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    Balanceakt für die Märkte "Zentralbanken richten weiter Schaden an"

     |  23.04.2012, 14:08  |  1686 Aufrufe  |   | 

     

    Die Saxo Bank erwartet in ihrem aktuellen Marktausblick für das 2. Quartal 2012 einen Balanceakt für die Märkte: Nachdem diese über die vergangenen Quartale mit Liquidität geflutet wurden, schalteten Zentralbanker jetzt einen Gang zurück, um auf ihren vermeintlichen Erfolg zu blicken. Steen Jakobsen, Chefvolkswirt der Saxo Bank, sieht hingegen eine Fülle an finanzpolitischen Fehlentscheidungen, mit denen die Marktteilnehmer nun umgehen müssten. 
     
    „Die Zentralbanken geben sich zwar entschlossen, die Krise an den Finanzmärkten in Schach zu halten, und haben der US-Wirtschaft sogar zu einer leichten Erholung verholfen. Langfristig richtet ihr Vorgehen aber weiterhin Schaden an“, kommentiert der Chefvolkswirt. Jakobsen spricht sogar von einem „finanzpolitischen Experiment, das nach der Lehman-Pleite eingeleitete wurde und auch im vierten Jahr seiner Existenz wenig vorzuweisen hat.“ 
     
    Die Saxo Bank Experten erinnern daran, dass die Wirkung geldpolitischer Maßnahmen auf die Wirtschaft meist erst mit Verzögerungen eintritt. Somit würden wir erst in den kommenden Monaten spüren, welche Folgen die massiven geldpolitischen Stimuli der Zentralbanken auf die Wirtschaft haben. Jakobsen erwartet für das 2. und 3. Quartal 2012 zumindest in Europa und den USA eine positive konjunkturelle Dynamik. Gleichzeitig mehrten sich aber die Sorgen über die wirtschaftlichen Entwicklungen darüber hinaus. Denn für den Chefvolkswirt ist offensichtlich, dass die Zentralbanken früher oder später wieder auf die Notenpresse als ihrem einzigen geldpolitischen Instrument zurückgreifen werden. Zusammen mit den wachsenden sozialen und geopolitischen Spannungen könne dies die Krise erheblich verschärfen. 
     
    Als deutlichste geldpolitische Trendwende bewertet Jakobsen die Einführung eines Inflationsziels durch die Bank of Japan. „Diese Maßnahme markiert insofern einen Wendepunkt, als dass Japan erstmals seit 30 Jahren bereit ist, Inflation hinzunehmen und sogar zu fördern. Falls das Land damit erfolgreich ist, könnte dies das Ende des starken Yen bedeuten“, so der Saxo Bank Chefvolkswirt. Gute Nachrichten seien dies für den Nikkei und die Weltkonjunktur. 
     
     
    Hier einige wichtige Aussagen des Saxo Bank Ausblicks in Kürze: 
     
    Europa 
    Auch wenn die Eurozone Ende letzten Jahres in eine Rezession gerutscht ist, gehen die Analysten der Saxo Bank davon aus, dass Europa weiterhin wachsen wird – wenn auch nur schwach. Die erneute konjunkturelle Belebung in den USA wird letztlich auch auf Europa übergreifen. Zugleich wird auch Asien die Wachstumsentwicklung in Europa über die Exportnachfrage stützen. Oberflächlich betrachtet sieht die Lage an den Märkten nach den Liquiditätsmaßnahmen der EZB gut aus. Doch die spanische Regierung hat bereits angekündigt, die Bedingungen des neuen fiskalpolitischen Pakts der EU kaum erfüllen zu können. Ein Europa mit zwei Geschwindigkeiten wird daher immer realistischer. Die Erwartungen der Saxo Bank Experten im Hinblick auf eine neue Krise sind unverändert. Der Ausgang der Parlamentswahlen in Frankreich könnte die Spielregeln indes grundlegend verändern. 
     
    Rohstoffe
    Die Saxo Bank Experten gehen davon aus, dass der Rohstoffmarkt holprige Wochen vor sich hat, da mit wachsenden geopolitischen Spannungen auch die Unsicherheit im Erdölmarkt zugenommen hat. Der Ölpreis wird daher entweder auf hohem Niveau verharren oder geradezu explosionsartig weiter steigen. Das Preisrisiko auf dem Getreidemarkt steigt deutlich, und der Goldpreis wird sich voraussichtlich Anfang des zweiten Quartals konsolidieren. Für Industrierohstoffe ist indes weiterhin die Entwicklung in China von erheblicher Bedeutung.
     
    Aktienmärkte 
    Die Aktienmärkte haben die guten Nachrichten bereits mehr als eingepreist und dabei den Rückgang der erwarteten Gewinne über die nächsten zwölf Monate übersehen. Die drastischen Sparmaßnahmen, die in den USA nach den Präsidentschaftswahlen anstehen und bereits gesetzlich abgesegnet sind, werden ignoriert. Mit dem zwischenzeitlichen Abbau von Konjunkturfördermaßnahmen wird die Volatilität im zweiten Quartal wieder zunehmen. In der Folge dürften risikoärmere Dividendentitel überdurchschnittlich abschneiden. Im Hinblick auf Europa ist besorgniserregend, dass „Tail Risks“ bisher kaum eingepreist wurden.
     
    Devisen 
    Der US-Dollar wird wieder an Boden gewinnen, wenn sich die Erwartung einer geldpolitischen Normalisierung abermals als „falsche Morgenröte“ erweist. Die Saxo Bank Experten setzen weiterhin auf die schwedische Krone als sicheren Hafen. Der australische Dollar wird am wenigsten favorisiert. Die chinesische Währung könnte auch an Boden verlieren, falls sich die Preisrelationen in Chinas Außenhandel verschlechtern und die Kapitalzuflüsse sinken. Der Yen muss noch um einiges nachgeben, bevor er sich wieder stabilisiert. Die weitere Zins- und Inflationsentwicklung aber scheint sich vorerst in Grenzen zu halten. Es bleibt abzuwarten, ob der USD-JPY-Wechselkurs mit der angekündigten Inflationssteuerung abhebt. 
     
     
     


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