trend, der sich in den zurückliegenden Monaten zu einem stabilen Baisse-Trend ausgeweitet hat. Dieser Baisse-Trend liegt aktuell bei ca. €6,4. In den Jahren 2014 bis 2016 hatte die Aktie bei Kursen um €4,9 und im Jahresverlauf 2016 zusätzlich bei ca. €4,5 jeweils Support-Zonen herausgebildet. Nokia war im Mai und im Oktober 2016 mit neuen Verkaufssignalen durch diese jeweiligen Support-Zonen gerutscht und hat im November 2016 mit Kursen um €3,7 neue Baisse-Tiefs gesetzt. Auch wenn die Aktie aufgrund der überverkauften Struktur eine Stabilisierungschance aufweist, fehlen aufgrund des intakten Baisse-Trends die technischen Hinweise auf den Eintritt in eine Bodenformation. Aus technischer Sicht bleibt Nokia ein Verkauf bzw. ein Switch.

Vodafone Group: Ausgeprägte relative Schwäche
Die britische Vodafone Group mit ihrer umfangreichen Produktpalette ist ein weltweit tätiges Mobilfunkunternehmen, wobei auch viele Schwellenländer enthalten sind. Die Aktie befindet sich nach der Baisse von Februar 2000 (Kurse um 570 GBp; Kurse bereinigt um zwischenzeitliche Kapitalmarktaktivitäten) bis September 2002 (Baisse-Tief bei ca. 111 GBp) seit 14 Jahren in einer ganz moderaten langfristigen Aufwärtsbewegung. Diese ist aber seit dem Jahreswechsel 2010/2011 bereits in eine Seitwärtspendelbewegung übergegangen. Diese sechsjährige Seitwärtspendelbewegung wird einerseits durch die gestaffelte Support-Zone von 179 GBp bis 195 GBp und andererseits von der gestaffelten Resistance-Zone von 250 GBp bis 256 GBp begrenzt. Nach dem Test der Resistance-Zone im Sommer 2015 ergab sich bis zum September 2015 ein kurzfristiger Abwärtstrend bis auf Kurse um 210 GBp (neue, kleine Support-Zone). In den Folgemonaten etablierte Vodafone dann eine moderate Aufwärtsbewegung, ohne jedoch an den oberen Rand der mehrjährigen Seitwärtspendelbewegung heranzukommen. Anfang November 2016 ist die Aktie mit einem ersten Verkaufssignal aus diesem moderaten Aufwärtstrend herausgefallen. In den letzten Wochen wurde mit dem Rutsch durch die Support-Zone um 210 GBp ein weiteres Verkaufssignal nachgeliefert. Da die mittel- und langfristige technische Gesamtlage mit der stabilen relativen Schwäche gegenüber den Blue-Chip-Indizes in Vodafone deutlich eingetrübt ist und ein Test der mehrjährigen Support-Zone um 179 GBp anstehen sollte, ist die Aktie weiterhin ein Verkauf bzw. ein Switch.

