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Rohstoffe - Ölpreis US-Schieferöl vs. OPEC - Wer setzt im Ölpreiskrieg wen unter Druck?

11.05.2016, 14:56  |  4318   |   |   

Die OPEC-Länder wollen mit der Ölflut die unliebsamen US-Konkurrenten aus dem Markt drängen. Doch auch die halten dagegen. Somit könnten die Ölpreise längere Zeit auf niedrigem Niveau verharren.

Die Schieferölproduktion in den USA schränkt die Marktmacht der in der OPEC organisierten Ölförderländer zunehmend ein. Zu diesem Schluss kommen der Energieökonom Aleksandar Zaklan und Claudia Kemfert, von Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Der Grund: Die unkonventionelle Ölförderung über das sogenannte Fracking sei flexibler als die konventionelle Ölförderung und werde zudem immer effizienter. Demzufolge könnten die OPEC-Staaten nicht mehr so leicht wie früher den Marktpreis beeinflussen, indem sie ihre Fördermengen strategisch anpassen.

Doch was bedeutet das für die Rohölpreise? Die könnten in der Folge längere Zeit auf niedrigem Niveau verharren, sollte es nicht unerwartet zu größeren Produktionsausfälle kommen. „Selbst wenn die globale Nachfrage nach Öl demnächst wieder stiege oder die Produktion vorübergehend eingeschränkt würde, wäre angesichts der gut gefüllten Öllager und der flexiblen Schieferölproduktion in den USA nicht mit hohen Preisen wie zu Beginn dieses Jahrzehnts zu rechnen“, so Kemfert. Derzeit liegt der Preis für ein Fass Rohöl (159 Liter) der Nordseesorte Brent bei weniger als 50 US-Dollar.

Schieferöl beeinflusst zunehmend den Ölpreis

Maßgeblich verantwortlich für den Preisverfall ist die im Vergleich zur Ölnachfrage stark gestiegene Ölförderung: Seit Anfang des Jahres 2012 ist sie von 90 auf 96 Millionen Fass pro Tag gestiegen. Mehr als die Hälfte des Zuwachses kommt aus den USA, wo die Schieferölproduktion heute um über drei Millionen Fass höher liegt als noch vor vier Jahren, betont das DIW. Die globale Ölnachfrage konnte aufgrund der weltwirtschaftlichen Schwächephase mit dem Angebotswachstum nicht mithalten – etwa seit Mitte 2014 gibt es ein Überangebot und zunehmende Lagerbestände.

Die Schieferölproduktion dürfte dafür sorgen, dass sich die Entwicklung nicht allzu schnell umkehrt. Zuletzt gab es in Nordamerika - unter anderem auch aufgrund des geringen Ölpreises - zwar weniger aktive Bohranlagen und die Fördermenge in den USA wurde reduziert. Die Effizienzsteigerungen in der Schieferölproduktion seien jedoch laut DIW beträchtlich. Die Durchschnittskosten bewegen sich mittlerweile in einer Spanne von 40 bis 60 US-Dollar pro Fass Rohöl.

Doch Vorsicht! Der niedrige Ölpreis ist für viele Firmen längst zur Existenzfrage geworden. Je tiefer er sinkt, desto mehr steht ihr gesamtes Geschäftsmodell auf dem Spiel. BlackRock-Chef Larry Fink warnt jetzt: 400 Energiekonzern könnten pleitegehen! (Mehr zu den Opfern des Ölpreiskriegs hier und hier und hier.)

Geopolitische Faktoren drücken auf den Ölpreis

Neben einem stärkeren Wettbewerb schränke  zudem politische Spannungen und Machtkämpfe die Handlungsfähigkeit der OPEC weiter ein. Auf Produktionsdrosselungen konnte sich die Organisation bisher jedenfalls nicht einigen. „Denkbar wäre, dass die OPEC-Länder mit der Ölflut die unliebsamen US-Konkurrenten aus dem Markt drängen wollen“, so Zaklan. „Sollte das die Strategie sein, wäre sie nicht sehr erfolgsversprechend. Denn die Schieferölproduzenten dürften auch künftig auf dem Ölmarkt präsent sein und die OPEC unter Druck setzen können.“ Lesen Sie hier unter anderem zu den gescheiterten Gesprächen in Doha: "Uns sind die Ölpreise egal! Ob 30 oder 70 Dollar – das ist alles dasselbe für uns." Die Machtspielchen zwischen Saudi Arabien und den Iran drücken auf den Ölpreis. Siehe hier, hier und hier.

Da wäre aber auch noch Russland, die mit der Entwicklung des Ölpreises so gar nicht einverstanden sind. Wenn es da nicht schon andere Pläne gäbe: Das russische Ural-Öl soll vom üblichen Brent-Richtwert abgekoppelt werden. Dazu macht sich Russland derzeit auf die Suche nach internationalen Ölhändlern für den hauseigenen Terminmarkt. Lesen Sie mehr: Kasse leer, Rubel her! Russland will Ölpreis von Brent-Richtwert und vom US-Dollar abkoppeln. Die Machtfrage an die OPEC ist gestellt (mehr dazu hier).

Wertpapier: Öl (Brent), Öl (WTI)


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