Telefonica: Seit Jahren mit einer relativen Schwäche
Telefonica, die u.a. auch intensive Geschäftsaktivitäten in Lateinamerika besitzt, befindet sich seit Dezember 2007 und Kursen um €23,2 in einer technischen Baisse-Bewegung. Diese Baisse-Bewegung, die von einem zentralen, neunjährigen Baisse-Trend bei aktuell ca. €13,2 begrenzt wird, liefert bisher das klassische technische Wechselspiel. Nach Verkaufssignalen kommt es zu mittelfristigen Abwärtstrends, die zum Teil bereits für sich genommen eine technische Baisse darstellen, und mittelfristigen Stabilisierungen bzw. Kurserholungen. Nach der Abwärtsbeschleunigung in den Jahren 2010 bis 2012 und einem Kurstief um €7,8 ergab sich auch in Telefonica – parallel zur Hausse in den Blue-Chip-Indizes – eine dreijährige Bear- Market-Rallye bis auf Kurse um €14,0 (August 2015). Hierbei wurde der zentrale Baisse-Trend zwar getestet, aber nicht beendet. Ab dem Sommer 2015 kam die Aktie mit mehreren Verkaufssignalen unter Druck und etablierte einen Baisse-Kanal. Hierbei befindet sich der Kursverlauf der Aktie zwischen zwei parallel verlaufenden Abwärtstrends. Der „Sell-off“ drückte die Aktie im Juni 2016 bis auf ein Kursniveau um €7,4 (neue Support-Zone) und damit in eine stark überverkaufte Lage. In den letzten Wochen hat Telefonica zwar diesen beschleunigten Baisse-Kanal zur Seite verlassen, jedoch befindet sich die Aktie nur in einer mittelfristigen Stabilisierung oberhalb der Support-Zone. Da die technischen Hinweise fehlen, dass die seit Jahren vorliegende relative Schwäche gegenüber dem (Euro) Stoxx 50 ausläuft, bleibt Telefonica ein Verkauf bzw. ein Switch.

Ahold Delhaize: Take-Profit-Signal
Der niederländisch-belgische Einzelhändler Ahold Delhaize, der nach der Umsetzung der Fusion im September 2016 in den Euro Stoxx 50 gekommen war, hat in den letzten Wochen mit einer grundlegenden technischen Eintrübung zu kämpfen. Einerseits befindet sich die Aktie noch in dem Hausse-Trend, der im August 2011 bei Kursen um ca. €8,8 startete und aktuell bei ca. €15,0 liegt. Innerhalb dieses Trends konnte die Aktie ab dem Frühjahr 2015 – gegen die einsetzende Gesamtmarktschwäche – einen mittelfristigen Aufwärtstrend und neue Hausse- Tops etablieren. Hier findet sich die Phantasie aus der Fusion, aber auch aus der Euro-Stoxx- 50-Aufnahme wieder. Andererseits hatte Ahold Delhaize in den letzten 18 Monaten aber bereits mit einer Abschwächung der mittelfristigen Aufwärtsdynamik zu kämpfen. Als Konsequenz hatte sich eine technische „Keil-Formation“ – eine negative technische Chartformation – ergeben. Deshalb überrascht es nicht, dass die Aktie jetzt mit einem übergeordneten „Take-Profit- Signal“ aus diesem Keil herausgefallen ist. Da die technische Gesamtlage für Ahold Delhaize für die nächsten Monate eine holprige Wegstrecke andeutet, bieten sich hier ebenfalls Verkäufe bzw. ein Switch an.

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Diskussion: info`s zu telefonica ;-)

Wertpapier: Nokia, Telefonica, Vodafone Group, Koninklijke Ahold Delhaize Bearer


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Achim Matzke leitet den Bereich Technische Analyse & Index Research bei der Commerzbank. Nach dem Mathematik- und BWL-Studium startete er 1990 seine berufliche Karriere bei der Commerzbank. Er ist mit seinem Team maßgeblich für die Technische Analyse sowie die Erstellung von Prognosen und Strategien mit dem Schwerpunkt auf deutsche und europäische Aktien und Aktienindizes verantwortlich. 2014 wurde Achim Matzke von Thomson Reuters Extel Surveys erneut zum besten Analysten des Jahres für deutsche Aktien gewählt.

Achim Matzke ist in Printmedien (z.B. FAZ, Handelsblatt) ebenso als kompetenter Kolumnist tätig wie im TV als Interviewpartner bei ARD, CNBC und natürlich regelmäßig bei ideasTV.

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Achim Matzke ist in Printmedien (z.B. FAZ, Handelsblatt) ebenso als kompetenter Kolumnist tätig wie im TV als Interviewpartner bei ARD, CNBC und natürlich regelmäßig bei ideasTV.

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